Gefälschte Nutzerstatistiken vor Weibo-IPO?

Nur etwa fünf Prozent der aktiven Nutzer sorgen auf Sina Weibo für fast alle Beiträge. 9 von 10 Nachrichten stammen von nur 10 Millionen Mitgliedern, wie eine neue Studie zeigt.

Weibo-IPO-Nutzerzahlen

 

Aktive Nutzerzahlen sind ein heikles Thema für Social Networks. Vor allem, wenn der Börsengang vor der Tür steht. Denn gerade dann tricksen die Internetriesen auch mal ganz gerne – wie zuletzt Twitter. Der Kurznachrichtendienst weist insgesamt 646 Millionen registrierte Mitglieder auf. Nach offiziellen Angaben von Twitter sind davon jeden Monat mehr als 200 Millionen User aktiv, also nicht einmal ein Drittel. Doch dabei handelt es sich bereits um geschönte Zahlen. In Wirklichkeit dürften auf Twitter wohl nur 115 Millionen Nutzer regelmäßig zwitschern.

Mit ganz ähnlichen Problemen hat nun der chinesische Twitter-Klon Sina Weibo vor seinem geplanten IPO in den USA zu kämpfen. Laut einer Studie von Fu King-wa vom Journalism and Media Studies Centre der University of Hong Kong werden nur rund 210 Millionen der etwa 500 Millionen Weibo-Accounts überhaupt genutzt. Und noch verheerender: Nur zehn Millionen Nutzer verfassen rund 94 Prozent aller Beiträge auf Weibo. Die restlichen 200 Millionen „aktiven“ User teilen nur gelegentlich die Inhalte Dritter.

Anleger irritiert: Kann man Weibo vertrauen? 

Diese Zahlen widersprechen klar den offiziellen Angaben von Sina. Noch im Dezember gab das Unternehmen bekannt, dass die aktiven Nutzerzahlen aus dem Vorjahr bis Dezember 2013 um 33,4 Prozent auf 129,1 Millionen gestiegen seien. Allein täglich sollen es im Schnitt 61,4 Millionen gewesen sein.

Darum stellt Medienforscher Fu gegenüber der South China Morning Post Weibos Definition von aktiven Nutzern in Frage: „Sie schauen, wie viele Leute sich einmal im Monat mit ihrem Account einloggen“, sagt er. „Aber eingeloggt zu sein, zum Beispiel mit dem Smartphone, bedeutet nicht gleichzeitig, dass man den Dienst auch nutzt.“

Fus Beobachtungen könnte Sina große Schwierigkeiten beim internationalen Börsengang von Weibo bereiten. Erst letzte Woche entbrannte eine Debatte über den Wahrheitsgehalt der Nutzerzahlen, als Weibo den Antrag für die Aufnahme in die NASDAQ offiziell einreichte.

 

Text: Adrian Kummer