Merkel in China: Was die Kanzlerin erwartet

Angela Merkel reist morgen nach China. Dabei sollte die Bundeskanzlerin aufpassen, dass Großbritannien Deutschland nicht als wichtigsten Ansprechpartner in Europa verdrängt.

Merkel-China

Bundeskanzlerin Angela Merkel / Foto: FNDE (Wikimedia Commons)

Morgen reist die deutsche Bundeskanzlerin nach China. Dabei geht es natürlich wieder vor allem um die Vertiefung der Zusammenarbeit und um verschiedene Wirtschaftsthemen. Allerdings inszenierten Großbritannien und China den Besuch von Xi Jinping vor einigen Tagen in Europa als großen Akt der Freundschaft. Das könnte sich auch auf die deutsch-chinesischen Beziehungen auswirken, die in letzter Zeit ein wenig ins Stocken gerieten. Großbritannien droht der Bundesrepublik den Rang abzulaufen.

„Aus Deutschland kommen derzeit in der Tat wenig neue Impulse für die China-Politik“, sagt China-Experte Sebastian Heilmann, Direktor des Mercator Institute for China Studies (MERICS) in Berlin. „Was nicht verwunderlich ist angesichts der gewaltigen Flüchtlingskrise und vorrangiger Themen im Nahen Osten.“ Spannend dürften nicht zuletzt deshalb auch die Äußerungen von Merkel und ihren Gastgebern zur Syrienkrise sein. Deutschland hoffe nun, so Heilmann, dass China wie bereits in der Ukraine-Krise besänftigend auf Russland einwirken könne.

Chinas Wirtschaft enttäuscht von Kooperation

Dass Deutschland derzeit vor großen Herausforderungen steht, wird die chinesischen Wirtschaftsvertreter jedoch kaum besänftigen können. Sie sind enttäuscht von der Kooperation mit Deutschland. Die groß angekündigte Innovationspartnerschaft zwischen den beiden Ländern kommt nicht so richtig in die Gänge. Die deutschen Unternehmen sind nicht wirklich an einem technologischen Austausch interessiert. Warum auch? Sie würden kaum von der Zusammenarbeit mit den technologisch unterlegenen Partnern profitieren. Gleichzeitig würde sensibles Know-how nach Fernost wandern.

Doch die deutsche Exportindustrie ist nach wie vor auf den chinesischen Markt angewiesen. Chinas Abhängigkeit von Deutschland könnte hingegen abnehmen, sollte Großbritannien wirklich Deutschland als wichtigsten Ansprechpartner in Europa verdrängen.

Trotzdem wird Merkel auch dieses Mal kritische Töne zur chinesischen Innen- und Außenpolitik finden müssen. „Allerdings ist es sehr gut möglich, dass die chinesischen Regierungsvertreter solchen Vorhaltungen nicht mehr so geduldig zuhören wie noch im letzten Jahr“, sagt Heilmann.

Der Ablauf des Merkel-Besuchs

Angela Merkel wird während ihrer Reise von Ministerpräsident Li Keqiang begleitet. Am Donnerstag trifft sie in Peking zudem Staatspräsident Xi Jinping.

Li und Merkel werden am Freitag gemeinsam von der Hauptstadt in die Provinz Anhui reisen. Dort wird die deutsche Delegation einen Eindruck vom ärmeren Teil Chinas bekommen, denn unter den 31 Regionen und Provinzen des Landes nimmt Anhui in Sachen Pro-Kopf-Einkommen nur Platz 26 ein.

Der Trip in die im Westen eher unbekannte Provinz steht wie Vieles im Zeichen der deutschen Wirtschaftspolitik. „Es reicht nicht mehr aus, teure Qualitätsprodukte anzubieten“, sagt Heilmann. „Die Unternehmen müssen ihre Angebote und Dienstleistungen zu wettbewerbsfähigen Preisen stärker auf die Bedürfnisse der Kunden vor Ort zuschneiden. Es wird immer wichtiger, die regional sehr unterschiedlichen Nachfragedynamiken in den Provinzen Chinas zu identifizieren und zu nutzen.“