Das Ende der Autopreis-Abzocke?

Der Elektroauto-Hersteller Tesla will mit Kampfpreisen in den chinesischen Markt fahren. Ermöglicht wird das vor allem durch die überteuerten Preise, zu denen ausländische Premium-Autohersteller ihre Boliden anbieten.

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Dass westliche Produkte in China bisweilen verhältnismäßig teuer sein können, weiß man spätestens seitdem chinesische Staatsmedien die hohen Preise von Starbucks in China ankreideten. Dass andere westliche Unternehmen sich diesen Umstand zunutze machen, ist jedoch neu.

So geschehen beim US-amerikanischen Elektroauto-Hersteller Tesla. Im Rahmen von Teslas China-Offensive wird das Auto Model S in China zum gleichen Preis vor Steuern verkauft werden wie in den USA. In den Staaten beträgt der Listenpreis 81.070 US-Dollar, in der Volksrepublik wird das Auto für umgerechnet 131.200 US-Dollar (734.000 Yuan) verkauft. Der Preis liegt damit zwar immer noch zwei Drittel höher als in Amerika. Das ist allerdings normal angesichts von Transportkosten, Importzöllen und Steuern. Auch andere internationale Hersteller sehen ihre höheren Preise darin gerechtfertigt – obwohl sie wesentlich härter aufschlagen als Tesla. Tesla beschreibt das Verhalten der Konkurrenz deswegen als moralisch verwerflich im Unterton seiner offiziellen Stellungnahme. Dort heißt es:

This pricing structure is something of a risk for Tesla, but we want to do the right thing for Chinese consumers. If we were to follow standard industry practice, we could get away with charging twice as much for the Model S in China as we do in the US. But we’re doing things differently, even if it means that some people might look at the price and mistakenly think it must somehow mean the Model S has less value than its competitors.

Auch deutsche Premiumhersteller treiben Preise in die Höhe

Schon seit Längerem beklagen chinesische Staatsmedien die Praxis internationaler Autohersteller, ihre in Autos in China über Wert zu verkaufen. Auch deutsche Autobauer mischen kräftig mit bei der Preistreiberei. Während der BMW 650i Grand Coupé in Deutschland rund 67.000 Euro kostet, muss man im Reich der Mitte satte 265.000 Euro (2 Millionen Yuan) bezahlen. Auch Audi bietet seine Modelle in anderen Exportzielen in der Regel um die Hälfte billiger an.

Dennoch brauchen sich internationale Hersteller keine Sorgen machen. Die Medienschelte zeigte kaum Wirkung und die Geschäfte florieren nach wie vor in Fernost. Außerdem stellt Tesla keine direkte Konkurrenz dar.

Mit der Tiefpreis-Strategie stemmt sich Tesla vor allem gegen die Probleme beim Eintritt in den chinesischen Markt. Die Geschäfte mit Elektroautos laufen in China nur schleppend an. In ganz China existiert gerade mal ein Händler, der Tesla-Modelle vertreibt – auch wenn im nächsten Jahr ein Dutzend neue hinzukommen sollen.

Text: Adrian Kummer / Foto: Tesla