Rückgang der Armut in China verlangsamt sich

Neue Zahlen zeigen: 70 Millionen Chinesen leben noch immer in Armut.

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Es gibt Gegenden in China, da wähnt man sich in einem der reichsten Länder der Welt. Am Shanghaier Bund etwa, am Pekinger Hauptstadtflughafen oder in einem der vielen Hochgeschwindigkeitszüge, die das Land durchpflügen. Doch noch immer leben in dem 1,4 Milliarden-Land mehr als 70 Millionen Menschen unterhalb der Armutsgrenze, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua jetzt berichtet. Das bedeutet: Sie verdienen lediglich einen US-Dollar am Tag.

Dabei hat das Land in den letzten Jahren riesige Anstrenungen unternommen, um Menschen aus der Armut zu holen. Als erstes Land der Welt erreichte China das UN-Millenniums-Ziel, die Hälfte seiner Bevölkerung über die Armutsgrenze zu bringen. Doch der Aufschwung hat sich verlangsamt: Im vergangenen Jahr konnten nur rund 12 Millionen Menschen aus ihrer Armut geholt werden, 2011 lag diese Zahl noch bei etwa 43 Millionen Menschen.

Der Chinesische Traum erreicht nicht jeden

Vor allem der Westen Chinas stellt dabei das größte Problem dar. In den Provinzen Henan, Hunan, Guangxi, Sichuan, Guizhou und Yunnan leben jeweils mehr als fünf Millionen Menschen in Armut. Besonders abgeschiedene ländliche Regionen sind von Armut betroffen. Hier gibt es kaum Infrastruktur und nur wenige Jobs.

Zwar hilft die Regierung mit finanziellen Zuwendungen, doch die, so Kritiker, würden nicht ausreichen. Für jeden der 70 Millionen Armen habe die Regierung im vergangenen Jahr lediglich 617 Yuan (89 Euro) ausgegeben. Außerdem verschwänden Gelder oft in dunklen Kanälen. Dass die Armut und die draus resultierende Ungleichheit in China gesellschaftlichen Sprengstoff besitzt, hat auch Xi Jinping erkannt: “Die schwierigste Aufgabe, um eine rundum wohlhabende Gesellschaft zu schaffen, stellt sich in den ländlichen Gebieten, vor allem in den verarmten”, sagte der chinesische Staatspräsident in der vergangenen Woche. Xi propagiert seit 2013 das Schlagwort vom “Chinesischen Traum”. Für mehr als 70 Millionen Chinesen ist der jedoch noch in weiter Ferne.

Foto: Taro Taylor bei flickr.com