China übertrumpft die USA und wird größte Volkswirtschaft der Welt

Nach 142 Jahren wurden die USA nun endgültig von ihrem Thron gestoßen: Die größte Volksrepublik der Welt wurde zur größten Volkswirtschaft gekürt – zumindest, wenn die Kaufkraft mit einbezogen wird.

China_größte Volkswirtschaft_artikel

Grafik: IWF, Google Public Data Explorer

Spätestens, seitdem China im Februar 2013 die größte Handelsnation der Welt wurde, haben Wirtschaftsexperten den Zeitpunkt, an dem Chinas Wirtschaft die USA überholen soll, immer weiter nach vorne verschoben. Mitte letzter Woche kam dann die lang erwartete Meldung: Wie der Internationale Währungsfond (IWF) berichtete, übersteigt Chinas Bruttoinlandsprodukt (BIP) erstmals das der USA.

Damit ist die Volksrepublik zur größten Volkswirtschaft der Welt aufgestiegen. So wird China zum Ende diesen Jahres insgesamt 16,48 %  des weltweiten Reichtums erwirtschaftet haben. Der Anteil der USA wird dagegen bei etwas geringeren 16,28 % liegen. Ein historisches Ereignis: Denn seit 1872 ist dies das erste Mal, dass eine Volkswirtschaft größer als die der USA ist – gemeinsam mit der kürzlich gegründeten BRICS-Bank ein weiterer Faktor, den die Wall Street ins Schwitzen bringen sollte.

Mit dem Big Mac zum ökonomischen Spitzenreiter

Die Grafik oben verdeutlicht diese Entwicklung eindringlich. Doch um Missverständnissen vorzubeugen: Die ihr zugrunde liegenden Daten geben das BIP der beiden Staaten kaufkraftbereinigt an. So haben die USA ein so genanntes „Roh-Marktwert-BIP“ von 16,8 Billionen US-Dollar und China ein Roh-Marktwert-BIP von 9,24 Billionen US-Dollar. Somit sind die USA in absoluten Zahlen weiterhin Spitzenreiter. Diese Lücke wird China erst in ein paar Jahren – wenn die Löhne in China weitersteigen und die Kaufkraft dadurch gestärkt wird – schließen können.

Da Grundversorgungsgüter in China weitaus billiger und die Löhne im Durchschnitt niedriger sind als in den USA, müssen derartige Daten in den Vergleich mit einbezogen werden. Ein simples Umrechnen von Yuan in Dollar würde nicht genügen, da so die Kaufkraft einer Volkswirtschaft nicht mit einbezogen wird. Aus diesem Grunde wurde Ende der 1980er-Jahre der so genannte Big Mac-Index eingeführt: Da es den Big Mac in fast jedem Land der Erde zu kaufen gibt, ist er ein recht gutes Mittel, um die Kaufkraft in unterschiedlichen Ländern zu bestimmen. Durch ihn werden Preise international vergleichbar: Während der Big Mac in den USA 4,80 US-Dollar kostet, ist er in China mit umgerechnet 2,73 US-Dollar um einiges günstiger.

Chinas Aufstiegsstrategie: Stetiges Wachstum, langfristige Planung

Zwar hat sich Chinas ökonomischer Aufstieg im Vergleich zu den Boomjahren der frühen 2000er verlangsamt. Trotzdem wächst Chinas Wirtschaftskraft stetig weiter und wird die USA auch nominell in einigen Jahren überholen. Chinas Strategie ist dabei eine grundsätzlich andere als die der USA: Während China in den Ausbau der Infrastruktur oder Grundlagenforschung investiert und damit langfristig die Basis für eine starke Kaufkraft und einen größeren Binnenmarkt bereitet, investieren die USA einen Großteil ihrer Wirtschaftskraft in Aufrüstung. Hierbei übertrumpfen sie die Volksrepublik sowohl in relativen als auch in absoluten Zahlen.

Dieser Meilenstein bestätigt die Wirtschaftsstrategie, die Peking in den letzten Jahren gefahren ist.  Vor zwanzig Jahren hatte mit dieser Entwicklung noch niemand gerechnet. Es wird ein weiterer Schritt zur vollen Internationalisierung des Yuan sein und wahrscheinlich am hohen Sockel des US-Dollars rütteln.

Text: Jonas Becker