Trauern im Reich der Mitte: Wie Chinesen mit dem Tod umgehen

Letzte Woche starben über 600 Menschen bei einem Erdbeben in der Provinz Yunnan, die Explosion einer Fabrik in Kunshan hat 71 Todesopfer gefordert. Angesichts der schrecklichen Ereignisse haben wir uns gefragt: Wie halten es die Chinesen mit dem Tod?

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Zwei Frauen in Hong Kong beim Totengedenkfest Qingming/ Foto: istolethetv (Flickr)

„Deutsche sind emotionaler als Chinesen. Zumindest was den Tod betrifft.“ Diese überraschende Auffassung vertritt der Wissenschaftler Qi Chen, der aktuell eine Analyse von Todesanzeigen aus Deutschland und China durchführt.

„In beiden Sprachen lässt sich ein Doppelcharakter beobachten zwischen privater Betroffenheit und öffentlicher Kommunikation.“ Laut Qi Chen sind „Todesanzeigen hierzulande gefühlsbetonter, in China hingegen ,stark ideologisch geprägt‘. Das Aufzählen der Verdienste soll die gesellschaftliche Anerkennung erhöhen.“

Trauer zeigen: Emotionen sind erlaubt

Das bedeutet allerdings nicht, dass Chinesen ihre Trauer nicht zeigen. Im Gegensatz zur sonst so starken emotionalen Zurückhaltung der Chinesen in der Öffentlichkeit, verlangt das Brauchtum von engen Familienmitgliedern wie den ältesten Söhnen sogar, dass sie ihrem Schmerz deutlichen Ausdruck verleihen. Die Frauen der Familie sollten den Verstorbenen mit lautem Wehklagen beweinen.

Traditionell betrachtet man in China den Tod jedoch nicht als Ende, sondern als Höhepunkt des Lebens, durch den die Seele in die Ewigkeit übergeht. Vielleicht ist diese Sichtweise unter anderem ein Grund dafür, dass im Reich der Mitte Weiß, anstelle von Schwarz, die Farbe der Trauer ist? Auch der Name des chinesischen Totengedenkfestes Qingming, der übersetzt so viel bedeutet wie hell und klar, weckt in uns Westlern eher positive Assoziationen.

Qingming-Fest: Gedenken an die Toten

Gefeiert wird das Fest, das seit 2008 ein offizieller Feiertag in der Volksrepublik ist, in der ersten Aprilwoche. Zum Gedenken an die Ahnen werden die Gräber der Verstorbenen gesäubert und geschmückt. Man zündet Räucherstäbchen an, legt Opfergaben wie die Lieblingsspeisen der Verstorbenen ab und verbrennt das sogenannte Totengeld. Diese Papiergeldnoten sollen den Ahnen im Jenseits zu einem glücklichen Leben verhelfen.

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Unechte Papiernoten als Totengeld / Foto: bfishadow (Flickr)

Neben Totengeld werden in manchen Regionen auch Gegenstände aus Papier verbrannt, die den Toten zu Lebzeiten besonders gut gefallen haben. Dazu zählen beispielsweise Dinge wie Smartphones oder Luxusartikel, die für diesen Anlass in großer Auswahl in Papierform erhältlich sind.

Mit Selbstmord Feuerbestattung verhindern?

Wie das Qingming-Fest hat auch die Sargbestattung eine lange Tradition in China. Die chinesische Regierung versucht allerdings jetzt Feuerbestattungen zu forcieren, um so notwendiges Agrar- und Bauland zu gewinnen. Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist bisher gering. Es gibt sogar Berichte über Selbstmorde älterer Menschen in Anqing, die sich auf diese Weise der ab Juni behördlich verordneten Feuerbestattungen entziehen wollten.

 

Text: Rosi Bach