Chinesische Regierung startet auf Twitter neue Schmutzkampagne

Kontrolliert Peking jetzt auch die öffentliche Meinung auf Twitter? Eine Schmutzkampagne gegen Autor Murong Xuecun lässt neuerliche Manipulationsversuche durch die chinesische Regierung auf Twitter vermuten.

Eine Schmutzkampagne gegen Schriftsteller Murong Xuecun zeigt Pekings neueste Anstrengung, die öffentliche Meinung nicht nur in Chinas sozialen Medien, sondern auch via Twitter zu beeinflussen. So soll ein zehnteiliger Essay mit dem Titel „Das vergangene und heutige Leben von Murong Xuecun“, von hunderten Twitter-Konten aus tausendfach weitergeleitet worden sein. In diesem wird Murong unter anderem bezichtigt, mehrere Affären gehabt zu haben und seine Frau zu schlagen.

“Murong Xuecun ist zwar großartig, aber auch ein wenig inhuman”: Der Beitrag eines von der chinesischen Regierung eingesetzten Roboter-Bloggers? 

Laut einer Analyse des chinesischen Bloggers Xiang Xiaokai wurde der Essay fast ausschließlich von kürzlich eröffneten Twitter-Konten mit auffällig glatt aussehenden Avataren von hübschen jungen Männern und Frauen weitergeleitet. Außerdem auffällig: Die “Retweets” erfolgten innerhalb von 10-Sekunden-Intervallen und gerade einmal 20 Minuten nachdem der Original-Essay erschien.

Laut Xiang könne es sich bei den Konten um gefälschte „Roboter-Konten“ handeln, die nur dazu erstellt worden seien, um staatliche Propaganda zu verbreiten und „das chinesisch-sprachige Twitter mehr wie Weibo zu machen“ .

Online-Hetze gegen Murong Xiaocun

Murong Xiacun, dessen richtiger Name Hao Qun ist, ist ein bekannter Autor und Kritiker des chinesischen Regimes. Er selbst vermutet, dass die Kampagne eine Reaktion auf seine Teilnahme an einem Treffen von chinesischen Intellektuellen im Mai zum Gedenken an den 25. Jahrestag der Tiananmen-Proteste 1989 ist. „Sie können sicherlich nicht direkt Twitter zensieren, aber sie können sich einmischen, indem sie ihre Stimme erheben.“, so Murong gegenüber dem Telegraph.

Eins jedoch bleibt unklar: Warum wird die Propaganda gegen Murong auf dem in China gesperrten Twitter und nicht auf Sina Weibo, Chinas eigener großer Mikroblogging-Plattform, verbreitet? Auch darauf weiß Murong eine Antwort: „Mein Weibo-Konto wurde mehr als zehn Mal gelöscht. Ich habe innerhalb der Great Firewall mittlerweile keine Stimme mehr.” Als Great Firewall werden in China alle Mechanismen zur Kontrolle des Internets zusammengefasst. Genau wie die Große Mauer China jahrtausendelang von der Außenwelt abgrenzte, übernehmen heute die digitalen Kontrollmechanismen der chinesischen Regierung diese Aufgabe.

Manipuliert die chinesische Regierung nun auch „unsere“ sozialen Medien?

Die chinesische Regierung scheut keine Kosten und Mühen, um Chinas soziale Medien, darunter der größte Mikroblog-Portal Sina Weibo und die Whatsapp-Alternative WeChat, unter Kontrolle zu bringen. Entweder werden methodisch einzelne Beiträge zensiert, ganze Nutzer-Konten gelöscht oder Diskussionen in eine bestimmte Richtung gelenkt.

Neu ist allerdings, dass die chinesische Regierung nun anscheinend auch mit der Manipulation von internationalen Diensten wie Twitter experimentiert. Bereits im Juli soll es solche Manipulationsversuche gegeben haben. So soll die chinesische Regierung mit Hilfe von dutzenden gefälschten Twitter-Konten westlicher Prominenter versucht haben, regierungsnahe Propaganda über die politische Situation in Tibet zu verbreiten.

 

Text: Lisa Niklas, Titelbild: Hanteng (Wikimedia Commons)