Seidenstraße und Kaiserkanal sind Weltkulturerbe

Die UNESCO hat auf ihrer 38. Sitzung des Weltkulturerbe-Komitees in Doha die Seidenstraße und den Kaiserkanal zum Weltkulturerbe erhoben.

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Die Seidenstraße heute / Foto: Maria Ly bei (Flickr)

Wer heute die Orte besucht, die einst Teil der historischen Seidenstraße waren, spürt nicht mehr viel vom Zauber, den dieser magische Name verspricht. Hin und wieder aber, mit ein wenig Fantasie, mag man sich ausmalen, wie es damals zugegangen ist, auf der vielleicht berühmtesten Handelsroute der Welt. Wenn man sich die Touristen wegdenkt, die heute auf Kamelen durch die Oasenstadt Dunhuang reiten und sich stattdessen persische Händler auf den Rücken der Wüstenschiffe vorstellt, oder wenn man sich die chinesischen Lastwagenkolonnen, die die Grenze nach Kasachstan überqueren, als antike Handelskolonne denkt, dann ist er für einen Moment wieder da, der Zauber der Seidenstraße.

Damals wie heute – ein grenzübergreifendes Projekt

Jetzt ist die Seidenstraße, zusammen mit dem Kaiserkanal, der die Städte Peking und Hangzhou verbindet, Teil des Weltkulturerbes, so beschlossen gestern von der UNESCO. Für die Bewerbung hatte sich China mit Kasachstan und Kirgistan zusammengeschlossen, um das grenzübergreifende Projekt voranzubringen.

„Damit haben wir in Sachen Weltkulturdenkmäler ein neues Kapitel aufgeschlagen“, so Tong Mingkang, Vizedirektor der staatlichen Verwaltung für Kulturdenkmäler und Leiter der chinesischen Delegation in Doha. „Bisher waren es eher einzelne Orte, die auf die UNESCO-Liste gekommen sind, und nicht eine ganze Reihe von miteinander verbundenen Orten.“

Eine neue Seidenstraße

Der Zeitpunkt der Bewerbung kommt nicht ganz zufällig. Schon länger versucht China, die alte Seidenstraße zu reaktivieren. Entstehen soll ein Handelsnetz, das den Westen Chinas mit den Absatzmärkten in Zentralasien und Europa verbindet – direkt, ohne den Umweg über die Hafenstädte des Ostens. Neue Straßen sollen entstehen, Eisenbahnlinien gebaut und Pipelines verlegt werden, ein gigantisches Infrastrukturprojekt. China will so seine Abhängigkeit vom Seehandel reduzieren, den Westen des Landes stärken – und Problemgebiete wie Xinjiang noch stärker unter Kontrolle bringen.

Schon in den 1990er Jahren hatte die UNESCO China und andere Anrainerstaaten aufgefordert, sich gemeinsam für das Weltkulturerbeprojekt Seidenstraße zu engagieren – doch erst seit 2006 kam es zu einer verstärkten Zusammenarbeit mit Kirgistan und Kasachstan. Dies lag vor allem daran, dass die Länder der Seidenstraße sich nicht drauf einigen konnten, welche Teile des weitverzweigten Netzwerks in die Bewerbung einfließen sollten. Der jetzt zum Weltkulturerbe erklärte 5.000 Kilometer lange Abschnitt reicht von den alten chinesischen Kaiserstädten Luoyang und Chang‘an bis in die zentralasiatische Region Zhetsyu. Das auch Siebenstromland genannte Gebiet gehört heute zu Kasachstan, Kirgistan und zur chinesischen Provinz Xinjiang.

Herausforderungen der Bewerbung

„Für jeden dieser historischen Orte wurde ein detaillierter Plan zum Schutz und zur Verbesserung der sie umgebenden Gebiete gemacht, weswegen diese Bewerbung um den Weltkulturerbe-Status deutlich komplexer war, als vorangegangene“, so Tong Mingkang. „Aber der Erfolg hat uns auch wichtige Erfahrungen in der grenzüberschreitenden Kooperation auf diesem Gebiet beschert.“

Gut möglich also, dass die Zusammenarbeit entlang der alten Seidenstraße der Beginn einer neuen chinesisch-zentralasiatischen Kooperation wird.

 

Text: Sven Hauberg