Wird China zum Gewinner der Krim-Krise?

Während der Krim-Krise zerren viele Hände am Ärmel der Chinesen. In Peking sitzt man den Konflikt jedoch aus. Nun könnten ausgerechnet die passiven Chinesen zum größten Profiteur der Krise werden.

Die Chinesen fielen in der Krim-Krise bislang vor allem dadurch auf, dass sie nicht auffielen. Denn Peking befindet sich nach wie vor in einem Dilemma.

Eigentlich wäre man gegenüber dem Partner Russland zur Loyalität verpflichtet, doch ist den Chinesen das Prinzip der Nichteinmischung in Angelegenheiten souveräner Staaten heilig – allein schon wegen der Tibetfrage, der Separatisten in der Uigurenprovinz Xinjiang oder der abtrünnigen Taiwanesen. Gegen die Treue zu Russland sprechen zudem Handelsbeziehungen mit der Ukraine und die Erwartungshaltung des Westens.

Enthaltung im UN-Sicherheitsrat stärkt Chinas Macht

2

Der UN-Sicherheitsrat (Archiv) / Foto: UN

Trotzdem setzte der Westen seine Hoffnungen vor dem UN-Sicherheitsrat mehr denn je in die Chinesen. Zwar bilden China und Russland im UN-Sicherheitsrat normalerweise eine Bank. Am Samstag scheiterte der Resolutionsentwurf des Westens, der das Referendum über den Beitritt der Krim zu Russland bereits im Vornherein für ungültig erklären sollte, jedoch nur am Veto Russlands. Die Chinesen enthielten sich bei der Abstimmung.

Das Votum versetzt China in eine extrem günstige Lage. Denn von wirtschaftlichen Sanktionen gegenüber Russland könnten ausgerechnet die passiven Chinesen profitieren. Die Isolation Russlands könnte die Russen beispielsweise dazu veranlassen, China mit Erdgas zu günstigen Konditionen zu beliefern – die Chinesen müssten dann vermutlich weit weniger zahlen als es EU-Länder bislang tun.

Francois Godement, Direktor des Asien- und Chinaprogramms der European Council on Foreign Relations, meinte gegenüber Euresia Review hierzu: “Wenn der Westen jemandem Sanktionen auferlegt, haben die Chinesen Erfahrung damit – so wie in den Fällen Burma, Nordkorea und Iran – sozusagen den Platz des Westens einzunehmen, wirtschaftlich davon zu profitieren und trotzdem ein Partner des Westens zu bleiben.” Die Russen seien dann auf die Chinesen als Handelspartner angewiesen.

 

Godement: “China wird von fast jedem Ausgang profitieren”

Außerdem könnte ein Krieg zwischen NATO-Staaten und der Russischen Föderation zu einer Wende im Konflikt um das Südchinesische Meer führen. Zum einen ist das eine Frage militärischer Ressourcen, weil der Fokus der USA plötzlich auf dem Konflikt mit Russland liegen würde. Zum anderen verpflichteten sich die USA und Großbritannien 1994 mit dem Budapester Memorandum dazu, die Souveränität der Ukraine zu verteidigen. Und die Chinesen beharren im Südchinesischen Meer auf ähnliche territorialen Ansprüche wie die Ukraine nun im Krim-Konflikt. Die USA könnten deswegen klein bei geben, um ihre moralische Integrität zu wahren.

Experte Francois Godement geht ohnehin davon aus, dass China als einziges Mitglied des UN-Sicherheitsrates von fast jedem möglichen Ausgang der Krim-Krise profitieren wird – egal ob es zu einem Krieg oder nur zu wirtschaftlichen Sanktionen kommen wird.

 

Text: Adrian Kummer