China feiert drei Jahre Raumstation Tiangong 1

Seit drei Jahren befindet sich der ‘Himmelspalast’ in der Umlaufbahn. Er dient vor allem als Vorbereitung für ein noch ambitionierteres chinesisches Weltraumprojekt.

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Im Modell schon fertig: Tiangong 2, der Nachfolger des ‘Himmelspalasts’ / Foto: Wikimedia Commons

Ihren vielleicht größten Auftritt hatte Tiangong 1 ausgerechnet in Hollywood. Im Film ‘Gravity’ rettet sich Sandra Bullock als im Weltraum gestrandete Astronautin auf die chinesische Raumstation und von dort mit einer Rettungskapsel zurück auf die Erde. Auch wenn die Handlung des oscarprämierten Blockbusters natürlich mit der Physik und der Wirklichkeit im Weltall kaum kompatibel ist – eine bessere Werbung für das chinesische Raumprogramm hätte sich wohl selbst die Pekinger Propagandamaschinerie nicht ausdenken können.

Am kommenden Montag jährt sich der Start von Tiangong 1 – dem ‘Himmelspalast’ – zum dritten Mal – und das offizielle China lobt den Erfolg seines Weltraumprogrammes. Am 29. September 2011 hatte eine Rakete vom Typ Langer Marsch 2F die unbemannte Raumstation ins All befördert, mehrmals wurden seitdem Missionen zu der Raumstation durchgeführt, die beiden letzten davon – Shenzhou 9 und 10 – waren bemannt. An Bord von Shenzhou 9 befand sich mit Liu Yang die erste chinesische Frau im All.

Eine experimentelle Spielwiese

Neue Erkenntnisse haben die Missionen bislang kaum gebracht – Aufgabe von Tiangong 1 ist es aber auch vor allem, das chinesische Weltraumprogramm auf den Bau einer großen, dauerhaften Raumstation vorzubereiten, die im Jahr 2023 ins All geschickt werden soll. Dafür werden an Bord von Tiangong 1 vor allem Tests durchgeführt, die eine dauerhafte chinesische Präsenz im All vorbereiten sollen – Tiangong 1 ist also vor allem eine große experimententelle Spielwiese.

Ein neuer Konkurrent

Das chinesische Raumfahrtprogramm steht in direkter Konkurrenz zu Projekten aus Russland, den USA und der EU. Seit kurzem aber ist China ein Konkurrenz erwachsen, mit dem nur wenige gerechnet hatten: Indien. Vor wenigen Tagen ist es Indien gelungen, als erstes asiastisches Land eine Sonde zum Mars zu schicken und das zum Schnäppchenpreis von nur 57 Mio. Euro. Während das indische Raumfahrtprogramm dennoch angesichts der grassierenden Armut im Land Kritik einstecken musste, fällt diese in China nur sehr verhalten aus, so dass bereits in zwei Jahren mit Tiangong 2 eine Nachfolgemission gestartet werden soll. Über die Kosten ist bislang allerdings nichts bekannt.

Text: Sven Hauberg