Xi Jinpings Gehalt: nur 1.600 Dollar im Monat?

Xi Jinping will den chinesischen Beamten Bescheidenheit lehren. Offiziell geht er mit gutem Beispiel voran und begnügt sich mit einem monatlichen Gehalt von nur 1.600 US-Dollar. Eine Rechnung, die nicht aufgehen kann.

Wie viel verdient Xi Jinping?

Xi Jinping bei einem Staatsbesuch in Mexiko / Foto: russavia (Wikimedia Commons)

Xi Jinping lediglich Normalverdiener?

Anfang des Monats tagte der Nationale Volkskongress und legte für 2014 ein Budget von 2,45 Billionen US-Dollar fest. Wie viel davon für Gehälter von Politikern verwendet wird, kann man nur spekulieren, denn: Die Gehälter höherer Beamter werden nicht veröffentlicht.

Im April letzten Jahres machte das staatliche Magazin China Newsweek daher folgende Rechnung: ausgehend von den Gehaltsabrechnungen normaler Beamter addierte es schrittweise die Gehaltserhöhung pro Beförderung dazu und gelangte zu folgendem Ergebnis: Xi Jinping, Chinas höchster Parteifunktionär, verdient schlappe 1.600 US-Dollar im Monat.

1.600 US-Dollar im Monat – das entspricht gerade einmal dem doppelten Durchschnittseinkommen in der chinesischen Hauptstadt Peking. Eine Zwei-Zimmer-Wohnung im Herzen Pekings kostet derzeit rund 1 Million US-Dollar. Für dieses bescheidene Anwesen müsste Xi Jinping ganze 50 Jahre schuften – angenommen er hätte keine anderen Ausgaben in dieser Zeit. Bei aktuellen Lebenshaltungskosten hätte Xi Jinping monatlich zu kämpfen, mit seinem Gehalt über die Runden zu kommen. Nach Lebensmitteln (rund 250 US-Dollar), Miete (rund 500 US-Dollar) und anderen notwendigen Ausgaben blieben ihm gerade einmal 50 US-Dollar zur freien Verwendung. Selbst wenn man berücksichtigt, dass der Staat für Essen, medizinische Versorgung und Beförderung höherer Beamte aufkommt, bliebe am Monatsende nicht genug, um den Lebensstil des Staatspräsidenten zu finanzieren.

Luxus auf Kosten der Verwandten?

Xi Jinpings 20-jährige Tochter Xi Mingze studiert unter einem Pseudonym in Harvard, wo sie 24 Stunden am Tag von Bodyguards beschützt wird. Seine Frau Peng Liyuan und er residieren im Herzen Pekings. Die First Lady zeigt sich bei öffentlichen Anlässen gerne extravagant gekleidet an der Seite ihres Mannes. Doch die Xis geben sich alle Mühe, ihr Vermögen zu verbergen. Peng Liyuans Garderobe zählt sogar zu den heiklen Themen im Internet. Die Zensur sorgt dafür, dass nicht zu viel Wirbel entsteht.

Ganz verbergen konnte Xi Jinping seine Reichtümer jedoch nicht. Im Juni 2012, noch bevor Xi Jinping Staatspräsident wurde, legte Bloomberg das Vermögen Xi Jinpings Verwandter offen: es beläuft sich auf mehrere hundert Millionen US-Dollar. Darunter Anwesen in Hong Kong mit zweistelligem Millionenwert. Offiziell ist es chinesischen Beamten nicht erlaubt, Vermögen anzuhäufen. Oft werden Verwandte daher einfach als Strohmänner genutzt. Im Januar diesen Jahres wurde zusätzlich bekannt, dass Chinas Mächtige und Reiche in den letzten 13 Jahren umgerechnet bis zu 4 Billionen US-Dollar über Briefkastenfirmen ins Ausland geschleust haben– darunter auch Verwandte Xi Jinpings. Es gelang Bloomberg 2012 zwar nicht nachzuweisen, dass Xi Jinping aktiv an der Vermögensanhäufung beteiligt war. Doch es ist unwahrscheinlich, dass dies wirklich nicht der Fall war und Xi Jinping de facto keinen Anteil an dem Vermögen hat.

Schmiergelder als Karriereanreiz

Dass man als Regierungsbeamter nicht nur auf sein offizielles Einkommen angewiesen ist, wissen schon junge Chinesen. So ist die Zahl der Teilnehmer an den Einstellungstests in den letzten Jahren rasant angestiegen. Attraktiv wird die staatliche Anstellung vor allem durch zusätzliche Leistungen – z.B. beim Hauskauf oder für die Rente. Hinzu kommt Sicherheit, die die freie Wirtschaft Absolventen nicht bieten. Waren es im Jahr 2003 noch 120.000 Hochschulabsolventen, die in den öffentlichen Dienst treten wollten, nahmen 2013 ganze 1,5 Millionen am Einstellungstest teil.

Nicht zuletzt bilden die inoffiziellen Einkommensquellen einen Anreiz – allen voran Schmiergelder. Guanxi, also gute Beziehungen, ist in China mehr als anderswo der allbekannte und notwendige Schlüssel bei vielen Angelegenheiten. Und die richtigen Beziehungen lassen sich umso leichter knüpfen, je mehr Macht und Einfluss man hat. Sie lassen sich außerdem schnell in bare Münze verwandeln. Genau das will Xi Jinping seit seinem Amtsantritt im letzten Jahr bekämpfen. Doch wer beißt schon die Hand, die ihn füttert?

Zwar haben Pelzmantel und Designertasche neuerdings keinen Platz mehr im Parlament, doch ansonsten bleibt für die hohen Beamten alles beim Alten. Laut Medienberichten sind hauptsächlich niedrigere Beamten von Xi Jinpings Kampf gegen Korruption betroffen, während die Parteioberen weitermachten wie bisher. Über das Begleichen ihrer Rechnungen brauchen sich Xi Jinping & Co also auch bei magerem Gehaltsscheck keine Sorgen machen.

 

Text: Verena Weber