Ab 24.7. im Kino: Feuerwerk am helllichten Tage

Auf der letzten Berlinale wurde „Feuerwerk am helllichten Tage“ zum besten Film gewählt. Nun kommt der Film in die deutschen Kinos. Wir zeigen euch, warum ihr ihn sehen solltet.

„Der Berlinale-Bär ist dieses Jahr ein Pandabär“, titelte die BILD Mitte Februar, als der chinesische Wettbewerbsbeitrag Black Coal, Thin Ice (Bai Ri Yan Huo) den Goldenen Bären für den besten Film gewann. Am 24.7.  läuft der Film unter seinem deutschen Namen Feuerwerk am helllichten Tage endlich auch in den deutschen Kinos an – und das sogar in deutscher Sprache!

Ein chinesischer Film noir

Liao-Fan

Hauptdarsteller Liao Fan erhielt für seine Rolle den Silbernen Bären / Foto: Weltkino

„Ich war schon immer fasziniert von den Launen der menschlichen Natur, die im Film noir hervorgehoben werden“, sagt Regisseur Diao Yinan. Entsprechend düster fällt auch das Schicksal von Kommissar Zhang Zili (Liao Fan) aus. Nachdem 1999 mehrere Leichenteile in verschiedenen Kohleminen gefunden werden, wird der frisch geschiedene Zhang bei den Ermittlungen angeschossen. Sein Leben gerät aus den Fugen. Er gibt seine Stelle bei der Polizei auf, beginnt einen Job als Sicherheitsfachkraft und verfällt dem Alkohol.

Doch Jahre später wird er wieder mit dem Fall konfrontiert, denn die Kohlenleiche weist plötzlich Verbindungen zu einer Serie von obskuren Schlittschuhmorden auf. Zhang beschließt deshalb, auf eigene Faust zu ermitteln – und verstrickt sich in einer Geschichte aus Gewalt, Liebe und Misstrauen.

Authentisches China

Das Einzigartige an Feuerwerk am helllichten Tage ist eigentlich nicht die düstere Story. Chinainteressierte werden vor allem die authentische Darstellung des Lebens in einer typisch chinesischen Kleinstadt genießen. Dicke Handschuhe an Mopedlenkern, Männer mit Socken in Sandalen und beim Essen laut schmatzende Chinesen entführen einen sofort in das Reich der Mitte. Der Film bietet eine Abwechslung zum chinesischen Mainstream-Kino, das üblicherweise in Shanghai oder Peking spielt – oder auf Schlachtfeldern bei den beliebten Historienfilmen.

Besonders ist außerdem die Unverblümtheit, mit der Regisseur Diao Yinan die Arbeit der Ermittler beleuchtet. Bei Verhören und Festnahmen wird durchaus zugelangt und unter Kollegen empfiehlt man sich schon gern mal einen Massagebesuch zur „Entspannung“.

„Ich wollte einen Krimi machen, der das Leben im heutigen China zeigt“, sagt Diao. „Mein Ziel war es nicht nur, ein Geheimnis zu lüften und die Wahrheit über die Beteiligten herauszufinden, sondern auch, auf unsere neue Lebenswirklichkeit zu verweisen.“

Behörden winken den Film durch

Doch zum Erstaunen vieler verursachte die „Lebenswirklichkeit“ des Films kaum Bedenken bei den chinesischen Zensoren. Dass die Polizei negativ dargestellt wird, war bislang ein No-Go – zumindest ohne Läuterung gegen Ende der Geschichte. Dazu die Korruption um Chinas Kohleminen und Anspielungen auf die negativen Seiten des Wirtschaftswachstums. Dennoch erschien der Film nur mit kleinen Änderungen in der Volksrepublik.

Der Austausch mit den Behörden sei „höflich“ gewesen, so Diao. Der Regisseur spricht von nur „fünf oder sechs“ kleinen Änderungen. Er vermutet, dass China seinem Publikum künftig bessere Filme anbieten und den Ruf des chinesischen Kinos auch international aufpolieren wolle. Und dies gehe eben nur einher mit einer Lockerung der Zensur.

Eindeutig politische Filme haben zwar trotzdem keine Chance. Doch der Trend ist eindeutig. Auch andere Filme wie A Touch of Sin oder No Man’s Land sprechen als Krimis sozioökonomische Themen an und verlagern das Geschehen in Regionen abseits der großen Metropolen – auch wenn sie mit den Zesnoren weniger Glück hatten als Feuerwerk am helllichten Tage.

 

Text: Adrian Kummer

Bei der Freikarten-Verlosung konnten jeweils 5 x 2 Kinotickets für den Film gewinnen: Johannes Farrenkopf, Moritz Liu, Julius Schenkel, Jens Etienne Yuen und Bastian Lindenbauer. Herzlichen Glückwunsch!