Sensation in Tokyo: Deutscher Film über John Rabe läuft endlich auch in Japan

Der Deutsche John Rabe gilt in China als Held, in Japan als rotes Tuch. Doch das könnte sich bald ändern, denn endlich wird Florian Gallenbergs Film über den guten Mensch von Nanjing auch in Japan gezeigt.

John-Rabe-Japan

Ulrich Tukur und Daniel Brühl im Film John Rabe / Foto: Tomoko Kikuchi (Majestic)

Das Massaker von Nanjing gilt als schwerstes Kriegsverbrechen, das japanische Soldaten auf chinesischem Boden während des Zweiten Weltkriegs verübten. Nachdem sie im Dezember 1937 Nanjing besetzt hatten, mordeten die japanischen Soldaten geschätzte 200.000 Chinesen – teilweise auf bestialische Art und Weise, tausende Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt.

Das Massaker hat sich ins kollektive Gedächtnis Chinas eingebrannt und belastet die Beziehungen zu Japan noch heute, nicht zuletzt, weil Japan sich weigert, sich mit seiner blutigen Geschichte auseinanderzusetzen. Eine Aufarbeitung der Gräueltaten während des Zweiten Weltkriegs und in den Jahrzehnten zuvor hat – anders als etwa in Deutschland – in Japan nie stattgefunden.

Auch in Deutschland wissen nur die wenigsten, was sich in den Wochen um den Jahreswechsel 1937/1938 in Nanjing ereignet hat – obwohl es ein Deutscher war, der inmitten des Gemetzels verzweifelt versuchte, das Leben unschuldiger Menschen zu retten. John Rabe, Repräsentant von Siemens in Nanjing, nahm hunderte Chinesen unter Schutz und rettete sie vor den wütenden japanischen Soldaten. Erst ein Bio-Pic von Florian Gallenberger brachte John Rabe 2009 einem breiteren Publikum näher. In Japan lief der Film nicht. Kinobetreiber weigerten sich, John Rabe zu zeigen, ein Festival-Screening musste abgesagt werden, weil die Kopie angeblich „verschwand“.

Dem japanischen Professor  Kazuhara Arakawa gelang es jetzt, zusammen mit einer Gruppe von Aktivisten, den Film in einem tokyoter Kino zu zeigen. John Rabe lief vor ausverkauftem Haus, Vorführungen in weiteren Städten sollen folgen. Regisseur Gallenberger zeigte sich begeistert: „Für mich war immer klar, dass John Rabe erst dann wirklich abgeschlossen ist, wenn auch ein japanisches Publikum die Möglichkeit hat, den Film zu sehen – und zwar in einer ungeschnittenen Fassung. Dass es Prof. Arakawa nun gelungen ist, dies möglich zu machen, ist nicht hoch genug zu bewerten! Und wenn man sich vorstellt, dass 20 Sicherheitskräfte den Vorführort gegen mögliche Angriffe schützen mussten, sieht man, dass Filme echte gesellschaftliche Sprengkraft haben können.“

 

Text: Sven Hauberg