Eskalation in Hong Kong: Polizei schlägt Proteste gewaltsam nieder

Bei Demonstrationen für mehr Demokratie ging die Polizei in Hong Kong heute mit Tränengas und Schlagstöcken vor. Die Protestierenden blockieren seit Stunden die Hauptverkehrsstraßen der chinesischen Sonderverwaltungszone.

Proteste-Hong-Kong

Proteste wie dieser 2012 sind keine Seltenheit in Hong Kong – das harsche Vorgehen der Polizei heute hingegen schon / Foto: Pasu Au Yeung (Flickr)

Chaotische Szenen in Hong Kong: Die Occupy-Central-Bewegung ruft die „Ära des zivilen Ungehorsams“ aus und die Polizei jagt die Aktivisten durch die Stadt. Seit Stunden besetzen zehntausende Demonstranten den Finanzdistrikt Hong Kongs, nachdem Studenten bereits die gesamte letzte Woche auf die Straße gingen. „Occupy Central beginnt jetzt“, rief Benny Tai, Mitbegründer der Bewegung, den Protestierenden zu.

Die Polizei wehrte sich bereits am Samstag mit Gewalt, als tausende Demonstranten für mehr Demokratie und freie Wahlen auf die Straße gingen. In der Folge gab es Dutzende Verletzte auf beiden Seiten. Fast 100 Menschen wurden festgenommen. Das harsche Vorgehen der Polizei zog indes nur noch mehr Bürger auf die Straße. Die Ordnungskräfte scheinen mit der Situation derzeit überfordert.

Hong Kongs Regierung reagiert

Ernanntes Ziel der Occupy-Central-Bewegung sind freie Wahlen im Jahr 2017. Mit den Demonstrationen wächst der Druck auf Peking, die entgegen früherer Versprechungen keine öffentlichen Kandidaten zulassen wollen. Diese sollen stattdessen von Pekinger Loyalisten bestimmt werden.

Unterdessen zeigen sich zumindest in Hong Kong erste Erfolge der Proteste. Regierungschef Leung Chung-Ying reagierte auf Rücktrittsforderungen der Demonstranten nach wochenlangem Schweigen mit Gesprächsbereitschaft. Er kündigte neue Beratungen über die Wahlreform an. Gleichzeitig erklärte Leung die Proteste jedoch für illegal und forderte seine Bürger auf, nicht an den Umtrieben teilzunehmen.

Ein Land, zwei Systeme

Hong Kong genießt in der Volksrepublik einen Sonderstatus mit großer politischer Autonomie. Diese politische Strategie folgt der Maxime ein Land, zwei Systeme, die auf Deng Xiaoping zurückgeht.

Offiziell bedeutet das für Hong Kong, dass die Stadt ihr kapitalistisches System seit der Wiedervereinigung 1997 für 50 Jahre beibehalten darf – sozusagen parallel zum sozialistischen System in Festlandchina. Dennoch will Peking keine freien Wahlen zulassen. Das Parlament wird in Hong Kong nur teilweise demokratisch besetzt.

Update – 28.9.2014, 23:07 Uhr

Dieses Video der South China Morning Post zeigt, dass sich auch noch am frühen Montagmorgen Menschen auf den Straßen Hong Kongs tummeln. Die Polizei setzt nach wie vor auf eine gewaltsame Zerschlagung der Proteste und setzt reichlich Tränengas ein.

Wer auch in der Nacht über die Vorgänge in Hong Kong informiert bleiben möchte, sollte regelmäßig auf Twitter vorbeischauen. Die Menschen vor Ort twittern unter dem Hashtag #OccupyCentral regemäßig Bilder und Updates.

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Text: Adrian Kummer