China zensiert ab Sonntag Internet-Nutzernamen

Peking wirft seit Jahren alles in die Waagschale, um das Internet frei von unliebsamen Inhalten zu halten. Um dieses Ziel zu erreichen, fallen ab kommendem Sonntag auch Usernamen der Zensur zum Opfer.

Google-Zensur-China

Google gab bereits 2010 wegen der Zensur in China auf / Foto: Xhacker (Wikimedia Commons)

Keine Behörde auf der Welt bekämpft laut Reporter ohne Grenzen die Freiheit des Internets so vehement wie die Volksrepublik China. Tausende Menschen in Behörden und bei den Website-Betreibern selbst sorgen rund um die Uhr dafür, das Internet möglichst parteitreu zu halten.

Ab dem 1. März werden nun sogar die Nutzernamen der User zensiert. Doch welche Nutzernamen sind konkret betroffen?

  • Nutzernamen, die berühmte Personen imitieren, verspotten oder parodieren (z.B. Putin, Obama oder Xi)
  • Nutzernamen, die die nationale Sicherheit gefährden, Staatsgeheimnisse preisgeben, die Autorität des Staates untergraben oder die nationale Einheit gefährden (Tibet, Xinjiang etc.)
  • Rassistische und diskriminierende Nutzernamen (mit besonderer Rücksichtnahme auf die verschiedenen im Land lebenden Ethnien)
  • Vulgäre und pornografische Nutzernamen
  • Nutzernamen, die Gewalt verherrlichen oder dazu aufrufen
  • Nutzernamen, die Glücksspiele verherrlichen

Betroffene Nutzer bekommen die Möglichkeit, ihren Nickname innerhalb einer Frist zu ändern. Wird der Name nicht geändert, wird der Account gelöscht. Ein Regierungssprecher gab an, die Maßnahme solle die Nutzer vor beleidigenden und ekelhaften Nutzernamen schützen.

Zensur in China: Grotesk, aber umgehbar

Die Zensur nimmt in China bisweilen groteske Züge an. Erst letztes Jahr wurde die TV-Serie The Big Bang Theory verboten, die Simpsons dafür endlich erlaubt. Wie kreativ Chinas Zensurbehörden agieren, bewies zuletzt auch die Veröffentlichung einer Hymne auf die Internet-Zensur – samt pompösem Video, versteht sich.

Dennoch muss man in China nicht unbedingt auf gesperrte Seiten verzichten. Mit Hilfe eines VPN-Clients kann man Chinas Goldenen Schild einfach und vor allem völlig legal umgehen – auch wenn das derzeit immer schwieriger wird.

 

Text: Adrian Kummer