Mythen und Mondkuchen – Traditionen zum Mittherbstfest

Dieses Wochenende wird in China das Mittherbstfest gefeiert. Zeit, gemeinsam Mondkuchen zu essen, sich gegenseitig Mythen zu erzählen und stundenlang auf den Mond zu starren.

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Zum Mondfest wird Mondkuchen gegessen. Foto: Kristen Taylor (Flickr)

Das Mittherbstfest damals und heute

Das Mittherbstfest (chin. 中秋节, zhong qiu jie) — auch Mondfest genannt — wird jährlich am 15. Tag des 8. Mondmonats gefeiert. Der Grund: An diesem Tag soll die Mondlaufbahn ihren tiefsten Punkt erreichen. Dadurch erscheint der Vollmond heller und leuchtender als an allen anderen Tagen des Jahres.

Schon seit der Shang-Dynastie (1600-1046 v. Chr.) wird das Fest gefeiert. Damals beteten die Kaiser zum Mond, damit dieser ihnen eine reichhaltige Ernte beschert. Heute ist das Mondfest eins der wichtigsten Familienfeste Chinas, an dem die Familie sich trifft, gemeinsam Mondkuchen isst und sich den Mond anschaut.

Die Legende um Chang E – Chinas „Frau im Mond“

Wie hinter fast jedem chinesischer Feiertag, stecken auch hinter dem Mondfest zahlreiche Mythen und Legenden. Die wohl berühmteste Geschichte dreht sich um den legendären Bogenschützen Hou Yi und seine schöne Frau Chang E:

Weil Hou Yi die Welt von einer schlimmen Hitzewelle befreite, indem er neun von zehn Sonnen vom Himmel schoss, schenkte ihm eine Göttin zum Dank ein Unsterblichkeitselixier. Doch Hou Yi hatte nicht vor, das Elixier zu trinken, würde dies doch bedeuten, dass er auf ewig von seiner geliebten Frau Chang E getrennt sei. Stattdessen gab er es Chang E zur Aufbewahrung.

Einige Tage später erschien Hous Erzfeind Peng Meng Chang E und befahl ihr, ihm das Elixier zu geben. Weil sie keinen anderen Ausweg wusste, schluckte Chang E kurzerhand das Elixier selbst. In dem Moment, wo die Flüssigkeit ihre Lippen berührte, flog sie aus dem Fenster und hoch in den Himmel, wo sie als unsterbliche Göttin für immer auf dem Mond verbannt wurde. Hou Yi war traurig über seinen Verlust und schrie aus Verzweiflung immer wieder Chang E’s Namen in den Himmel – mit der Konsequenz, dass schließlich im Mond eine Figur erschien, die Chang E sehr ähnlich war.

Noch heute kann man Chang E’s Abbild – Chinas weibliches Äquivalent zum “Mann im Mond” – auf dem Mond betrachten.

Mondkuchen-Rezept zum Mittherbstfest

Chang E spielt auch heute noch eine große Rolle in der chinesischen Kultur. Zum Gedenken werden ihr zum Mondfest zahlreiche Gaben geopfert – besonders gerne runde Speisen, erinnern diese doch an die Form des Mondes. Natürlich werden diese aber auch gerne selbst verspeist – darunter vor allem der traditionelle Mondkuchen.

Die kleinen Mondkuchen gibt es in vielen Farben und Geschmäckern. Mal werden sie süß befüllt mit roten Bohnen oder Pudding, mal werden sie salzig mit Ei oder Fleisch gegessen. Besonders gerne werden die Kuchen in edlen Geschenkpackungen an Verwandte und Freunde verschenkt. Eigene Mondkuchen zu backen erfordert allerdings etwas Übung. Damit das Mondfest auch gelingt, hier ein recht einfaches Rezept zum Nachbacken:

 

ZUTATEN (für etwa 15-20 Mondkuchen)

Für den Teig

  • 480 g Mehl
  • 90 g Milchpulver
  • 1 EL Backpulver
  • 1 TL Salz
  • 3 große Eier
  • 280 g Zucker
  • 90 g geschmolzene Butter
  • 1,5 TL Vanille-Essenz

 

Für die Füllung

  • Lotuspaste oder Rote Bohnen-Paste

 

Für die Glasur

  •  ein geschlagenes Ei
  • 2 EL Wasser

 

ZUBEREITUNG

Für den Teig Mehl, Milchpulver und Salz in einer Schüssel verrühren. In einer weiteren Schüssel die Eier und den Zucker mit einem Mixer für fünf Minuten schaumig schlagen. Die geschmolzene Butter und die Vanille-Essenz hinzufügen. Dann die Zutaten aus beiden Schüsseln miteinander verrühren und zu einem Teig verarbeiten.

Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche so lange kneten, bis er eine geschmeidige Konsistenz bekommen hat. Aus dem Teig eine längliche Rolle formen und in 15-20 gleich große Stücke schneiden. Aus jedem Stück Teigklumpen etwa 8 cm große Kreise formen. Der Rand sollte dabei dünner als die Kreismitte sein. Dann die Füllung in die Mitte der Kreise legen und den Teigrand so in die Mitte drücken, dass die Füllung gut umschlossen wird. In eine Kugel rollen und platt drücken.

Zur Verzierung den Teig in eine Mondform pressen. Alternativ mit einer Gabel eine Verzierung in den Teig „malen“. Jeden Mondkuchen mit der Glasur aus Ei und Wasser bepinseln und bei 180 Grad für etwa 30 Minuten backen. Fertig! 慢慢吃! Guten Appetit!

 

Text: Lisa Niklas