China in Afrika: Ausbeuter oder Heilsbringer?

China und viele Staaten Afrikas vertiefen seit Jahren ihre wirtschaftlichen und politischen Beziehungen. Im Westen sehen viele die Chinesen dabei als Ausbeuter. Doch beide Seiten profitieren von der Partnerschaft.

Propagandaplakat

Propaganda-Plakat: China und Afrika gemeinsam gegen seine Unterdrücker

Der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang befindet sich derzeit auf großer Afrikareise. Dabei kommt er nach Äthiopien, Nigeria, Angola und Kenia. Dem Besuch wird viel Beachtung beigemessen. Denn während die Bande zwischen Afrika und China zunehmend enger werden, wird auch die Kritik an der Afrikapolitik der Chinesen lauter.

Im März letzten Jahres stellte Chinas Staatspräsident Xi Jinping deshalb klar, dass China und Afrika eine „Schicksalsgemeinschaft“ darstellten und deswegen eine immer währende Freundschaft existiere. Dafür gibt es drei Gründe:

  • historische (durch Chinas Teilkolonialisierung),
  • politische (Peking erhofft sich einen Einfluss auf die afrikanische Außenpolitik, insbesondere gegenüber den USA)
  • und wirtschaftliche (China ist mittlerweile noch vor den USA der wichtigste Außenhandelspartner Afrikas).

Der Feind meines Feindes ist mein Freund

Die Gründung der Volksrepublik stellt den Beginn der Freundschaft zwischen China und Afrika dar. Der gemeinsame Nenner war vor allem die lange Unterdrückung beider Regionen. So wurde bereits Mitte der 50er Jahre auf der Bandung-Konferenz in Indonesien ein lockeres Zweckbündnis zwischen Asien und Afrika geschaffen. Seine Aufgabe: die Unterstützung der afrikanischen Befreiungskämpfe und die Vernetzung der Arbeiterbewegungen beider Kulturen. Im Laufe des Kalten Krieges etablierte sich für die beteiligten Staaten der Begriff der Dritten Welt, aus der später die Bewegung der Blockfreien Staaten hervorging, die sich weder der NATO noch dem Warschauer Pakt anschließen wollten.

Mao Zedong in Südafrika

Mao Zedong und Yusuf Dadoo (Mitte), Vorsitzender der KP Südafrikas bei einem Treffen im Novemer 1960

In der Folge unterstütze China Afrika in den 60er- und 70er-Jahren mit Lebensmittel- und Infrastrukturhilfen. Dabei hätten die Chinesen diese Hilfen eigentlich selbst dringend gebraucht. Die Volksrepublik war beispielsweise am Bau der 2.000 Kilometer langen TAZARA-Bahnstrecke durch Tansania beteiligt, um das südafrikanische Apartheidsregime wirtschaftlich zu schwächen.

Anführer China und die Taiwan-Frage

Als „größtes Entwicklungsland der Welt“ gibt sich China auf internationalem Parkett gerne als Sprachrohr Afrikas –  nicht zuletzt auf den zahlreichen UN-Klimakonferenzen der letzten Jahre.

Diese Möglichkeit besteht aber erst, seitdem Taiwan 1971 von der UN-Generalversammlung als völkerrechtlicher „Vertreter des chinesischen Volkes“ (Republik China) aus dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ausgeschlossen wurde – unter anderem dank einer hohen Anzahl afrikanischer Stimmen. Nur so konnte China, seit damals offizieller völkerrechtlicher Vertreter Chinas, überhaupt außenpolitische Macht aufbauen.

Seitdem erfreut sich China der großen Unterstützung afrikanischer Staaten in der Taiwanfrage. Taipeh verfügt ohnehin kaum noch über diplomatische Vertretungen in Afrika. Und es werden immer weniger. In den letzten Jahren musste Taiwan unter anderem Vertretungen im Senegal, in Malawi und Gambia schließen.

Goldene Hochzeit: Treue mit Bedingungen

2006 jährte sich das Band zwischen China und Afrika zum 50. Mal. Damals wurde in Peking ein neuer Typus der strategischen Partnerschaft begründet. Heute befinden sich deshalb in 50 von 54 afrikanischen Staaten chinesische Firmen, Finanzhilfen oder Aufbauprojekte.

Im Gegenzug erhofft sich China von Afrika politische Rückendeckung – nicht nur in der Taiwanfrage. Das Bündnis stützt Chinas Ambitionen auf der Bühne der Weltpolitik. Dazu will die Volksrepublik offensichtlich die politischen Stimmen des Schwarzen Kontinents und anderer Entwicklungsländer gegen China-Kritik aus dem Westen aufwiegen.

Den westlichen Staaten schmeckt das natürlich weniger. So warnte US-Außenministerin Hillary Clinton 2011 vor einem neuen Kolonialismus in Afrika. Auch Japans Premierminister Shinzo Abe sprach im Januar dieses Jahres von einer Ausbeutung afrikanischer Ressourcen, unter anderem weil Chinas Ölimporte aus Afrika von 1992 bis 2010 um satte 13.000% stiegen. Mittlerweile decken die Chinesen ein Viertel ihres gesamten Ölbedarfs mit Lieferungen aus Afrika.

Afrika-Experte Li: China hilft dort, wo westliche Hilfe scheiterte

Der Afrika-Experte Li Anshan von der Peking-Universität kann die Vorwürfe auf dem Westen jedoch nicht bestätigen. Afrika helfe dort, wo die westlichen Hilfsversuche scheiterten, so Li.

Trotzdem sieht auch er Probleme: Li berichtet von chinesischen Firmen, die mit dem afrikanischen Markt und der Kultur unvertraut seien und deswegen falsch mit der lokalen Bevölkerung umgingen.

Die Regierung zeigt sich hingegen zumindest offiziell bestrebt, das Bündnis für beide Seiten gewinnbringend zu gestalten. Zwar beziehe die Volksrepublik Ressourcen aus Afrika und werde an bestimmten Projekten am Gewinn beteiligt. Allerdings helfe China afrikanischen Ländern im Gegenzug dabei, ein höheres Entwicklungsniveau zu erreichen – verstärkt durch medizinischen und infrastrukturelle Hilfe.

Kolonialismus light

Die sino-afrikanischen Wirtschaftsbeziehungen führten zu großen Fortschritten in Afrika. So konnte die Lebensqualität verbessert und in einigen Ländern das BIP um 10% bis 30% wachsen.

Die Kolonialismus-Vorwürfe aus dem Westen lassen sich hingegen nicht so leicht mit Fakten untermauern. Denn anders als die westlichen Kolonialherren kommen die Chinesen bislang ohne Völkermorde, Stellvertreterkriege, Militärpräsenz oder institutionalisierten Rassismus aus.

Selbst die Ausbeutung der afrikanischen Rohstoffe lässt sich nicht mit Zahlen belegen, denn deren Preise sind in den letzten Jahren enorm erhöht – auch dank der Nachfrage aus China. Auf diese Weise stärkte Peking nicht nur die Wirtschaft des Kontinents, sondern auch die Verhandlungsmacht Afrikas. 

 

Text: Jonas Becker