Neue China-Karte endet vor der Küste Malaysias

Eine neue offizielle Landkarte Chinas sorgt für reichlich Empörung bei den Nachbarländern der Volksrepublik. Sie verletzt die Territorialansprüche von rund einem halben Dutzend anderer Staaten.

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Die beanspruchten Gebiete laut neuer Karte, verdeutlicht von chinesischen Internetnutzern / Foto: Weibo

Dass die Chinesen mitunter ziemlich forsch vorgehen, wenn es um ihre Territorialansprüche geht, hat Peking erst vor wenigen Wochen mit seiner Bohrinsel vor Vietnam bewiesen. Doch jetzt schafft ein weiterer Vorstoß schon wieder Tatsachen: Eine neue vertikale Landkarte zeigt China in seiner angeblich gesamten Nord-Süd-Erstreckung.

Pikant an der Karte: Im Süden endet die Volksrepublik nicht bei der Inselprovinz Hainan, sondern erst kurz vor der Küste Malaysias – und damit etwa 1.700 Kilometer weiter südlich als üblich. Das ist ganz im Sinne Pekings, denn laut Landkarte gehören damit auch die Paracelsus- und Spratly-Inseln zum chinesischen Hoheitsgebiet – obwohl mit Taiwan, Vietnam, Malaysia, Brunei und den Philippinen gut ein halbes Dutzend Staaten diese Gebiete für sich beanspruchen.

Herausgeber der Karte ist das Hunan Map Publishing House. Die Veröffentlichung wurde natürlich auch offiziell abgesegnet und sogar begrüßt. So twitterte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua bereits am Dienstag:

„Erste vertikale Karte von China veröffentlich. Inseln im Südchinesischen Meer besser dargestellt als auf traditioneller Karte“

Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums Hua Chunying spielte den Neuigkeitswert der Karte am Mittwoch jedoch herunter. Es gebe „keinen Anlass für eine ausführliche Interpretation“ der Karte, da diese „keinerlei Veränderungen“ der Ansprüche Pekings auf die Gebiete im Südchinesischen Meer aufzeige. Also doch irgendwie alles wie gehabt.

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Ausschnitt der neuen vertikalen Karte vom Hunan Map Publishing House

 

Text: Adrian Kummer