4 Chinesen unter den Helden der Pressefreiheit 2014

Zum Tag der Pressefreiheit veröffentlicht Reporter ohne Grenzen erstmals eine Liste mit 100 Helden der Pressefreiheit. Dass sich darunter auch vier Chinesen befinden, ist kein Kompliment für China – aber dafür an die Helden.

Jigme-Gyatso

Seit September 2012 ohne Lebenszeichen: Jigme Gyatso / Foto: filmingfortibet.org

„Der Tag der Pressefreiheit, bei dessen Initiierung Reporter ohne Grenzen mithalf, sollte Anlass geben, dem Mut von Journalisten und Bloggern Tribut zu zollen, die ständig ihre Sicherheit und manchmal ihr Leben für ihre Berufung opfern“, sagte ROG-Generalsekretär Christophe Deloire anlässlich der Bekanntgabe der 100 Helden der Pressefreiheit.

Unter den 100 Journalisten, Künstlern und Aktivisten befinden sich auch vier Chinesen: die beiden Reporter Li Jianjun und Liu Hu sowie die beiden Menschenrechtler Huang Qi und Jigme Gyatso. Ein Kompliment ist das sicherlich nicht für die Volksrepublik. Denn ähnlich viele Helden stellen sonst nur Länder wie Russland, Iran oder Aserbaidschan, in denen die öffentliche Meinungsfreiheit ebenfalls enorm eingeschränkt ist.

Mut als Hauptkriterium

Unter den 100 Helden befinden sich aber auch Persönlichkeiten aus demokratischen Staaten. So tauchen auch Glenn Greenwald und Laura Poitras aus den USA auf der Liste auf, die den NSA-Skandal aufdeckten.

Wer in die Top 100 aufgenommen wurde, musste für sein Anliegen großen Mut aufbringen – das war das Hauptkriterium für die Aufnahme in die Liste. „Diese Informationshelden sind eine Quelle der Inspiration für alle und diejenigen, die nach Freiheit streben“, sagt Deloire über sie.

Wir stellen euch die vier Helden aus China vor, die es auf die Liste geschafft haben. Denn anders als Ai Weiwei, der selbst nicht auf der Liste auftaucht, sind die vier chinesischen Helden im Westen kaum bekannt.

Huang Qi, Menschenrechtsaktivist

Huang Qi verbrachte acht der letzten 14 Jahre im Gefängnis. Die Anklagepunkte reichten von „Anstachelung zum Umsturz der Staatsmacht“ 2000 bis hin zur „Weitergabe von Staatsgeheimnissen“, als er Eltern der Opfer des Erdbebens von Sichuan 2008 mit Informationen versorgte.

Seit 1998 betreibt Huang Chinas erste Website, die Nachrichten rund ums Thema Menschenrechte liefert. 2004 wurde er für das Projekt bereits von Reporter ohne Grenzen ausgezeichnet.

Tausende freiwillige Helfer unterstützten ihn in den letzten 16 Jahren, auf zehntausende Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen. In dieser Zeit konnte er über 10 Milliarden Yuan (mehr als 1 Milliarde Euro) an Entschädigungen für Opfer in ganz China sammeln. Obwohl Huang und seine Mitstreiter täglich an ihrer Arbeit gehindert und ihrer Freiheiten beraubt werden, kämpfen sie weiter für die Rechte ihrer Mitbürger.

Li Jianjun, Journalist

Seit 10 Jahren berichtet der Journalist Li Jianjun über Korruption in China. Von seinen Enthüllungen war immer wieder die bestechliche Polizei in seiner Heimat-Provinz Shanxi betroffen.

Obwohl er 2011 entlassen wurde, gab er nicht auf. Zwischen 2012 und 2013 deckte er Unregelmäßigkeiten in den Geschäften zwischen der staatlichen China Resources Holdings Co und Minenbetreibern auf – begleitet von Entführungsversuchen und Morddrohungen. Am Ende veranlasste die Disziplinarkommission der Kommunistischen Partei schließlich die Entlassung des verantwortlichen China-Resources-Vorstandes Song Lin.

Liu Hu, Journalist

Für Liu Hu endete sein Engagement weniger glimpflich. Der Reporter des Modern Express Daily aus Guangzhou veröffentlichte im Sommer 2013 Informationen über die Veruntreuung von Geldern eines Parteioffiziellen über seinen Weibo-Account, weil er wusste, dass die Zensurbehörden eine Veröffentlichung in seiner Zeitung nicht zulassen würden.

Da Liu bereits zuvor mit ähnlichen Enthüllungen auffiel, wurde er umgehend verhaftet. Während der Untersuchungshaft wurde er wie ein Schwerverbrecher behandelt. Außerdem wurde sein Anwalt verfolgt, nachdem er Informationen über den Fall online verbreitete.

Jigme Gyatso, Mönch, Filmemacher und Menschenrechtsaktivist

Jigme Gyatso (Golog Jigme) sorgte 2008 gemeinsam mit Filmemacher Dhondup Wangchen für Aufsehen. Ihre 25-minütige Dokumentation Leaving Fear Behind berichtet über die Unterdrückung Tibets und wurde im Rahmen der Olympischen Spiele heimlich in Peking uraufgeführt. Danach wurde der Film auf der ganzen Welt gezeigt.

Jigme Gyatso wurde sofort danach gefangen genommen. Sieben Monate lang wurde er gequält und gefoltert. 2012 wurde er erneut festgenommen. Seit September 2012 gibt es keine Informationen mehr über seinen Verbleib.

 

Text: Adrian Kummer