Deutsche sind Vize-Weltmeister bei Plagiaten

Längst kopieren nicht mehr nur die Chinesen deutsche Produkte. Eine neue Studie zeigt: Deutschland kopiert sich zunehmend selbst.

Spiegel-Cover-Gelbe-Spione

Spiegel-Cover von 2007: Angst vor chinesischen Plagiaten / Foto: Der Spiegel

Eine Auswertung des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) zeigt: Die meisten Plagiate stammen aus China. Allerdings: auch in Deutschland wird geistiges Eigentum längst nicht so geachtet, wie wir das gerne vorgeben.

23 Prozent und damit die zweitmeisten aller Plagiate kommen aus Deutschland. Das entspricht fast jeder vierten Kopie. Unternehmen müssen also immer häufiger den deutschen Wettbewerber fürchten statt der chinesischen Konkurrenz.

Deutsche Nachahmer gefährlicher als „Gelbe Spione

Im Gegensatz zu den meist minderwertigen Nachahmungen aus Fernost können deutsche Plagiate qualitativ mithalten und stellen daher eine tatsächliche Bedrohung dar. Meist werden Hightech-Produkte qualitativ gut und täuschend echt kopiert. Betroffen sind alle Branchen.

Gegen den Diebstahl von geistigem Eigentum wendet sich die von Industriegeldern finanzierte Aktion Plagiarius. Der Plagiarius ist ein deutscher Negativpreis, der seit 1977 besonders dreiste Produktkopien auszeichnet.

Wischmop-Plagiat

 

Plagiat Made in Germany: Wischmop der Otto Oehme GmbH / Foto: Plagiarius

Platz 1 und Platz 2 des Plagiarius 2014 gingen an den unbestrittenen Plagiats-Weltmeister China. Platz 3 hingegen belegt der Vize-Weltmeister Deutschland. Für das dreiste Kopieren eines Wischmop-Systems der Firma Sprintus aus Weissach erhielt die Otto Oehme GmbH aus dem fränkischen Allersberg die Bronzemedaille im Rennen um die unverfrorensten Plagiate.

Die Bilanz zeigt: geistiges Eigentum wird hierzulande also kaum mehr respektiert als in China. Aus Deutschland kommen mehr Plagiate als aus Indien oder der Türkei. Zeit sich an der eigenen Nase zu packen.

 

Text: Verena Weber