Dreckige Geschäfte: Westliche Müll-Exporte nach China

Jeden Tag fallen weltweit Millionen Tonnen von Müll an. Ein großer Teil des westlichen Abfalls landet in China – nicht immer auf legalem Weg.

Müll-China

Keramik-Müllberg / Foto: oddsock (Flickr)

Für das Jahr 2100 prognostizieren die Forscher um Daniel Hoornweg im Fachmagazin Nature täglich mehr als 11 Millionen Tonnen feste Abfälle, sollte sich an unserem Verhalten nichts ändern. Auf einigen chinesischen Müllhalden würden dann pro Tag mehr als 10.000 Tonnen Abfälle landen.

Doch schon heute wachsen die Müllberge in China rapide. Eine der Ursachen für diese Entwicklung ist der stark gestiegene Import von Müll aus den westlichen Industrieländern.

Goldener Elektroschrott

In den letzten Jahren hat sich die Volksrepublik weltweit zu einem der wichtigsten Abfall-Importeure entwickelt. Besonders die USA und Europa überlassen ihren Müll den Chinesen. Allein Europas Müll-Exporte stiegen von 2000 bis 2008 um 250 Prozent.

Äußerst begehrt ist offensichtlich Elektroschrott – denn China importiert 70 Prozent des weltweiten Aufkommens. Die hohe Nachfrage dürfte mit den im Elektromüll enthaltenen Rohstoffen zu tun haben: Eine Tonne Mobiltelefone enthält etwa 30 mal mehr Gold als eine Tonne Gestein aus einer Goldmine. 

Extreme Gefahren für Mensch und Umwelt

Ebenfalls stark gefragt ist westlicher Plastikabfall. Die chinesische Kunststoffindustrie benötigt große Mengen an Plastik – für die Herstellung neuer Wegwerfprodukte.

Bei der Weiterverarbeitung kennen chinesische Recycling-Unternehmen keine Skrupel hinsichtlich der Gesundheitsgefährdung von Mitarbeitern oder Umweltzerstörung. Der chinesische Fotograf Wang Jiuliang dokumentiert seit Jahren, wie Wanderarbeiter ungeschützt giftigen Dämpfen und ätzenden Reinigungsmitteln ausgesetzt werden oder wie ungeklärte Abwässer von Recycling-Firmen Flüsse verseuchen. Auch ein TV-Bericht der ZDF-Korrespondentin Nicola Albrecht aus dem letzten Jahr befasst sich diesem Thema.

Illegale Exporte trotz Basler Konvention

Ganz ähnlich sind die Bedingungen im Bereich Elektroschrott. Zwar soll die von 170 Teilnehmerstaaten (darunter auch China) unterzeichnete Basler Konvention seit 1989 dafür sorgen, die Ausfuhr von giftigen Abfällen auf ein „Mindestmaß“ zu begrenzen. Allerdings fehlt mit den USA einer der größten Abfall-Erzeuger auf der Liste der Teilnehmerstaaten – und Begrifflichkeiten scheinen unkonkret formuliert zu sein.

„Allen Übereinkommen zum internationalen Transport und Handel mit Elektroschrott fehlt eine konkrete Definition von Schrott“, erklärt der Abfallwirtschaftsexperte Julius Fobil.

Doch vielleicht sorgt nun die chinesische Regierung für eine Veränderung der Lage. Seit 2013 darf importierter Müll gemäß der sogenannten Operation Grüner Zaun nur zu 1,5 Prozent verunreinigt sein. Aufgrund nachlässiger Mülltrennung schickte die Volksrepublik im letzten Jahr rund 800.000 Tonnen Abfall wieder retour.

 

Text: Rosi Bach