LinkedIn wird nicht an der chinesischen Zensur scheitern

Das Online-Karrierenetzwerk LinkedIn launchte am Montag seine chinesische Sprachversion. Als eines der wenigen westlichen Social Networks brauchen sich die US-Amerikaner keine Sorgen um Zensurprobleme zu machen. Es gilt die chinesische Maxime: Wirtschaft schlägt Ideologie.

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Wer als Chinese international Geschäfte macht, weiß in der Regel, wie der Hase läuft. Man weiß, wie Propaganda und Zensur funktionieren, weiß um die Nachteile des politischen Systems in China, aber auch um dessen lukrative Vorteile, und kennt mit Sicherheit auch die Sicht des Westens auf die Dinge. Und weil solche Menschen ab und an auch englischsprachige Zeitungen in Hotels oder News-Seiten über ihren VPN-Client lesen, werden sie durch den Zugang zu einem sozialen Netzwerk keine Konterrevolution beginnen.

Deswegen hatte LinkedIn in China bislang nichts zu fürchten. In seiner englischsprachigen Version musste sich das größte Online-Karrierenetzwerk der Welt trotz vier Millionen chinesischer Mitglieder keine Sorgen darüber machen, zensiert zu werden. Und daran wird sich in Zukunft mit der chinesischen Version nichts ändern, auch wenn andere internationale Internetunternehmen wie Google bereits in China scheiterten. Zwar kündigte CEO Jeff Weiner an, dass LinkedIn Teile des von Nutzern geposteten Contents zensieren werden müsse. Doch stellt sich die Frage, was überhaupt zensiert werden muss.

Da es grundsätzlich schwierig ist, im chinesischen Internet kritische Inhalte zu finden, werden vor allem geteilte Inhalte internationaler Medien der Zensur unterliegen. Allerdings ist LinkedIn kein klassisches Medium für politische Statements – weder außerhalb Chinas noch in der Volksrepublik selbst, wo sich Geschäfte bekanntermaßen dann am besten machen lassen, wenn man sich dem politischen System beugt anstatt es zu bekämpfen.

LinkedIn trifft in China auf harte Konkurrenz. Das chinesische Pendant Tianji kann bereits 15 Millionen Nutzer verzeichnen. Tianji gehört zu Viadeo, einem französischen Konkurrenten von LinkedIn, ganz ähnlich wie Xing in Deutschland. LinkedIn musste also reagieren, um den chinesischen Markt nicht an die Konkurrenz zu verlieren.

Text: Adrian Kummer