Stopover in Taipeh Teil 2: 10 Sehenswürdigkeiten, die sich wirklich lohnen

Die Hauptstadt Taiwans ist immer einen Stopover wert. Im zweiten Teil unserer Reihe zeigen wir euch deshalb noch mehr Sehenswürdigkeiten, deren Besuch wirklich lohnt.

Nicht viele deutsche Touristen verschlägt es nach Taiwan. Dennoch hat Taipeh, Taiwans Hauptstadt einiges zu bieten. Wir zeigen euch, welche Orte in Taipeh wirklich einen Besuch wert sind.

Den ersten Teil der Reihe „Stopover in Taipeh“ könnt ihr hier nachlesen.

6. Heiße Quellen

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In den Badehäusern rund um Taipeh kann man entspannen. Foto: Rike Pätzold

Dass Taiwan mitten im Erdbebengebiet liegt, hat den Vorteil, dass sich überall auf der Insel heißes Wasser den Weg an die Oberfläche bahnt. Je nachdem, mit welchen Mineralien es sich dabei anreichert, ist es geruchlos oder riecht schön nach faulen Eiern.

Besonders nach einem anstrengenden Flug oder einer ausgiebigen Shoppingtour lohnt sich ein entspannender Besuch der zahlreichen heißen Quellen rund um Taipeh. Wie alles in Taipeh, lassen sich auch viele der heißen Quellen unkompliziert mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und/oder einem Taxi erreichen. Zum Beispiel kann man in die U-Bahn – MRT genannt –  nach Beitou springen und dort entweder gleich in eine der öffentlichen Bäder gehen. Oder aber man schnappt sich ein Taxi zu den etwas exklusiveren Resorts, die weiter oben in den Bergen liegen. Hier im Norden von Taipeh riecht das Wasser schwefelig und soll bei Hautkrankheiten oder Gelenkbeschwerden helfen. Wem der Schwefel zu sehr stinkt, kann alternativ ganz in den Süden Taipehs fahren – auch das geht mit der MRT. Von dort ist es nur noch eine 15-minütige Taxifahrt zum Örtchen Wulai. Hier hat man die Wahl zwischen einem kostenlosen Bad in den (geruchlosen) Quellen unten am Fluss und einem Besuch eines der zahlreichen privaten Bäder, die oft gleichzeitig Hotels sind.

Die Eintrittspreise der nicht-öffentlichen Quellen liegen, je nach Ausstattung, bei umgerechnet 5-15 Euro. Was den „Dresscode“ betrifft, gilt: ist eine Badeanstalt nach Geschlechtern getrennt, darf man sie textilfrei betreten. Bei der gemischt-geschlechtlichen Variante ist Badekleidung Pflicht. Für Leute, die gern in Kontakt mit „Locals“ kommen möchten, ist übrigens ein öffentliches Bad die erste Wahl. Die Aufmerksamkeit der Besucher ist einem in jedem Fall gewiss, und Taiwaner sind sehr kontaktfreudig!

7. Nachtmärkte

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Taipehs Nachtmärkte. Foto: ChangIc (Wikimedia Commons)

Taiwans Nachtmärkte sind weltberühmt. Je nachdem, wo man gerade in Taipeh unterwegs ist, gibt es verschiedene Optionen für einen Nachtmarktbesuch. Eine Übersicht über die verschiedenen Märkte bekommt ihr hier.

Manche Nachtmärkte sind sehr traditionell. Hier findet man Kuriositäten wie Schlangenblut und andere vorgeblich potenzsteigernde Mittelchen. Andere Märkte wiederum bieten vornehmlich Kleidung, Kitsch und Elektronik. Allen Nachtmärkten gemein ist jedoch die Lautstärke, das unvorstellbare Gewusel und die riesige Auswahl an kulinarischen Köstlichkeiten.

Ob in kleinen Restaurants oder an den vielen Ständen – man kann sich durch den ganzen Markt durchschlemmen und nach Stunden noch nicht alles gesehen und probiert haben.

Für junge Taiwaner ist ein Nachtmarktbesuch, was bei uns das Feierabendbier mit den Kumpels ist. Hier trifft man sich, snackt sich von Stand zu Stand, die Jungs batteln sich bei Computerspielen und die Mädchen tauchen in den Schmuck- und Klamottengeschäften ab. Gegen 23 Uhr strömen dann alle satt und zufrieden nach Hause – spätestens dann sollte man seine Hoffnung auf einen Sitzplatz in der U-Bahn begraben.

8. Dihua Traditional Street

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 Das traditionelle Taipeh: Dihua Traditional Street. Foto: Rike Pätzold

Die älteste und am besten erhaltene Straße noch aus Zeiten vor der japanischen Kolonialzeit (1895-1945) ist die Dihua Street. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts galt sie als das kommerzielle Zentrum für taiwanische Produkte wie medizinische Kräuter, Stoffe, Tees und Räucherwerk.

Das merkt man der Straße auch heute noch an: Ein Geschäft für chinesische Medizin reiht sich ans nächste und lädt zum Schlendern, Schnuppern und Probieren ein. Dazwischen finden sich immer wieder Teeläden sowie ein großer Stoffmarkt am Anfang der Straße. Hier kann man sich – vorausgesetzt, die gigantische Auswahl überfordert nicht – einen Stoff aussuchen und sich an Ort und Stelle bei einem der vielen Schneider günstig etwas nähen lassen. Je nach Aufwand kann man das genähte dann gleich mitnehmen – z. B. Kissenbezüge aus japanischen Stoffen als Mitbringsel für die Schwiegermutter.

Der Xiahai City God Temple ist nicht zu verfehlen und allen angeraten, die gerade in Liebesdingen Unterstützung benötigen. Außer dem Stadtgott und hunderter anderer Götter wird hier nämlich auch dem „chinesischen Amor“ gehuldigt – und tatsächlich gilt der Tempel unter jungen unverheirateten Taiwanern als Singlebörse.

Ganz besonders lohnt sich übrigens ein Besuch der Dihua Street am Chinesischen Neujahrsfest: Dann werden hier alle Arten von Neujahrsdekorationen und Süßigkeiten feilgeboten. Unbedingt probieren: süße Reisteigtäschchen mit Sesamfüllung in Ingwersuppe!

9. Treasure Hill Artist Village

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Im Treasure Hill Artist Village trifft sich Taipehs alternative Szene. Foto: Rike Pätzold

Für einen zeitgemäßeren und hippen Eindruck lohnt sich ein Besuch der wiedereröffneten, ehemaligen Veteranensiedlung namens Treasure Hill Artist Village.

Als Chiang Kai-shek Ende der 1940er Jahre mit tausenden Veteranen vom Festland hierher kam, gab es schlicht zu wenig Platz für die neuen Siedler, so dass sich überall im Land illegale Siedlungen bildeten. Eine davon war Treasure Hill am Ufer des Xindian-Flusses, nur einen Steinwurf von der größten Uni Taiwans, der National Taiwan University, entfernt. Bis die Stadtregierung 2007 das Areal schloss, um es umfangreich zu restaurieren, war es darüber hinaus ein wichtiger Treffpunkt für Taipehs alternative Szene: Auf Hausdächern wurden Kunst-Performances und Musikfestivals abgehalten und einige der Gebäude dienten schon damals als Studios, Galerien und Cafés.

Nach der Wiedereröffnung 2010 hat Treasure Hill zwar seinen Hausbesetzer-Charme und auch den Großteil seiner ursprünglichen Bewohner verloren. Dennoch lohnt sich ein Spaziergang bzw. ein Fahrradausflug hierher – vor allem wegen der netten Galerien und der spektakulären Lage: Der Xindian-Fluss wurde in den letzten Jahren extensiv renaturiert und für die Stadtbewohner zugänglich gemacht. Nun kann man seinem Verlauf kilometerweit folgen und bekommt einen ganz besonderen Blick auf die Stadt.

10. Chiang Kai-shek Memorial Hall

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 Sieht aus wie eine Zuckerdose: Die Chiang Kai-shek Gedächtnishalle. Foto: Rike Pätzold

An der Chiang Kai-shek Memorial Hall kommt man nicht vorbei: Die Taiwaner selbst nennen sie gerne „die Zuckerdose“ – warum, ist unschwer zu erkennen.

Als Vater der taiwanischen Republik Chinas ist Chiangs Rolle vergleichbar mit der Maos fürs Festland – mit dem Unterschied, dass die Taiwaner mit seinem Vermächtnis offener und kritischer umgehen können und das auch tun. Die Kritik reichte sogar soweit, dass die Gedächtnishalle 2007 unter dem vorigen Präsidenten in „Demokratie-Halle“ unbenannt wurde. Das ging der aktuell regierenden Kuomintang dann doch zu weit, weshalb sie die Umbenennung nur ein Jahr später wieder rückgängig machte.

Eine der Hauptattraktionen für die meisten Touristen ist sicherlich die Wachablösung der Soldaten. Aber es gibt noch einiges mehr zu sehen:Im Untergeschoss der Gedächtnishalle befindet sich ein kleines Museum, in dem Leben und Wirken Chiangs dokumentiert und Gegenstände aus der taiwanischen Geschichte ausgestellt werden. Naturgemäß werden bestimmte Ereignisse und Episoden einseitig bewertet – das sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man die Ausstellung besucht. Ein weiterer, guter Grund hierher zu kommen, ist die Parkanlage, die die Halle umgibt: Wie auch in Festlandchina sind es, neben den Nachtmärkten, die Parks, wo das Leben stattfindet. Hierher kommen die jungen Taiwaner, um Tanzchoreographien zu lautem Hiphop einzustudieren. Die nicht mehr ganz so jungen Taiwaner besuchen die Parks, um Tai-Chi zu praktizieren, chinesisches Schach zu spielen oder „rückwärts zu laufen“.

Übrigens: Die Chiang Kai-shek Gedächtnishalle ist nur einen Katzensprung von der Yongkang Street entfernt, wo man sich im Anschluss den Bauch mit Leckereien vollschlagen kann.

Und zum Schluss hier noch ein Tipp für eine schön gemachte und absolut sehenswerte Einführung in die Stadt Taipeh:

 

Text: Rike Pätzold, Titelbild: Foto: Allan Sog (Flickr)