Liebe zur Kuckucksuhr vereint Schwarzwald und China

Die schon als antiquiert angesehenen Kuckucksuhren erleben einen neuen Verkaufsboom und sind heute zu begehrten Kultobjekten avanciert. Zumindest haben chinesische Touristen oft eine Kuckucksuhr im Gepäck, wenn sie von ihrer Europatour oder aus Deutschland in ihr Heimatland zurückkehren. Doch was macht eine Original Kuckucksuhr aus und wo hat sie ihren Ursprung?

Kuckucksuhr-Triberg-China

Alles Handarbeit: Kuckucksuhr-Manufaktur in Triberg / Foto: Jaime González (Flickr)

Entstehungsgeschichte der Kuckucksuhr

Bei der weltberühmten Kuckucksuhr handelt es sich um eine Pendeluhr aus der traditionsreichen Schwarzwälder Uhrenproduktion. Die ersten Schwarzwälder Uhren wurden wahrscheinlich ab den 1640er Jahren hergestellt, aber manche Forscher datieren den Produktionsbeginn erst auf das frühe 18. Jahrhundert. Die Kuckucksuhr ging dabei aus einer früheren Uhrenform hervor, die anfangs weitgehend aus Holz gefertigt war; später wurden zunehmend Metall- bzw. Messingbestandteile in das mechanische Uhrwerk aufgenommen.

Die wahrscheinlich in der Schwarzwälder Gemeinde Schönwald bei Triberg hergestellten ersten Kuckucksuhren stammen aus den 40er Jahren des 18. Jahrhunderts. Doch erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts erhielten die Kuckucksuhren ihr typisches Aussehen, nachdem der Bauherr Friedrich Eisenlohr einen Wettbewerb der Badischen Uhrmacherschule für ein aktuelles Uhrendesign gewann. Als Architekt der Badischen Staatseisenbahn hatte er die Miniaturfassade eines Bahnwärterhäuschens mit Schrägdach nachgebaut und mit einem Ziffernblatt versehen. Aus diesem mit Holzornamenten verzierten Häuschen springt zur vollen – manchmal zusätzlich auch zur halben – Stunde der kleine, früher meist holzgeschnitzte Kuckuck heraus und gibt mit seinem typischen 2-Ton-Kuckucksruf die Uhrzeit an.

Charme und Charakteristika der Original Schwarzwälder Kuckucksuhr

Eine Original Schwarzwälder Kuckucksuhr unterliegt strengen Bestimmungen bezüglich ihrer Herstellungsqualität und Funktionsweise. Sie ist mit einem Echtheitszertifikat des Vereins “Die Schwarzwalduhr” (VDS) versehen, das eine exklusive Herstellung im Schwarzwald garantiert.
Faszinierend ist die wunderbar komplexe Mechanik: Durch Koppelung eines Stufenwerks mit dem Stundenzeiger fällt ein Auslösehebel je nach Stundenanzahl unterschiedlich tief und gibt damit den Impuls für einen ineinandergreifenden Prozess, der schließlich die Blasebälge der Orgelpfeifen in Gang setzt. Das Schlagwerk ist verbunden mit einem Uhrwerk-Kettenzug (Pendeln) sowie den Orgelpfeifen, die die Töne erzeugen und einem Hebelmechanismus der Schwenkvorrichtung für den Kuckuck. Wöchentlich oder bei manchen Modelle auch alle 24 Stunden muss die Kuckucksuhr durch Hochziehen der Pendel aufgezogen werden.

Was die Kuckucksuhr unwiderstehlich macht, ist das Zusammenspiel ausgeklügelter Mechanik mit der zutiefst romantischen Verkleidung. Dabei meistert sie eine gelungene Gratwanderung zwischen kurios-kitschig und irgendwie wundervoll. Sie stellt für viele Deutsche ebenso wie für ausländische Touristen ein Urbild deutschen Heimatgefühls und typisches Charakteristikum deutscher Gemütlichkeit dar. Der in vielen alten Liedern besungene, versteckt in den Wäldern lebende Kuckuck wird hier plötzlich – kurz – sichtbar. Das reich verzierte Holzhäuschen aus waldreichem Gebiet mit dem Türchen, hinter dem sich etwas verbirgt, lässt märchenhafte Assoziationen aufleben.

Vom Kitsch zum Kult

Es verwundert daher nicht, dass die Kuckucksuhr gerade ausländische Touristen und dabei vor allem chinesische Besucher in ihren Bann zieht. Trotz der umfangreichen Kuckucksuhrproduktion preisgünstiger Nachahmungen in China erstehen chinesische Touristen vorzugsweise eine Original Kuckucksuhr in Deutschland als Mitbringsel für Angehörige in der Heimat. Und das, obwohl – oder vielleicht weil – den chinesischen Worten eine hintergründige Doppelbedeutung zukommt: Denn “eine Uhr schenken” heißt auch “die Lebenszeit läuft ab”.

 

Entdecker-Infos

Im Internet: | www.deutscheuhrenstrasse.de, www.deutsches-uhrenmuseum.de, www.schwarzwaldpalast.de

Buchtipp: | Ralph – Raymond Braun: Südschwarzwald, Michael Müller Verlag, 16,90 Euro