China nutzt gefälschte Twitter-Accounts für Tibet-Propaganda

Welch ein Erfolg für die chinesische Propaganda: Westliche Ausländer schimpfen bei Twitter über den Dalai Lama und loben die chinesische Politik in Xinjiang. Jetzt hat sich herausgestellt: Alles nur Fake!

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Der Potala-Palast in Lhasa / Foto: Dennis Jarvis (Flickr)

Es sind wunderschöne Videoclips von tanzenden Tibeterinnen und lächelnden tibetischen Nomaden, die Tom Hugo bei Twitter geteilt hat. Der junge, gut aussehende Westler hat offenbar einige Zeit in Tibet verbracht – er weiß, wovon er spricht.

Auch Lydia May kennt sich aus in China. Sie weiß, dass der Dalai Lama ein Wolf im Schafspelz ist und die chinesische Regierung alles tut, um die Situation der Uiguren in Xinjiang zu verbessern.

„Ein heimtückischer Versuch, das Bild von Tibet zu verfälschen“

Beide Twitter-Accounts sind aber gefälscht, wie die New York Times jetzt berichtet. Denn schon allein die Profilfotos der vermeintlichen China-Versteher sind geklaut.

Wer dahinter steckt, ist unklar, ein Verdacht liegt aber nahe: eine chinesische Propaganda-Abteilung. „In Bezug auf Tibet überrascht uns nichts, das China tut, das hier aber ist etwas neues“, so Alistair Currie von Free Tibet. „Es handelt sich um einen heimtückischen Versuch, das Bild von Tibet zu verfälschen.“

Wo Tibet ein modernes Shangri-La ist

Die Informationen, die über die unechten Tweets verbreitet wurden, stammen zum Teil von chinesischen Propagandaseiten wie dieser englischsprachigen Seite über das Dach der Welt. Hier ist Tibet ganz heile Welt, mit vorbildlich restaurierten Tempeln, in denen glückliche Möche ungestört ihre Religion ausüben.

Viel Mühe, ihre gefälschte Identität zu verschleiern, haben sich die Twitterer dabei nicht gemacht. Viele nutzten offensichtlich falsche Namen – von bekannten Schauspielern oder bereits verstorbenen Musikern.

Steckt die 50-Cent-Party hinter den gefälschten Accounts?

Mehr als 100 solcher Fake-Accounts hat die Organisation Free Tibet ausgemacht. Ein möglicher Urheber: die sogennante 50-Cent-Party. Unter diesem Begriff werden chinesische Kommentatoren zusammengefasst, die im Auftrag der Regierung Propaganda im Internet streuen – für angeblich 0,5 Renminbi pro Post.

Mittlerweile hat Twitter auf die gefälschten Tweets reagiert und einige verdächtige Accounts gesperrt. Großen Einfluss hatten die Propagandisten allerdings sowieso nicht: nur wenige folgten ihnen bei Twitter. Auch auf Youtube haben die Videos von Tom Hugo, dessen Twitter-Account bereits gesperrt ist, nur wenige hundert Aufrufe.

 

Text: Sven Hauberg