Merkel-Geschenk an Xi Jinping: eine Karte als politischer Affront?

Bei Xi Jinpings Staatsbesuch in Deutschland überreichte Angela Merkel dem Ministerpräsidenten eine China-Karte aus dem 18. Jahrhundert. Nun spekulieren viele, ob die Kanzlerin mit dem Geschenk ein politisches Zeichen setzen wollte.

China-Karte, die Angela Merkel Xi Jinping schenkte

Proper-China-Karte, ähnlich dem Merkel-Geschenk / Foto: Wikimedia Commons

Die 1735 entworfene Karte bildet Chinas Reich zur Zeit der Qing-Dynastie (1644-1911) ab. Sie basiert auf Aufzeichnungen von jesuitischen Missionaren und zeigt das so genannte China proper – das Kerngebiet des damaligen Reichs.

Westler führten den Begriff China proper damals ein, um die alten chinesischen Kerngebiete, in denen hauptsächlich Han-Chinesen lebten, von den Grenzgebieten abzugrenzen. Auf Merkels Karte ist also nur einen Teil des damaligen Qing-Reichs abgebildet. Das Besondere: Auf der Karte sind weder die Uigurenprovinz Xinjiang und Tibet noch die innere Mongolei oder die Mandschurei dargestellt. Taiwan und Hainan sind in einer anderen Farbe markiert.

 

Die Karte als politisches Symbol?


Das Geschenk löste in der chinesischen Blogosphäre zahlreiche Debatten aus. So gab es in Chinas Öffentlichkeit zahlreiche Spekulationen zur Bedeutung des Geschenks.

Die meisten westlichen Medien berichten vor allem über den politischen Affront, den die Karte darstellen könnte. Unter anderem darüber, ob sie ein Zeichen dafür ist, dass Deutschland eine Autonomie Tibets, Xinjiangs und Taiwans befürwortet. Historische Karten sind politisch ein äußerst sensibles Thema in China: Jedes chinesische Schulkind lernt, dass Tibet, Xinjiang und Taiwan schon seit Urzeiten Teile Chinas waren.

Die meisten Blogger sehen die Karte jedoch nicht als politischen Angriff auf Chinas Souveränität, sondern diskutieren vor allem darüber, welche Karte nun eigentlich genau geschenkt wurde. So geriet in einigen chinesische Medien nicht die tatsächlich von Merkel verschenkte China-proper-Karte, sondern die komplette Karte des Qing-Reichs in Umlauf. Auf ihr sind auch Tibet, Xinjiang, die Mongolei und sogar große Teile von Sibirien zu sehen. In der Qing-Dynastie befand sich Chinas Reich im Zenit seiner territorialen Ausdehnung. Da damals auch ein Teil Russlands zu China gehörte, spekulierten einige Blogger sogar, ob die Karte eine politische Anspielung auf die Krim-Krise sein könnte.

Doch es sind auch andere politische Auslegungen möglich: So könnte die Karte auch als Zeichen für die Anerkennung von Chinas Macht gewertet werden. 1735 war das Jahr, in dem der mächtige Kaiser Qianlong den Thron bestieg. Dessen Herrschaft gilt als Höhepunkt der Qing-Dynastie und als Goldenes Zeitalter der chinesischen Zivilisation.

 

Übertriebene Spekulationen um die Merkel-Karte?

Doch versteckt sich hinter dem Geschenk wirklich ein politisches Zeichen? Viel wahrscheinlicher ist, dass die Karte den historischen Austausch zwischen China und Deutschland bzw. Europa widerspiegeln und somit ein wichtiges Symbol für die Zusammenarbeit zwischen den Ländern sein soll. So wies auch Vize-Regierungssprecher Georg Streiter zurück, dass Merkel mit dem Geschenk irgendwelche politischen Anspielungen machen wollte.

Übrigens: Xi schenkte Merkel ein Tee-Service und eine CD seiner Frau und Sängerin Peng Liyuan. Damit ging zumindest er irgendwelchen Spekulationen über politische Absichten aus dem Wege.

 

Text: Lisa Niklas