Im Kino: “A Touch of Sin”

Eigentlich typisch: Mit “A Touch of Sin” kommt heute ein chinesischer Film in die deutschen Kinos, dem im Westen viel Beachtung geschenkt wird – obwohl oder gerade weil er in China verboten ist. Sehenswert ist er allemal.

Man mag es kaum glauben, aber Staatspräsident Xi Jinping prahlte noch vor ein paar Monaten vor dem amerikanischen Botschafter mit Jia Zhangkes Film A Touch of Sin. Trotzdem werden die Chinesen den Film, der 2013 bei den Filmfestspielen in Cannes und Venedig Preise einfahren konnte, nicht in den heimischen Kinos bewundern dürfen – ein Spiegelbild des Zensurverlaufes, denn während der Film im Mai 2013 wider Erwarten genehmigt werden sollte, wurde die Vorführung im Dezember 2013 doch noch verboten.

Dafür gibt es aus Sicht der KP gute Gründe. A Touch of Sin portraitiert in vier Episoden zwar  den Fortschritt der Volksrepublik – jedoch nicht ohne seine Schattenseiten. Jia Zhangke begibt sich mit dem Zuschauer auf die Suche nach der Gerechtigkeit, welche die Volksrepublik seinen Bürgern formal garantiert. Und er findet dabei Tragödien, die auf wahren Geschichten beruhen und zwischen Tod, Gewalt und Korruption die Probleme des modernen Chinas offenbaren.

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Die deutschen Medien zeigen sich jedoch nicht nur aufgrund der sozialkritischen Dimension dieses filmischen Amoklaufs begeistert. Der SPIEGEL erkennt in der Darstellung “eine Wucht” wie in Martin Scorseses Taxi Driver. Zudem loben die Kritiker den Film als gelungene Hommage an den Wuxia-Klassiker A Touch of Zen, in dem es ebenfalls um Nepotismus, Machtmissbrauch und schlechte Regierung geht.

A Touch of Sin ist ein sehenswerter Film, obwohl er Chinakennern vermutlich nicht viel Neues vermittelt. Dennoch rüttelt der Film wach, weil er mit seiner schonungslosen Darstellung den Geschichten Leben einhaucht, die man sonst nur aus hohlen Überschriften von Zeitungsartikeln kennt.

Text: Adrian Kummer