Uniform statt Pelzmantel: Die neue Bescheidenheit von Chinas Führungselite

In den letzten Jahren war die Tagung des Nationalen Volkskongresses für Chinas Politiker mehr rauschendes Fest als politisches Ereignis. In diesem Jahr zeigt sich die Führungselite deutlich bescheidener. Doch der Weg zur wahren Zurückhaltung ist noch weit.

Die Zusammenkunft des Nationalen Volkskongresses mutete in den letzten Jahren eher wie ein Promi-Empfang auf dem roten Teppich an: VIP-Events, Designer-Logos, Luxus und Wohlstand wurden ungehemmt zur Schau getragen. Die Zeit am Abend vertrieb man sich mit Banketten und Champagner. Ein Abendessen durfte pro Person schon einmal 5.000 Euro kosten. Und das in einem Land wie China, in dem die Hälfte der Bevölkerung laut Statistikamt  weniger als 1.500 Euro im Jahr verdient.

 

Luxusverbote für das reichste Parlament der Welt

Fashion-at-the-NPC

Auf Weibo bekamen Delegierte letztes Jahr für zur Schau gestellte Luxusprodukte ihr Fett weg

Doch damit ist jetzt Schluss. Xi Jinpings Kampf gegen Üppigkeit und für mehr Bescheidenheit zeigt scheinbar seine Wirkung. In diesem Jahr erhielten die Kongressmitglieder die Anweisung, ihre Designerklamotten im Schrank zu lassen und auf luxuriösen Schmuck zu verzichten. Normale chinesische Gerichte ersetzen die ausladenden Bankette, der Zimmerservice fällt aus und auch auf Alkohol müssen die Politiker verzichten.

Die Presse muss ebenfalls ihren Beitrag zum Imagewandel der Partei leisten: Sie darf nicht über den überdimensionalen Wohlstand im Kongress berichten. Die Verbindung zwischen Macht und Reichtum ist jedoch nicht zu leugnen. 31 der rund 3000 Mitglieder sind Milliardäre. Hinzu kommen noch zahlreiche Multimillionäre. Insgesamt 90 der 358 chinesischen Milliardäre haben ein politisches Amt inne.

 

Milliardär fordert Volk auf, auf Essen zu verzichten

Screen-shot-2014-03-05-at-3.41.43-PM

Folksängerin Song Zuyin im Militärgewand dieses Jahr

Besonders unter Beobachtung steht dieses Jahr Li Xiaolin. Sie ist die Tochter des früheren Premiers Li Peng. 2012 zeigte sie sich in einem rosafarbenen Designerkostüm für rund 2.000 US-Dollar. Ihr Auftritt brachte ihr heftige Kritik ein, nicht zuletzt auf Weibo, der chinesischen Version von Twitter. Sie hat ihre Lektion gelernt und erschien dieses Jahr im einfachen Blazer und mit Stofftasche. Auch die Folksängerin Song Zuyin griff lobenswerterweise zu einem einfachen Militärgewand statt zu Pelzmantel und Designerstiefeln wie im letzten Jahr.

4102a208ffc241a8ab7502fc7d31b099

Auch ihr wurde Weibo zum Verhängnis: Li Xiaolin im 2.000-Dollar-Outfit

Einer hielt sich jedoch nicht an die Regeln und sorgte zusätzlich mit seinen Äußerungen gegenüber der Presse für Aufregung. In einem lindgrünen Maßanzug plädierte der exzentrische Milliardär Chen Guangbiao für einen Nationalen Tag der Essenseinsparung. Zudem forderte er die chinesische Bevölkerung dazu auf, täglich auf eine der drei Mahlzeiten zu verzichten. Er selbst mache das schon seit geraumer Zeit so und fühle sich seither besser und voller Energie. Dabei hat er wohl vergessen, dass auch heute noch Teile der Bevölkerung täglich hart um ihre Existenz kämpfen müssen.

 

Fehlende Transparenz macht Korruptionsbekämpfung zur Farce

Der diesjährige Volkskongress mag vielleicht ein Schritt in die richtige Richtung sein. Doch der Kampf gegen Korruption und Überfluss steht noch ganz am Anfang und erfordert härtere Maßnahmen und Schranken. Als Xi Jinping vor einem Jahr den Kampf begann und die ersten Kader entmachtete, befürchtete die Luxusbranche Umsatzeinbrüche. Das hat sich nicht bewahrheitet. Nur typische Geschenke, wie teurer Bajiu und Zigaretten, erlitten einen Nachfragerückgang.

Um Chinas stark ausgeprägte Kultur der Geschenke wirklich in den Griff zu bekommen, müssen Gesetze her. Diese müssten die Beamten dazu verpflichten, ihr Vermögen offenzulegen. Erst im Januar zeigten Enthüllungen, dass die Mächtigsten ihr Geld in Steueroasen außer Landes bunkern. Scharfe Kontrollen und eine strenge Umsetzung solcher Gesetze sind der einzige Weg, derartige Entgleisungen zu stoppen. Ungünstig bei der Sache ist nur, dass diejenigen, die Korruption und Gier besiegen könnten, selbst von ihnen profitieren.

 

Text: Verena Weber