Warum laden ausländische Websites in China so langsam?

Schon das mobile Internet ist in Chinas Großstädten schneller als so mancher Breitbandanschluss in deutschen Haushalten. Trotzdem laden ausländische Websites in China extrem langsam. Nur warum eigentlich?

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Ausländische Internetnutzer brauchen in China viel Geduld / Foto: WhoAteMyEggo (Deviant Art)

Für Ausländer ist das digitale Leben in China ganz schön mühsam. Viele beliebte soziale Netzwerke wie Facebook oder Youtube liegen hinter der Great Firewall und sind darum nicht verfügbar. Dagegen hilft aber ein guter VPN-Client.

Ein weit größeres Problem ist allerdings die langsame Verbindung zu ausländischen Servern. Denn selbst wenn internationale Websites nicht von den Zensoren geblockt werden, so laden sie doch ausgesprochen langsam. Das kostet nicht nur Zeit, sondern macht das Streamen vieler Videoinhalte so gut wie unmöglich. Und das obwohl das Internet in China eigentlich schnell ist – zumindest beim Aufrufen chinesischer Seiten.

Drei Knotenpunkte ins Ausland

Warum dieses Problem noch schlimmer ist als die Great Firewall? Weil es sich, anders als die Zensur ganzer Websites, nicht effektiv umgehen lässt.

Das hat vor allem einen Grund: Das chinesische Internet ist nur an drei Stellen mit dem Ausland verbunden. Diese sogenannten Gateways liegen in der Umgebung von Peking, Shanghai und Guangzhou. Die Bandbreite der Knotenpunkte ist dabei so schwach, dass sie die Geschwindigkeit für Verbindungen zu Servern im Ausland grundsätzlich verlangsamen. Die Datenmengen sind also schlicht zu groß für die Gateways. Chinesische Websites laden deshalb im Ausland übrigens auch nur langsam.

Digitale Grenzkontrollen

Die nur drei Gateways erleichtern den Zensoren die Arbeit – oder vielmehr ihren Computern. Die Knotenpunkte verlangsamen nicht nur das Laden ausländischer Websites, sie erlauben auch eine bessere Überwachung. Der internationale Datenverkehr wird an diesen Stellen nämlich ständig gespiegelt und analysiert. Werden unerwünschte Informationen entdeckt, können Verbindungen zusätzlich verlangsamt oder ganz gekappt werden. Beim Nutzer erscheint dann oft der Hinweis “Bad Gateway” im Browser.

In diesem Fall hilft jedoch der VPN-Client. Er erzeugt ein sogenanntes Virtual Private Network, das verschlüsselte Datenübertragungen ermöglicht und so Daten an den Gateways nicht einsehbar vorbei schleust. Schneller wird die Verbindung durch den VPN-Client jedoch auch nicht. Denn die hängt ja mit der niedrigen Bandbreite an den Gateways zusammen.

Projekt Goldener Schild

Das Online-Kontrollnetzwerk der Volksrepublik trägt intern den Namen Projekt Goldener Schild. Klingt ganz schön böse, und das ist es wohl auch. Ein Großteil der technischen Infrastruktur dafür kommt übrigens nicht aus China, sondern vom amerikanischen Telekommunikationsriesen Cisco. Und auch sonst verdient Cisco nicht schlecht am Goldenen Schild: Die gewerblichen VPN-Dienste des Unternehmens erfreuen sich auch in China großer Beliebtheit.