Occupy Central: Chronik des Hipsteraufstands

Hong Kong. Seit Tagen auffallend oft in der Presse, seit Wochen im Fokus der Chinainteressierten. Der Grund dafür: die tagelangen Protestaktionen Hong Konger Studenten. Doch wie kam es eigentlich dazu?

Regenschirmrevolution

Occupy-Central-Demonstranten am 4. Oktober 2014 / Foto: Willy AuYeung (Flickr)

1841 wurde die Hong Kong durch Großbritannien besetzt und nach 155 Jahren 1997 mit vielerei Sonderregelungen an die Volksrepublik China zurückgegeben. Seitdem unterliegt die Metropole dem Grundgesetz (Zhōnghuá rénmín gònghéguó xiānggǎng tèbié xíngzhèngqū jīběnfǎ) und wird vom Chief Executive regiert, der derzeit Leung Chun-ying heißt.

#umbrellarevolutionhongkong-Timline

Januar 2013: Benny Tai Yiu-ting veröffentlicht einen Artikel, in dem er die Besetzung der Innenstadt diskutiert.

März 2013: Vom Nationalen Volkskongress sind das erste Mal die Auflagen zu Wahlaufstellung in Hong Kong zu hören: Der Chief Executive soll ab 2017 direkt gewählt werden – muss aber „China und Hong Kong lieben“.

Juni 2014: Der chinesische Staatsrat veröffentlich ein kontroverses Weißbuch zur Hong-Kong-politik. Occupy Central with Love and Peace (Ràng ài yǔ hépíng zhànlǐng zhōnghuán) führt ein Referendum durch, dass sich klar gegen Pekings Hong-Kong-Politik. richtet. Es soll dem breiten Widerstand gegen die Auflagen des Nationalen Volkskongress Ausdruck verleihen. 22% der Hong Konger nehmen Teil; 88% davon sprechen sich gegen Pekings Vorlagen aus. Aus Peking werden mehrere Stimmen laut, die zwar das allgemeine Wahlrecht in Hong Kong unterstützen, das durchgeführte Referendum aber als illegal einstufen, es methodisch angreifen und seine Repräsentativität hinterfragen. Daraufhin führt die Pro-China-Fraktion unter Berufung auf das Basic Law Unterschriftenaktionen durch.

Juli 2014: Occupy Central veranstaltet in Hong Kong am 17. Jahrestag der Rückgabe von Großbritannien an China eine Massendemonstration. Sie endet mit einer Sitzblockade des finanziellen Zentrums der Stadt.

August 2014: Der Nationale Volkskongress beschließt, dass bei den Wahlen des Chief Executives 2017 nur Personen gewählt werden können, die „China und Hong Kong lieben“. Occupy Central kündigt weitere Proteste an.

September 2014: Occupy-Central-Anführer Benny Tai Yiu-ting veröffentlicht ein Interview, in dem er sagt: „Wir wollen verhaftet werden.“ Ende September beginnt die vorgezogene Occupy-Central-Kampagne. Was als Hipsteraufstand begann, zieht bald knapp 100.000 Hong Konger auf die Straße. Straßenzüge werden (mittlerweile gut eine Woche) besetzt; der öffentliche Nahverkehr kommt zum Erliegen. Es werden knapp 100 Studenten von der Polizei für einige Stunden verhaftet.

Oktober 2014: Occupy Central hält zunächst weiter auf Hong Kongs Straßen durch. Stetiger Starkregen nimmt der Bewegung Wind aus den Segeln, die Zahl der Aktivisten nimmt im Verlauf etwas ab, einige Besetzungen werden zum Ende der ersten Woche freiwillig aufgegeben. Am 5. Oktober verkündet Leung Chun-ying, dass die öffentliche Ordnung bis Montagmorgen (6. Oktober)  wieder hergestellt werden müsse. Hong Kong dürfe nicht riskieren, dass die öffentliche Sicherheit zu Schaden komme. Am 6. Oktober dann scheint sich die Anzahl der Aktivisten weiter zu verkleinernder Großteil beteiligt sich wieder am Uni- und Schulalltag. An einigen Plätzen sind weniger als 40 oder nur noch knapp hundert Protestierende übrig geblieben. Während dem Abbau von Blockadegittern wird ein Polizeibeamter von Studenten umstellt um seine Weiterfahrt auf dem Motorrad zu verhindern. Später wird er von der Verkehrspolizei aus der Blockade eskortiert.

Die Studentenbewegung

Seit dem 22. September ist die Hong Konger Studentenvereinigung (HKFoS) auf der Straße. Ihr sitzt Alex Chow Yong-kang vor, der als einer der Köpfe von Occupy Central gilt – eine Bewegung, die seit dem 27. September Hong Kongs Hauptstraßen mit Demonstranten füllt und dort dem Starkregen mit Regenschirmen trotzt. So war die Corporate Identity der aktuellen Massenproteste schnell gefunden; unter dem Hashtag #umbrellarevolutionhongkong erfährt man in sozialen Netzwerken seit Tagen neuestes aus Hong Kongs Studentenbewegung.

Schon jetzt ist diese soziale Bewegung der Star der Presse. Sie will nicht nur eine westliche Demokratieform in Hong Kong etablieren, sondern wird auch allerorten für ihre Ordentlichkeit und Sauberkeit auf Hong Kongs Straßen gelobt. Es wird von kostenlosen Würstchenbuden und Aufräumtrupps berichtet, die hinter dem Demozug den Müll in Säcken sammeln.

 

Text: Jonas Becker