Chinesische Demokratie-Aktivisten hacken TV-Sender

Fernsehzuschauer aus Wenzhou waren nicht wenig erstaunt, als am vergangenen Freitagabend plötzlich Texte über ihre Bildschirme liefen, die die kommunistische Partei verhöhnten. Hinter dem Angriff stecken Unterstützer einer bekannten Hackergruppe.

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Screenshot: Hackerangriff auf Wenzhou-TV / Foto: Wikimedia Commons

Wenn deutsche Medien über chinesische Hacker berichten, dann geht es meist um Angriffe auf hiesige Unternehmen oder Behörden. Eine Hackergruppe aber hat es auf China selbst abgesehen, genauer: auf die kommunistische Partei. Jetzt ist Unterstützern der Fangong Heike (Die Anti-kommunistischen Hacker) ein besonderer Coup gelungen: ein Angriff auf einen Fernsehsender aus Wenzhou.

„Arbeitet nicht mit den kommunistischen Verbrechern zusammen!“

Während das Hauptprogramm wie gewohnt weiter lief, erschienen Freitagabend auf einmal Sprüche wie dieser auf dem Bildschirm: „Die kommunistischen Teufel sind Verbrecher!“ stand da zu lesen, oder: „Uns werden unsere elementarsten Menschenrechte vorenthalten, unser Heimatland wird von Feinden besetzt!“ Deutlicher könnte ein verbaler Angriff auf die Kommunistische Partei kaum ausfallen.

„Arbeitet nicht mit den kommunistischen Verbrechern zusammen!“, wurden die Fernsehzuschauer aufgefordert. Es wurden Fotos gezeigt vom Aufmarsch der Panzer am Tiananmen-Platz im Juli 1989 und von tibetischen Mönchen, die sich aus Protest selbst verbrennen. Auch an politische Gefangene wurde gedacht „Lasst Wang Bingzhang frei!“, forderten die Hacker, ebenso die Freilassung von Liu Xiaobo, Unterzeichner der Charta 08 und Friedensnobelpreisträger von 2010.

Zensur bei Weibo

Als der Spuk vorbei war, schafften es Bilder der Aktion schnell auf Weibo, dem chinesischen Twitter-Pendant – bis sie dort der Zensur zum Opfer fielen. Der Hash-Tag Wenzhou-TV wurde gehackt (Wenzhou dianshitai bei hei) wurde kurzerhand blockiert. Nur auf Twitter konnten die Antikommunistischen Hacker die Aktion bekannt machen. Hier zeigt die Gruppe auch Screenshots von Regierungssseiten, die sie angeblich in der Vergangenheit bereits gehackt hatte, mit teils deftigen Parolen: „Ihr beschissenen Kommunisten, verlasst China!“ steht da etwa auf einer Regierungsseite.

Die Aktion von Freitag war nicht die erste ihrer Art. Bereits im Jahr 2002 wurden der staatliche Fernsehsender CCTV und einige Provinzanstalten Opfer von ähnlichen Hackerangriffen. Doch diesmal wurde den Hackern besonders viel Aufmerksamkeit zuteil, sogar zu einem eigenen Wikipedia-Eintrag hat es die Aktion bereits gebracht.

 

Text: Sven Hauberg