Wirtschaftszeitung 21Century Business Herald: Hat die chinesische Zensur erneut zugeschlagen?

Kritische Medien werden in China immer wieder von den Zensurbehörden sanktioniert. Nun traf es offenbar die renommierte Wirtschafts- und Finanzzeitung „21st Century Business Herald“. Führende Mitarbeiter des Blattes wurden festgenommen.

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Die Webseite des 21CBH / Screenshot: 21China

Am 25. September 2014 wurden in Shanghai fünf Mitarbeiter des „21st Century Business Herald“ (21CBH) verhaftet und in Polizeigewahrsam genommen. Es handelt sich dabei laut chinesischen Pressemeldungen unter anderem um Chefredakteur Shen Hao und Geschäftsführer Chen Dongyang. Die Medienschaffenden werden von offizieller Seite der Erpressung bezichtigt, wobei sie in der Rolle des „Wächters der öffentlichen Meinung“ auf illegale Weise enorme Gelsummen erlagt haben sollen. Die Ermittlungen laufen derzeit noch. Es ist dabei noch keinesfalls geklärt, ob sich die Vorwürfe illegaler Geschäftspraktiken tatsächlich erhärten, oder ob es sich um eine Form von politischer Einflussnahme handelt.

Der „21st Century Business Herald“, mit Sitz in der südchinesischen Stadt Guangzhou (Kanton), ist Teil der Nanfang Media Group und gilt in China als eine der angesehensten und einflussreichsten Tageszeitungen mit wirtschaftsbezogenem Schwerpunkt. Shen Hao ist Absolvent der elitären Peking Universität und arbeitete zeitweise auch für namhafte Publikationen wie der Wochenzeitung „Southern Weekend“ und der „Southern Daily“, bevor er im Jahr 2000 Redakteur des 21CBH wurde. Nach Shens Verhaftung ging ein gewaltiger Aufschrei durch chinesische Medienkreise.

Zunehmende Sanktionen

Investigativer Journalismus hat in China bekanntlich einen schweren Stand, wobei die jüngsten Ereignisse zu einer weiteren Verschärfung beitragen dürften. Besonders oft sehen sich „liberale“ Medienhäuser mit repressiven Maßnahmen seitens der Kontrollbehörden konfrontiert. Sanktionen reichen von der einfachen Zensur einzelner Artikel bis hin zur temporären oder dauerhaften Einstellung des Medienbetriebs einer Publikation.

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Besonders Medienkonzerne der südlichen Provinz Guangzhou waren in der Vergangenheit immer wieder Ziel behördlicher Eingriffe. So protestierten im Januar letzten Jahres Journalisten des „Southern Weekend“ gegen die politische Intervention von Parteifunktionären und im Oktober 2013 druckte die Zeitung „New Express“ auf ihrer Titelseite einen Appell an die Behörden ab, den festgenommenen Journalisten Chen Yongzhou aus der Haft zu entlassen. Sowohl die Vorfälle aus dem Jahr 2013 als auch der jüngste Fall in Shanghai haben die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen und entsprechende Debatten ausgelöst.

Trotz Repressionen: Medienkonzerne gewinnen an Macht

Mit der Durchsetzung repressiver Maßnahmen wird die journalistische Freiheit empfindlich beeinträchtigt. Gleichwohl muss aber zur Kenntnis genommen werden, dass solchen Übergriffen in letzter Zeit auch ein entsprechendes Echo gegenübersteht. Nicht zuletzt mit der voranschreitenden Digitalisierung und der zunehmenden Verfügbarkeit von Informationen haben Medienkonzerne auch an Macht gewonnen. Im Lichte der breiten Öffentlichkeit wird sich nun zeigen, inwiefern es sich beim Fall 21CBH um einen Einschnitt in die Freiheit journalistischer Tätigkeit handelt. Sicher ist jedoch, dass der Vorfall, unabhängig vom Ausgang der Ermittlungen, eine tiefe Zäsur für die renommierte Wirtschaftszeitung darstellt.