Qipao: Das kleine Schwarze der Chinesinnen

Das Qipao ist nicht nur für westliche Fashionistas der Inbegriff chinesischer Eleganz. Doch wie ist das Kleid eigentlich entstanden und welche Bedeutung hat das Qipao für moderne Chinesinnen heute?

To-Whom-It-May-Concern

Schauspielerin im Cheongsam auf dem Filmposter zu „To Whom It May Concern“ (2010) / Foto: Redwind Productions: Brian Jamieson (Wikimedia Commons)

Seinen Ursprung hat das Qipao im Norden Chinas, in der Qing-Dynastie des 17. Jahrhunderts. Anfangs waren die röhrenförmigen Kleider knöchellang, weit geschnitten, üblicherweise aus Seide, und mit vielen Verzierungen versehen.

Das Tragen von Qipao-Gewändern war in dieser Zeit hauptsächlich den Damen der höheren Gesellschaft vorbehalten. Wörtlich übersetzt bedeutet Qipao Banner-Kleid, was sich auf die sogenannten acht Banner bezieht. Diese auf Stammeszugehörigkeit basierenden Verwaltungseinheiten konnte man anhand ihrer verschiedenfarbigen Banner-Kleidung unterscheiden.

Das kantonesische Wort Cheongsam meint indes das gleiche Kleidungsstück wie die hochchinesische Bezeichnung Qipao. Denn auch im Süden Chinas erfreuten sich die Kleider im Lauf der Zeit immer größerer Beliebtheit. Ein traditionelles Qipao erkennt man an seinem hohen geschlossenen Kragen, dem Schulterverschluss mit Knöpfen oder Schlaufen, und an der Länge bis zu den Knöcheln – mit Gehschlitzen links und rechts an den Seiten.

Beijing Style versus Shanghai Style

Im China der 1940er bis 1960er Jahre hatte das Qipao seinen modischen Höhepunkt. Ob auf der Arbeit, bei offiziellen Anlässen, oder zuhause – fast alle Frauen trugen damals diese typischen Kleider.

Kaiser Pu Yi

Pu Yi, letzter Kaiser von China, mit seiner Gemahlin Wan Rong

Die von uns im Westen als klassisch empfundene Form des Qipao entwickelte sich während der 1930er Jahre in Shanghai. Nach dem Ende des 2.000-jährigen Feudalsystems fand in China eine Öffnung gegenüber kulturellen Einflüssen aus dem Ausland statt. Besonders im Schmelztiegel Shanghai war der immer stärker in Richtung westlicher Mode gehende Trend offensichtlich: Die Schnitte wurden körperbetonter, die Säume kürzer. Getragen wurden diese modernen Qipao-Looks im Shanghai Style vor allem von selbstbewussten wohlhabenden Frauen.

Parallel dazu bildete sich der wesentlich konservativer wirkende Beijing Style heraus. Hier behielt das Qipao seinen weiten A-Linien-Schnitt mit waden- oder knöchellangem Saum und langen weiten Ärmeln. Diese von der Mehrheit der Chinesinnen getragene mantelartige Form hatte den Vorteil, dass sie auch gefüttert oder wattiert werden konnte.

Qipaos heute: für jeden Geschmack etwas dabei

Auch wenn die Popularität des Qipao mittlerweile nicht mehr an frühere Zeiten anknüpfen kann, gilt es nach wie vor als Symbol für vollendete feminine Eleganz. Wenn chinesische Bräute an ihrem Hochzeitstag etwa viermal das Outfit wechseln, ist meist auch ein Qipao dabei. Auf wichtigen gesellschaftlichen Veranstaltungen ist frau in dem traditionellen Kleidungsstück immer passend gekleidet. Aus einflussreichen Kreisen stammt sogar der Vorschlag, das Qipao zum Nationalkleid für Chinas Frauen zu machen.

Qipao

Modernes Qipao / Foto: Jay Aremac (Flickr)

Was das Design angeht, ist inzwischen vieles möglich: U-Ausschnitt, V-Ausschnitt, oder quadratischer Ausschnitt anstelle des hohen Kragens, von Rüschenärmeln über Schleppe, bis hin zu rückenfrei – der Kreativität sind so gut wie keine Grenzen gesetzt. Auch westliche Modedesigner lassen sich immer wieder durch die klassische Form und die raffinierten Details zu innovativen Haute-Couture-Kreationen inspirieren.

 

Text: Rosi Bach