Neue Studie: So verhalten sich Chinas Online-Shopper

China verfügt über den größten Online-Shopping-Markt Asiens. Und in keinem anderen Land der Welt ist E-Commerce unter Internetnutzern so akzeptiert wie im Reich der Mitte. Eine Studie offenbart nun neue Einblicke in das Verhalten der Online-Käufer.

Louis Vuitton Laden in Shanghai

Trotzdem nicht wichtig: Offline-Shops in China / Foto: trioptikmal (Flickr)

Bereits heute kommt jeder fünfte Internetnutzer aus China. Und aus den 618 Millionen chinesischen Usern sollen bis 2016 730 Millionen werden.

Das bedeutet auch, dass er chinesische Online-Shopping-Markt weiter wachsen wird. Bis 2016 wird die Zahl der Online-Shopper im Reich der Mitte ebenfalls rapide von 271 Millionen auf 380 Millionen ansteigen. Das ergab eine neue Studie mit dem Titel The Chinese Digital Consumer in a Multichannel World von der Boston Consulting Group. Damit liegen die Schätzungen der Unternehmensberatung niedriger als die im Februar veröffentlichen Zahlen von Global Web Index.

Das Internet als Recherche-Tool

Chinesen verbringen 90% ihrer Online-Shopping-Zeit mit digitalem Bummeln. In dieser Zeit recherchieren sie über Produkte, kaufen jedoch selten sofort danach auch etwas ein. Lediglich bei Kleidung greift man in China auch spontan zu, insbesondere bei Sonderangeboten. Bei Lebensmitteln dient das Internet hingegen fast ausschließlich der Recherche, wobei das Produkt später offline gekauft wird. Auf diese Weise sorgt das Internet in Bezug auf die unzureichende Lebensmittelsicherheit im Land für mehr Transparenz.

Bei der Recherche verbringen die Chinesen weniger Zeit auf offiziellen Websites von Unternehmen, Marken und Produkten als in anderen Ländern. Das hängt vor allem mit dem hohen Misstrauen in China gegenüber Unternehmen zusammen. Zwei Drittel des Online-Shopping-Traffics entfallen daher auf E-Commerce-Seiten wie Taobao oder TMall.

Für 60% der Online-Shopper ist das Internet das wichtigste Medium zur Informationsbeschaffung über Produkte. 30% halten On- und Offline-Informationen für gleich wichtig. 10% greifen lieber auf Offline-Infos zurück. Weil die Grenzen hier verschwimmen, muss das Markenerlebnis in China crossmedial schlüssig sein, um Marken möglichst effizient zu kommunizieren.

Wie man die Online-Käufer erreicht

Marken können chinesische Online-Shopper in der Masse relativ leicht mit ihren Marketing-Tools erreichen. Denn im Durchschnitt verbringen die Nutzer 40 Prozent ihrer Zeit während des Surfens auf nur fünf Websites:

  • Youku (Youtube-Klon)
  • Sina.com (News-Portal)
  • QQ (Instant Messaging)
  • Taobao (Online-Shopping)
  • Baidu (Suchmaschine)

Allerdings ist es nicht unbedingt leicht, die Nutzer über diese Kanäle anzusprechen. Auf Sina Weibo folgen Online-Shopper zwar im Schnitt 18 Blogs von Marken. Allerdings nehmen sie deren Posts kaum wahr. Und Prominente, denen auf Weibo traditionell viel Aufmerksamkeit zukommt, bewerben nur ungern Produkte über ihre Blogs, weil die Mitglieder empfindlich auf die Kommerzialisierung des sozialen Netzwerks reagieren.

Darum sind Markenbotschafter immens wichtig für E-Commerce in China. 60% der Chinesen posten online gelegentlich produktbezogene Inhalte. Außerdem leiten die Hälfte der Chinesen solche Posts weiter oder speichern sie. Am meisten gilt dies für Produkte aus den Kategorien Mode, Hautpflege und Kosmetika. Um Markenbotschafter für sich zu gewinnen, helfen oftmals Sonderangebote oder kostenlose Proben.

Vor allem westliche Marken müssten laut Boston Consulting Group lernen, die chinesischen Eigenheiten des E-Commerce-Marktes besser zu verstehen. Nur auf diese Weise ließen sich die richtigen Strategien ableiten, die sich in der Regel stark von jenen in westlichen Ländern unterscheiden.

 

Text: Adrian Kummer