Automarkt China: Goldgrube für BMW & Co

Deutsche Premium-Autobauer verdienen sich im Reich der Mitte eine goldene Nase. Für BMW ist China jetzt offiziell der wichtigste Absatzmarkt überhaupt – mit Zuwächsen in der Größenordnung des gesamten französischen Marktes.

Der BMW i3

Jeder fünfte BMW findet mittlerweile einen Abnehmer in China. Fast 363.000 Autos konnte die Bayern letztes Jahr im jetzt wichtigsten BMW-Markt verkaufen. Das bedeutet 19,7% mehr Verkäufe als im Vorjahr. Selbst China-Chef Karsten Engel zeigte sich von dem Ergebnis überrascht: “Wir haben unsere Ziele übererfüllt.”

Die neuesten Meldungen zum schnellen Wachstum BMWs in China passen ins Bild. Auch für Audi ist China längst zum wichtigsten Markt aufgestiegen. Die Ingolstädter sind Marktführer im Reich der Mitte mit mehr als 450.000 verkauften Autos im letzten Jahr. Damit trägt Audi maßgeblich dazu bei, dass der Volkswagen Konzern seinen Erzrivalen GM in der Volksrepublik nach fast 10 Jahren wieder überholen konnte.

Insgesamt kauften die Chinesen im Jahr 2013 über 18 Millionen Pkw und krönten ihre Heimat damit erstmals zum Automarkt Nr. 1.

Lokale Fertigung trotz Know-how-Transfer

Grund für das enormen Wachstum ist unter anderem der stetige Ausbau der Händlernetze in China. Im Fokus steht dabei künftig vor allem der Markt im Westen des Landes, der noch verhältnismäßig schlecht erschlossen ist.

Aber auch die Kooperationen und Joint Ventures, die deutsche Hersteller mit Chinesen eingingen, tragen ihren Teil zum Wachstumskurs bei. Gemeinsam mit dem chinesischen Autobauer Brilliance fertigt BMW beispielsweise seinen 3er, den 5er und Modelle des X1 in China. Weil Daimler mit nur 228.000 verkauften Mercedes-Modellen anderen deutschen Herstellern in China hinterherhinkt, beschloss der Konzern erst vor wenigen Monaten eine tiefergehende Kooperation mit seinem bisherigen Partner BAIC. McKinsey-Berater Paul Gao stellte deswegen im Interview mit der Welt fest: “Wer kooperiert, gewinnt.”

Die etablierten Joint-Venture-Strukturen und der damit verbundene Technologie-Transfer bleiben vermutlich bestehen bis die chinesischen Hersteller international konkurrenzfähig sein werden. Experten gehen davon aus, dass das noch mindestens 10 Jahre dauern wird. Mit Qoros gibt es bislang nur eine Automarke, der man Chancen am deutschen Markt einräumt. Das israelische-chinesische Joint Venture setzt jedoch auf westliche Manager und Ingenieure, während die Fahrzeuge in China nur gefertigt werden.

Text: Adrian Kummer / Foto: Jon Lee Clark (Flickr)