Warum „The Big Bang Theory“ in China verboten wurde

Die Polit-Serie „House of Cards“ bleibt unzensiert, stattdessen werden „The Big Bang Theory“ und andere vermeintlich harmlose US-Serien in China verboten. Wir suchen nach den Gründen, warum Fernsehproduktionen in der Volksrepublik zensiert werden.

The Big Bang Theory wurde in China zensiert

Szene aus „The Big Bang Theory“ / Foto: CBS

Chinas Zensurbehörden greifen mal wieder mit aller Härte durch. Im seit Wochen verstärkten Kampf gegen Internet-Pornografie erwischte es zuletzt sogar den Tech-Riesen Sina, der angeblich pornografische Inhalte auf seinem Nachrichtenportal veröffentlicht haben soll.

Doch während die Zensur der in China illegalen Pornografie noch einigermaßen einzuleuchten scheint, sorgte das Verbot vierer im Grunde harmloser TV-Serien aus den USA für Verwunderung im Westen. Betroffen davon sind unter anderem die Nerd-Sitcom The Big Bang Theory und die Krimi-Serie Navy CIS. Warum stufen die Zensoren ausgerechnet solche Sendungen als gefährlich ein?

Videoportale für chinesische Verhältnisse unterreguliert

Diese Frage mutet umso absurder an, da die Polit-Serie House of Cards von der chinesischen Zensur bislang unbehelligt blieb. Die Serie mit Kevin Spacey in der Hauptrolle thematisiert unter anderem die Beziehungen zwischen den USA und China. Dabei geht es in der zweiten Staffel auch um einen korrupten chinesischen Milliardär, dessen Macht bis in den Ständigen Ausschuss des Politbüros reicht.

Obwohl in House of Cards gleich Dutzende Tabus thematisiert werden, ist die Serie nach wie vor als Online-Stream verfügbar – vermutlich, weil die Handlung auch an den USA kein gutes Haar lässt. Und so ist sogar Cui Tiankai, Chinas Botschafter in den USA, ein großer Fan der Serie.

House-of-Cards

Kevin Spacey in „House of Cards“ / Foto: Netflix

Die Zensur-Kriterien sind demnach nicht unbedingt in Stein gemeißelt. Schon gar nicht im Internet. Denn während Serien wie House of Cards es sicherlich nicht ins chinesische Fernsehen schaffen würden, können sie im Internet auf chinesischen Videoportalen wie Youku in der Regel problemlos gestreamt werden. Der Grund: Für das Internet werden Inhalte nicht im Vornherein überprüft. Zudem gebe es keine genaue Regeln oder Verbote, so ein Mitarbeiter eines Videoportals.

Nicht nur Politisches wird zensiert

Wie und welche TV-Inhalte die Volksrepublik zensiert, wird von den Behörden geheim gehalten. Dennoch gewährten Insider Ende März einen Einblick in das Zensursystem. Und das geht weit über die üblichen politischen Tabu-Themen hinaus.

Die Kriterien für saubere Inhalte sind mitunter ziemlich komplex. So müssen die Sozialmoral und Traditionen unbedingt geachtet werden. Beispielsweise wartet auf Paare niemals ein Happy End, wenn sie sich im Verlauf einer Geschichte scheiden lassen. Auch außereheliche Kinder sind im chinesischen TV nicht gesehen. Allgemein stehen Kinder unter besonderem Schutz. Darum fehlt im chinesischen Fernsehen jegliche Darstellung von Liebe unter Jugendlichen oder auch von Gewalt auf dem Schulhof.

Die Zensurauflagen bereiten indes nicht nur ausländischen Produktionen Probleme. Chinesische Produzenten haben ebenfalls häufig mit den Kriterien zu kämpfen. Auch Aberglaube ist zum Beispiel verboten, ebenso wie die Darstellung von Geistern. Doch gerade diese Dinge spielen in den so beliebten chinesischen Mythen immer wieder eine wichtige Rolle.

Nicht nur Politisches wird zensiert

Die Zensoren werden sich beim Verbot der vier US-Serien diese Woche also durchaus etwas gedacht haben. Nur was? Wir könnten uns folgende Gründe vorstellen:

  • The Practice: Vermutlich wurde der Anwalts-Serie genau das in China zum Verhängnis, was sie im Rest der Welt so beliebt macht: die fehlende Trennschärfe zwischen Gut und Böse, moralisch richtig und falsch, Macht und Machtlosigkeit, Recht und Gerechtigkeit. Denn genau die ist in einem autoritären Staat wie China zumindest offiziell immer gegeben. In anderen Worten: „Die Partei, die Partei, die hat immer Recht.“
  • The Good Wife: Auch in The Good Wife wird das Justizsystem in Frage gestellt – auch wenn es nur das der USA ist. Und noch schlimmer: Der Ehemann von Hauptfigur Alicia Florrick ist ein Staatsanwalt, der in Folge eines politischen Komplotts selbst hinter Gittern muss. So etwas könnte man sich auch gut in China vorstellen. Vermutlich wurde die Serie darum auch verboten.
  • Navy CIS: Die Volksbefreiungsarmee ist eine ehrbare Institution in China. Dass es innerhalb des Militärs zu Mordfällen kommen könnte, ist deswegen ein absolutes Tabu-Thema.
  • The Big Bang Theory: Bei der beliebten Nerd-Sitcom fällt die Spurensuche schon etwas schwerer. Wir glauben, dass die Serie den chinesischen Zensoren zu rassistisch gewesen sein könnte. Der aus Indien stammende Nerd Rajesh wird immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert, die auf seine vermeintlich unterentwickelte und verschmutzte Heimat anspielen. Andererseits geht es in der Serie auch heiß her – vielleicht zu heiß. Gerade die Hauptfiguren Penny und Leonard kokettieren mit wechselnden Geschlechtspartnern, was von chinesischen Zensoren nicht gerade als sittlich angesehen werden könnte.

So oder so ähnlich könnten die Zensurbehörden die Verbote zumindest inhaltlich rechtfertigen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Sendungen aus dem profanen Grund zensiert wurden, die junge Zielgruppe für das Staatsfernsehen zu verlieren. Denn die schaut immer öfter online als mit dem Fernseher. Schätzungen gehen davon aus, dass rund 80 Prozent der chinesischen Internetnutzer regelmäßig online Videos schauen – das sind immerhin 450 Millionen Menschen.