Kulturt(r)ip: Chinesische Künstler in Italien

Einige der besten Künstler Chinas stellen ihre Werke auch dieses Jahr bei der Biennale in Venedig aus. Doch wenn ihr schon in die Lagune fahrt, solltet ihr auch gleich in Treviso vorbeischauen. 

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MiBe Progetto, 2015 / Foto: Courtesy of the artists

Eine leer stehende Villa in Treviso, gleich ums Eck von Venedig sozusagen – was liegt da näher als während der Biennale ein Kunstprojekt zu verwirklichen? Ausgangspunkt für die aktuelle internationale Gruppenausstellung SPAZIO LIBERO in Treviso war der im Januar 2015 in Berlin gezeigte Dokumentarfilm inklusive Fotoserie, in der Guido Larcher die Nutzgärten des Giardino degli Aromi in Mailand den Gemeinschaftsgärten in Berlin gegenüberstellt.

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MiBe Progetto, Das Projekt Bürgergarten Moabit, 2013-14 / Foto: Courtesy of the artists

Die mehr als 20 in Treviso präsenten Künstler thematisieren in ihren Arbeiten ebenfalls die Bedeutung ökologischer Flächen bzw. Freiräume im urbanen Raum. Mit dabei auch Shi Jiongwen, Wan Xia sowie Wang Ai. Sie finden hier eine jener langsam häufiger werdenden Gelegenheiten vor, als Künstler aus China selbstverständlicher Teil einer internationalen Ausstellung zu sein, ohne dass so verhasste Etikett Made in China übergestülpt zu bekommen.

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Shi Jiongwen, 2012.6.26, 2012, C-print / Foto: Courtesy of the artist

Shi Jiongwen ist bekannt für ihr fotografisches Werk, das wie ein Tagebuch ihren Alltag und die unmittelbare Umgebung ihrer Wohnung in Beijing dokumentiert. 2012.6.26 zeigt einen noch brach liegenden benachbarten Baugrund, der den Anwohnern nach einem heftigen Regen als Gemüsefeld, Badewanne, Parkplatz oder Spielwiese diente. Diese Art der schnellen, unprätentiösen, oft zufällig wirkenden Fotografie des alltäglichen Lebens in der Stadt ist eine im Westen oft wenig bekannte, aber sehr typische Spielart der zeitgenössischen Kunst in China.

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Wan Xia, o. T. (Almsee), 2013, C-print / Foto: Courtesy of the artist

Wan Xia betrachtet Landschaft in der Tradition chinesischer Philosophie bzw. Kunst, in der Landschaft eine gänzlich andere Bedeutung als im europäischen Kontext hat. Während westliche Maler bis hin zu den französischen Impressionisten eine möglichst genaue und detailreiche Nachbildung der Natur erzielen wollten, kennt die traditionelle chinesische Landschaftsdarstellung einen gänzlich anderen Zugang. Natur wird dabei nicht als Objekt gesehen, das man ab- oder nachbildet. Wesentlich ist es vielmehr, diese ihrem inneren Wesen nach darzustellen, sozusagen ihre Seele sichtbar zu machen.

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Wang Ai, V. N°3, 2013, Mischtechnik auf Papier / Foto: Courtesy of the artist

Wang Ai wurde ursprünglich als Dichter bekannt. Erst später fand er zur Malerei. Folgerichtig integriert er immer wieder auch buddhistische Texte oder Schriftzeichen in seine Bilder. Seine kleinteiligen, grafisch beeinflussten, farblich meist wenig differenzierten Arbeiten wirken von der Weite betrachtet oftmals abstrakt. Eines seiner Grundthemen ist das Aufeinandertreffen von moderner Welt und Tradition, was er beispielsweise durch Flugzeuge oder Hubschrauber oder durch chinesische Berg- und Landschaftsformen symbolisiert.

Nachdem in der Ausstellung zahlreiche Künstler auch aus Deutschland vertreten sind, sei hier absoluter Kürze auf diese verwiesen: Frederik Foert, Hubertus Hamm, Felix Rehfeld, Martin Spengler sowie Nicola Hanke.

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Felix Rehfeld, o. T., 2011, Öl auf Leinwand / Foto: Courtesy of the artist.

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Frederik Foert, Cerberi (Mickey and his Gang 1-2), 2012-2015. Installationsansicht Treviso M8 2015 / Foto: Courtesy of the artist

Die Ausstellung SPAZIO LIBERO kann bis 29. Juni 2015 gegen Voranmeldung besucht werden. Die künstlerischen Arbeiten in Form von Malerei, Zeichnung, Fotografie, Film, Objekt und Installation sind in den 3 Stockwerken des Hauses M8 sowie im dazu gehörenden Garten ausgestellt.

Adresse: M8 TREVISO, Via Mengaldo 8, I-31100 Treviso

Anmeldungen: alexandragrimmer@gmx.at (Kuratorin) oder Guido Larcher +39 320 8108025 (hier spricht man auch deutsch).

Und wer nicht genug bekommen kann …

In 35 Minuten ist man von Treviso in Venezia, wo mit 9. Mai die 56. Biennale mit dem Titel All the World´s Futures eröffnet wurde. China ist heuer – unter dem eigenen Motto Other Future – voraussichtlich mit aus westlicher Sicht weniger hochkarätigen Künstlern als im Jahr 2013 vertreten: Liu Jiakun, Lu Yang, Tan Dun, Wen Hui/Living Dance Studio, Wu Wenguang/Caochangdi Work Station

Arbeiten von Cao Fei, JI Dachun, Qiu Zhijie bzw. Xu Bing sind dagegen im Rahmen von sogenannten Kollateral-Events zu sehen.

Die Biennale läuft bis 22. November 2015.

 

Text: Alice Schmatzberger