China baut erstmals Hochgeschwindigkeitsstrecke in Europa

Mit Hochgeschwindigkeit von Asien nach Europa: China eröffnet eine neue Donau-Brücke und plant eine neue Hochgeschwindigkeitsstrecke – und investiert so viel Geld in Europa wie nie.

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Chinesischer Hochgeschwindigkeitszug im Bahnhof von Beijing. Foto: My Train Pix / flickr.com

Eigentlich ist die Eröffnung einer Brücke über die Donau kein Ereignis, dem die internationale Presse besondere Aufmerksamkeit schenkt. Als kurz vor Weihnachten in der serbischen Hauptstadt Belgrad aber die neue, 170 Millionen Euro teure Mihajlo Pupin-Brücke eingeweiht wurde, war etwas anders: Niemand geringeres als der chinesische Premierminister Li Keqiang durchschnitt feierlich das Band.

„Ich möchte all denen gratulieren – Chinesen und Serben – die am Bau dieser Brücke, die einen großen Erfolg darstellt, beteiligt waren“, sagte Li bei der Eröffnungszeremonie. Mit dem symbolischen Akt eröffnete Li mehr als ein Betonbauwerk. Die Brücke war vielmehr das erste von China finanzierte Infrastrukturprojekt in Europa – und der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Investitionen, vor allem in den Balkanländern.

Mit 200 km/h durch Osteuropa

Bei seinem Osteuropa-Besuch unterzeichnete Li dann auch einen weiteren Vertrag – über den Bau einer Hochgeschwindigkeitsstrecke. Das 500-Millionen-Euro-Projekt soll Belgrad mit Budapest verbinden. 2015 soll Baubeginn sein, 2017 soll das Projekt bereits abgeschlossen sein. Dann, so die Planungen, verkürzt sich die Reisezeit zwischen den beiden Hauptstädten von bislang rund acht auf etwa zweieinhalb Stunden. Den chinesischen Investoren geht es dabei allerdings weniger um den Personenverkehr.

Denn geplant ist, die Strecke Richtung Südosten bis nach Griechenland und Richtung Nordwesten bis nach Westeuropa zu verlängern. Dann wäre Piräus, der griechische Hafen bei Athen, schneller mit den Märkten in Westeuropa verbunden. In Piräus hat ein chinesisches Unternehmen eine 35-jährige Konzession erworben: der Containergigant Cosco. „Die zentraleuropäischen Länder haben viele gute Häfen und Autobahnen, und wenn wir all diese verbinden, können wir eine Expressverbindung zwischen den Balkanländern und China aufbauen, um Kosten zu sparen“, so Li.

Erfolg für chinesische Technologie

Das zentrale Stück dieser neuen Ost-West-Achse soll dabei die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Budapest und Belgrad sein. Schon seit längerem versucht China, seine Hochgeschwindigkeitstechnologie („bullet trains“) weltweit zu vermarkten, bislang mit wenig Erfolg. Wenn alles nach Plan läuft, dürfte sich dies bald ändern.

Text: Sven Hauberg