Der chinesische Weinmarkt

Chinas Weinmarkt verändert sich. Während die Konsumenten langsam auf den Geschmack kommen, dämpft die Korruptionsbekämpfung die Umsätze der teuren ausländischen Weine.

Wein-China

Welcher Wein soll es sein? / Foto: Joe Shlabotnik (Flickr)

Im vergangenen Monat fand das zweitägige Event Shanghai Wine Experience im Hyatt Hotel am Bund statt. Weinliebhabern aller Art wurde hier die Möglichkeit geboten, über 7.500 verschiedene Weinsorten zu kosten. Bereits seit einigen Jahren hat die Welt ein Auge auf Chinas steigende Verkaufszahlen für Wein geworfen. Mittlerweile reiht sich China als fünftgrößter Weinmarkt auf globaler Ebene ein und sichert sich zeitgleich den Titel als Spitzenkonsument für Rotwein. Nachdem die Weinindustrie in der Vergangenheit einige Rückschläge erfuhr, gelang es ihr erst kürzlich sich mit einem wesentlich erwachseneren Konsumentenkreis sich aus der Versenkung zu erheben. Im Zuge seines Aufstiegs beanspruchte die Industrie Förderung durch ausländische Investoren.

Chinesen bevorzugen heimische und französische Weine

Inländische Weinhersteller beherrschen mehr als die Hälfte des gesamten Marktes – einschließlich Chanyu Pioneer Wine, Great Wall Wine und Dynasty Wine – und dies aus einem guten Grund. Zum einen wurde der Geschmack des chinesischen Weines im Zuge von Geschmackswettbewerben mit Bestnoten ausgezeichnet. Zum anderen gelang es den Weinherstellern ihren Marktfokus auf die mittlere und hohe Preisebene zu erweitern. Innerhalb der nächsten fünf Jahre wird erwartet, dass sich China zum größten Weinhersteller der Welt entwickelt wird.

Weinimporte nach China versiebenfachten sich in den letzten sechs Jahren, was zu einer Ausweitung des Marktanteils auf nunmehr 19 Prozent führte. Jeder fünfte in China konsumierte Wein ist ein Importwein. US-amerikanische Weinexporte nach China betrugen in 2013 knapp 23 Millionen Flaschen. Dies ist beachtlich, wo es noch zehn Jahre zuvor praktisch keinerlei Exportgeschäft gab.

Französischer Wein verkauft sich besonders gut auf dem chinesischen Markt. Es wurden Verkäufe zu einer Gesamtsumme von US$ 1,15 Milliarden verzeichnet, was beinahe 50 Prozent aller Weinimporte ausmacht. China, mittlerweile größter Exportmarkt für französischen Wein, förderte den Import durch die Vereinbarung, die Anti-Dumping Klage gegen europäische Weinhersteller fallen zulassen.

Der Ruf französischen Weines ist auf Grund seiner berüchtigten Produktfälschungsindustrie geschädigt. Die Lage ist so ernst, dass die chinesischen Regierung kürzlich eine Absichtserklärung mit Frankreich unterzeichnete, um gegen den Verkauf von Produktfälschung hinsichtlich Wein und anderer Spirituosen, die auf dem chinesischen Markt gehandelt werden, vorzugehen.

Wein als Investitionsgut

Nicht alle Weine werden wegen ihres Geschmackes eingekauft – Wein hat seinen Platz unter chinesischen Investoren gefunden. Der Erwerb ausländischer Weinberge, darunter zwei hoch-profilierte Eigentumsaneignungen von Bordeaux, wurde unter chinesischen Investoren zum Trend. Das neu erworbene Eigentum dient dem Export von Wein nach China.

Weitere Investitionen umfassen den Kauf von Qualitätswein als Anlageform unter Verwendung von zwecks dafür gegründeten Privatfonds. Dieser Erwerb verspricht Renditen (im selben Umfang wie Kunstwerke). Bisher kämpfen sie damit der Nachfrage der Investoren gerecht zu werden.

Korruptionsbekämpfung dämpft die Absatzzahlen

Die guten Zeiten, so scheint es jedoch, nähern sich einem Ende. Mit Sparmaßnahmen und den bereits in 2012 angekündigten Antikorruptionsmaßnahmen will die Regierung den Party- und Bankettexzessen einen Dämpfer verpassen. Die schlechten Verkäufe von inländischen und Importierten Weinen werden auf diese Maßnahmen zurückgeführt.

Insbesondere Australien war äußerst bestrebt, seinen verlorenen Marktanteil zurückzugewinnen, nachdem es in diesem Geschäftsjahr einen 12-prozentigen Rückgang der Weinverkäufe in China erlitten hat. Jedoch ist es schwer zu beurteilen, inwiefern der Rückgang dem Durchgriff der Regierung zu zuschreiben ist und nicht viel mehr doch ein Ergebnis der natürlichen Abflachung des Konsumwachstums ist. Lag er zwischen 2008 und 2012 noch bei 143,3 Prozent, so ist er seit 2013 schätzungsweise nur noch bei 33,8 Prozent.

Anlass für Optimismus findet sich in der schrittweisen Reifung der Marktbasis, da das Interesse chinesischer Konsumenten mehr und mehr bei teuren Weinen liegt – China ist mittlerweile der weltweit zweitgrößte Konsument für Wein in der Preisklasse von 10 US$ und höher. Die Verkaufszahlen für teure Weine haben sich zwischen 2008 und 2012 vervierfacht und werden voraussichtlich bis 2017 noch um weitere 60 Prozent ansteigen.

Analysten bemerken, dass Rotwein normalerweise für steigende Zahlen in neu etablierten Weinmärkten sorgt, sich jedoch der reifende Gaumen der Konsumenten nach Abwechslung sehnt, was letztlich zu einer schrittweise Einführung von Weiß- und Roséweinen führt. Hierdurch entstehe also ein Spielraum, der Chinas Weinindustrie zukünftig zusätzliches Marktwachstum bescheren werde, da die Industrie sich derzeit fast ausschließlich auf Rotwein konzentriert (insgesamt 90 Prozent).

Geschenke für die Weinindustrie

Mit Beginn der Shanghai Freihandelszone (FHZ) im September vergangen Jahres, wurde der Weinindustrie in China ein weiteres Geschenk gemacht. Innerhalb der Zone fallen für den Import sowie für die Veräußerung von Wein weder Steuerabgaben an noch muss das Produkt durch die Zollabfertigung. Aber nur solange wie das Produkt innerhalb der Grenzen der FHZ verbleibt.

In einigen Fällen kann die tatsächliche Transaktion in Hong Kong, auf Grund eines Abkommens hinsichtlich der zollfreien Einfuhr von Wein landesweit nach China, unter Einhaltung bestimmter Auflagen stattfinden. Durch dieses Abkommen können die hohen Kosten für den Weinimport nach China vermieden werden. Diese betragen ansonsten 14 Prozent Zolltarif, 17 Prozent Mehrwertsteuer und 10 Prozent Verbrauchsteuer.

 

Dieser Artikel stammt von unserem Kooperationspartner China Briefing und erschien zuerst auf dem gleichnamigen Online-Nachrichtenportal.