Gesetzesentwurf: US-Politiker wollen Tibet öffnen

Über Jahrhunderte war Tibet ein abgeschottetes Land. Für ausländische Journalisten und Politiker ist es das noch heute. Eine Gruppe von US-Politikern will das Dach der Welt jetzt für alle zugänglich machen.

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Eine der vielen atemberaubenden Kulissen Tibets / Foto: Göran Höglund (Flickr)

Chinesische Touristen lieben Tibet. Sie fasziniert die exotische Kultur der Tibeter und die majestätische Schönheit der Landschaft. Ob als Rucksacktouristen oder in organisierten Gruppen – immer mehr Chinesen reisen nach Tibet.

Für Ausländer hingegen ist es oftmals nicht so einfach, in die Autonome Region Tibet zu reisen – wie die Provinz offiziell heißt, die sich China 1950 einverleibt hat. Immer wieder kommt es zu Einreisebeschränkungen, vor allem, wenn mal wieder ein Jahrestag ansteht – sei es das Jubiläum der friedlichen Befreiung Tibets oder der Jahrestag des Aufstandes der Tibeter gegen ihre Besatzer. Dann kann es schon einmal vorkommen, dass ausländische Touristen Tibet nicht betreten dürfen. Und ausländische Journalisten oder Politker haben es noch schwieriger, eine Einreisegenehmigung für das Dach der Welt zu erhalten.

Die Forderung: ein Ende der Ungleichbehandlung

In Europa und den USA hingegen dürfen sich chinesische Touristen, Politiker und Journalisten mit entsprechendem Visum frei bewegen. Hier gibt es keine gesperrten Provinzen. Eine Gruppe von US-Parlamentariern will diese Ungleichbehandlung nun nicht länger hinnehmen.

„Das chinesische Regime behauptet, Tibet sei für jedermann zugänglich. In Wirklichkeit aber ist der Zugang stark beschränkt“, sagte der republikanische Repräsentant Joe Pitts in einer Anhörung vor dem US-Repräsentantenhaus. „Für Touristen ist es schwierig, in die Region zu reisen und es ist fast unmöglich für Journalisten und Diplomaten, Zutritt zu bekommen, um über die Zustände vor Ort zu berichten.“

Zusammen mit seinem demokratischen Kollegen Jim McGovern hat er den Reciprocal Access to Tibet Act eingebracht. Das Ziel des Gesetzesvorlage: Tibet zu öffnen. „Der eingeschränkte Zugang zu Tibet ist dafür verantwortlich, dass die Tibeter praktisch isoliert sind von der Weltgemeinschaft und sorgt außerdem dafür, dass der internationale Austausch und die Möglichkeit, die Menschrechtssituation vor Ort objektiv zu beurteilen, beschränkt sind“, so McGovern.

„Unser Ziel ist ein offenes Tibet“

Die Gesetzesvorlage der beiden Repräsentanten will jetzt die Einreise in die USA für chinesische Politiker verbieten, sofern diese für die Zugangbeschränkungen nach Tibet verantwortlich sind. Ziel der Vorlage sei es nicht, die Beziehungen der beiden Länder zu erschweren, im Gegenteil: „Unser Ziel ist ein offenes und zugängliches Tibet, das Amerikaner besuchen können, um die Wunder des Tibetischen Hochplateaus kennen zu lernen – seine natürliche Schönheit, seine Bewohner, seine reiche Kultur und sein religiöses Erbe.“

Aussicht auf Erfolg dürfte die Gesetzesvorlage allerdings kaum haben. Auch wenn der Vorstoß zum dritten Jahrestag des Treffens zwischen dem Dalai Lama und Barack Obama in Washington kommt, dürfte er, ebenso wie dieses Zusammentreffen, kaum mehr als symbolischen Wert haben.

 

Text: Sven Hauberg