Zensur: WeChat sperrt erstmals Nutzerkonten

Der Messaging-Dienst WeChat löscht seit dem 13. März unerwünschte Accounts ohne Begründung. Betroffen davon sind nicht nur zu liberale Konten. Hinter der Aktion könnte ein neuer Arbeitskreis unter der Leitung von Präsident Xi Jinping stecken.

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Weixin, im Westen eher bekannt unter dem Namen WeChat, sperrt erstmals in seiner Geschichte Nutzerkonten. Damit ist der Mobile-Messaging-Dienst wohl endgültig in der ersten Liga der chinesischen sozialen Medien angekommen.

 

Medien-Accounts und Blogger betroffen

WeChats zunehmende Beliebtheit wurde dem WhatsApp-Konkurrenten zum Verhängnis. Mittlerweile weist der Messaging-Dienst rund 300 Millionen Nutzer auf.

Zwar verbreiten sich Inhalte über WeChat nicht so schnell viral wie über klassische soziale Netzwerke wie Sina Weibo oder Tencent Weibo. Texte, Bilder und Videos werden in der Regel nur an Freunde gesendet. Allerdings hostet Weixin auch über zwei Millionen öffentliche Accounts. Das besondere an ihnen: nicht nur Unternehmen und Staatsmedien durften bislang ihre Botschaften an all ihre WeChat-Follower senden. Auch unabhängige Content-Produzenten wie zum Teil kritische Blogger und private Medien konnten frei nach Laune im WeChat-Universum mitreden. Anders als bei Weibo & Co. blieben sie dabei von der Selbstzensur des Betreibers größtenteils unbehelligt.

Doch diese Situation hat sich am 13. März verändert. Vermutlich auf Druck der Regierung zensiert WeChat seine Accounts seitdem wie die anderen großen Social Networks in China selbst. Davon betroffen sind unter anderem kritische Blogs wie das Elephant Magazine oder Consensus Net. Auch der WeChat-Account einer Website, die mit Chinas wichtigsten Wirtschaftsportal Caixin in Verbindung steht, wurde gesperrt. Zudem wurden zahlreiche Konten prominenter Netizens gelöscht – und das alles ohne Vorankündigung.

Viele Opfer der Zensur eint, dass sie als politisch liberal gelten. Doch auch super-konservative Webseiten wie das maoistische Utopia sind von den Sperrungen betroffen.

 

WeChat als Marionette Xi Jinpings

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Die Macher von WeChat dürften sich mit der Selbstzensur jedoch bestens auskennen. WeChat gehört zum chinesischen Internet-Riesen Tencent. Dessen Portfolio beinhaltet bereits zensierte Social Networks wie Tencent Weibo, QZone oder QQ. Tatsächlich werden einzelne WeChat-Beiträge schon länger zensiert. Nur die Sperrung ganzer Accounts ist neu.

Die Strippenzieher für die Sperrung der Konten dürften in Peking sitzen. Der bekannte chinesische Blogger und Medienbeobachter Wen Yunchao sagte gegenüber Foreign Policy: “Es ist sehr wahrscheinlich, dass dies die erste Handlung einer kleinen für die Internetsicherheit verantwortlichen Arbeitsgruppe war, die von Xi Jinping geleitet wird.” Das angesprochene Gremium um dem Präsidenten trat erstmals am 27. Februar zusammen. Das Ausmaß und die Plötzlichkeit der Sperrungen veranlassen Wen zu der Mutmaßung, dass die Anweisungen hierzu von ganz oben kamen.

 

Text: Adrian Kummer / Abbildung: Tech in Asia / Foto: ernop (Flickr)