Kommentar: Warum sollten die Chinesen auf Hundefleisch verzichten?

Immer wieder empört man sich im Westen über den Hundefleischkonsum der Chinesen. Doch ist die Kritik überhaupt berechtigt? Und warum sollte man Schweine schlachten dürfen, Hunde aber nicht?

Hundefleisch-China

Heute weniger verbreitet denn je in China: Metzger mit Hundefleisch vor 15 Jahren in Guangdong / Foto: Whoisgalt (Wikimedia Commons)

Neulich bin ich mal wieder über eine Hundefleisch-Meldung aus China gestolpert. Für das traditionelle Yulin Festival in der Provinz Guanxi werden lokale Metzger auch dieses Jahr wieder rund 10.000 Hunde schlachten. Doch während man sich in China vor allem um die mangelnde Qualität des Fleisches, dessen dubiose Herkunft und den damit verbundenen gesundheitlichen Risiken sorgt, empört man sich im Westen wie gewohnt reflexartig darüber, dass in Asien überhaupt Hundefleisch verzehrt wird.

Als jemand, der sich offenkundig viel mit China beschäftigt, werde ich immer wieder darauf angesprochen: Ob es stimmt, dass die Chinesen Hunde essen? Ob ich das nicht grausam finde? Ob ich es vielleicht selbst sogar schon probiert habe?

Meistens betone ich dann, dass der Verzehr von Hundefleisch in den letzten Jahren in China stark zurück ging und in der Volksrepublik heute sogar zum Teil verpönt ist. Und ich erwähne, dass ein baldiges Verbot im Raum steht. Das sorgt stets für Beruhigung. Aber es klingt auch nach einer Entschuldigung. Nur für was eigentlich? Warum müssen sich die Chinesen rechtfertigen, dass sie Hundefleisch mögen?

Der beste Freund des Westlers

Im Westen werden Hundefleischliebhaber deswegen verachtet, weil die Vierbeiner bei uns seit langem als Haustiere gelten. Gleiches gilt für Katzen oder Meerschweinchen, die ebenfalls in anderen Ländern auf dem Teller landen. Ob ich das grausam finde? Sicherlich. Deswegen habe ich das Fleisch dieser Tiere auch noch nie probiert.

Aber ich finde es nicht minder grausam, Tiere wie Schweine oder Rinder zu schlachten und dazu vielleicht noch unter unwürdigen Umständen zu mästen. Deswegen habe ich persönlich das letzte Stück Fleisch vor sieben Jahren angerührt. Ich finde Fleisch ekelhaft, egal von welchem Tier es kommt. Doch was man isst und was nicht, sollte jeder für sich entscheiden dürfen – so auch die Chinesen. Nicht zuletzt entscheiden die kulturelle Prägung und die schlichte Gewohnheit darüber, was man ekelhaft, abnormal oder auch lecker findet.

Zwischen Doppelmoral und westlicher Überheblichkeit

Dass Schweine durchaus liebevolle und einfühlsame Tiere sein können, dazu noch wesentlich intelligenter als Hunde, scheinen manche im Westen getrost auszublenden, wenn sie Chinesen für den Verzehr von Hunden verurteilen. Die Empörung über das Thema ist für mich deswegen eines der bigottesten Zeichen westlicher Überheblichkeit gegenüber der chinesischen Kultur.

Was man hingegen scharf kritisieren darf und sollte: wie die chinesischen Züchter zum Teil mit den Tieren umgehen. Skrupellose Fleischer strangulieren die Tiere kaltblütig, prügeln sie unter starken Schmerzen zu Tode oder lassen sie grausam verbluten, anstatt ihr Leid zu minimieren. Doch das ist nicht nur ein Problem der Hundemast in China, sondern betrifft die gesamte Fleischproduktion und auch den allgemeinen Umgang mit allen Tieren in China – und das in einem erschreckend großen Ausmaß.

 

Text: Adrian Kummer