Proteste gegen China: Erste Tote in Vietnam

Die Proteste gegen China geraten in Vietnam weiter außer Kontrolle. Jetzt kam der erste chinesische Arbeiter ums Leben, als Randalierer ein Stahlwerk stürmten, dutzende weitere wurden verletzt. Vielen Chinesen verlassen fluchtartig das Land.

Vietnam-China

Seit Jahren warnen Experten vor einer Eskalation im Territorialstreit im Südchinesischen Meer. Trotzdem sind viele überrascht von der heftigen Reaktion der vietnamesischen Bevölkerung. Seit einigen Tagen regt sich Vietnam harscher Protest, weil die Chinesen Anfang Mai ihre schwerste Ölplattform zur Ölsuche vor die Paracel-Inseln (chin. Xisha-Inseln) schickten, auf die beide Länder Anspruch erheben. Bereits 1974 kam es zu einer Seeschlacht um die Inselgruppe, in der Peking die Kontrolle über die Inseln gewinnen konnten.

Nun kam ein chinesischer Arbeiter ums Leben, als wütende Randalier in der Provinz Ta Hing rund 400 Kilometer südlich von Hanoi ein chinesisches Stahlwerk stürmten. Außerdem seien 149 Menschen bei den Krawallen verletzt worden, erklärte der Vize-Vorsitzende des dortigen Volkskomitees, Dang Quoc Khanh.

Laut bislang unbestätigten chinesischen Medienberichten könnten mittlerweile sogar bis zu 15 in Vietnam lebende Chinesen ums Leben gekommen sein.

Von der Regierung gelenkte Proteste eskalierten

Die Bohrinsel befindet sich 17 Seemeilen von den Xisha-Inseln und 150 Seemeilen von der vietnamesischen Küste entfernt – ein erneuter Affront der Volksrepublik gegenüber einem seiner Anrainerstaaten. Die Chinesen beanspruchen fast 90 Prozent des Südchinesischen Meeres als ihr Territorium. US-Außenminister John Kerry nannte das Manöver im Telefonat mit seinem chinesischen Amtskollegen Wang Yi eine klare Provokation. Wang wies die Vorwürfe jedoch zurück.

Vietnamesische Boote rammten bereits vorige Woche die chinesische Plattform und ihre Geleitschiffe, woraufhin sie Chinas Küstenwache jedoch abwehren konnte. Danach kam es in ganz Vietnam zu Protesten, die trotz Demonstrationsverbot von der Regierung toleriert und teilweise gesteuert wurden.

Schließlich ging die Wut der vietnamesischen Bevölkerung in schweren Krawallen auf. Zehntausende Menschen ziehen marodierend und durch chinesische Gewerbegebiete. Von den Plünderungen sind auch taiwanische und südkoreanische Unternehmen betroffen, welche die Randalierer in chinesischer Hand wähnen. Zahlreiche Fabrikgebäude wurden niedergebrannt.

Regierungen beider Länder bislang machtlos

Nun versuchen die einst rivalisierten kommunistischen Regierungen beider Länder, die Lage zu entschärfen – bislang ohne Erfolg. Die Polizei bekommt die Situation kaum unter Kontrolle. Peking verbietet seinen Medien bis auf Weiteres zu ausführlich und aggressiv über die antichinesischen Unruhen zu berichten.

Pekings Behörden warnen Chinesen zudem mittlerweile vor Reisen nach Vietnam, nachdem die Regierung ihre „ernste Besorgnis“ wegen den Unruhen bekundete. Hunderte Auslandschinesen versuchen unterdessen, das Land aus Angst vor den Krawallen so schnell wie möglich zu verlassen.