Hot on Weibo #8: Der Countdown zum Gaokao läuft

Noch einen Monat bis zu den gefürchteten Abschlussprüfungen: Der Gaokao entscheidet über die Zukunft von vielen jungen Chinesen. Auch auf Weibo spürt man die Anspannung der Schüler.

Chinesische Schüler im Lernstress

Chinesische Schüler im Lernstress / Foto: kevin dooley (Flickr)

Der Gaokao (deutsch: hohe Prüfung), der dieses Jahr vom 7. bis 8. Juni stattfindet, ist wohl die wichtigste Prüfung im Leben der jungen Chinesen. Hier entscheidet sich, auf welche Uni sie gehen dürfen. Oder ob sie überhaupt an irgendeiner Uni zugelassen werden. Denn die Durchfallquote liegt bei rund 40 Prozent.

Gaokao in der Kritik

Chinesische Schüler bereiten sich meist jahrelang auf die Prüfung vor. Wenig Schlaf, zu viel Lernstoff und elterlicher Druck kratzen an der Psyche. Es häufen sich Meldungen von chinesischen Schülern, die den Druck nicht aushalten, an Depressionen leiden, die Schule abbrechen oder sogar Selbstmord begehen.

Die Forderungen nach Reformen der Hochschulprüfungen werden deshalb immer lauter. Letztes Jahr kündigte das Bildungsministerium an, die Zahl der Prüfungsfächer zu reduzieren und die Kriterien bei der Hochschulzulassung zu ändern, so dass der Gaokao an Gewicht verliert. Einen Schritt in die richtige Richtung machte kürzlich die Zhejiang Universität in Hangzhou, eine der Top-Unis des Landes. Schon dieses Jahr sollen hier nicht allein die Gaokao-Ergebnisse, sondern auch die allgemeinen schulischen Leistungen sowie die Motivation der Kandidaten bei der Zulassung miteinbezogen werden.

Gaokao-Kandidaten unter Anspannung

Trotzdem: Umfassende landesweite Reformen scheinen noch in weiter Zukunft zu liegen. Und so sind die meisten Gaokao-Kandidaten einen Monat vor den Prüfungen extrem nervös. Auch auf der Mikroblogging-Seite Sina Weibo spürt man die Anspannung.

Viele Schüler nutzen die Plattform, um über ihr Leid zu klagen. So auch @xiao juan mao jin a jing yao shang da xue:

„Nur noch einen Monat bis zu den Abschlussprüfungen. Ich fühle mich unter Druck und bin sehr nervös. Ich will lernen, aber ich schaffe es einfach nicht. Was soll ich bloß machen? In diesem einen Monat muss ich den allergrößten Fleiß zeigen. Nur wenn ich das schaffe, werde ich später nichts bereuen.“

Mikrobloggerin @Liu-ka-chang ist panisch und hat Angst davor, es nicht auf ihre Traum-Uni zu schaffen:

„Ich kann weder mathematische Kegelschnitte, noch mathematische Funktionen! Englisch kann ich überhaupt nicht. Wie soll ich es so auf die Nankai-Uni schaffen?“

Auch @BOICE _qi fei de chaoren le plagen Versagensängste:

„Gestern habe ich mit meinem großen Bruder geredet. Ich erzählte ihm, dass ich es nicht mehr aushalte. Bald fängt eine neue Lebensphase für mich an, aber ich sehe schwarz für meine Zukunft. Mein Bruder sagte mir, dass Dunkelheit vor dem Licht kommt. Ich müsse nur Durchhaltevermögen beweisen. Ich hoffe, ich kann meine Einstellung ändern. Ich muss fleißig sein. Wenn ich dann die Früchte meiner Anstrengung ernte, werde ich nichts bereuen können, da ich mein Bestes gegeben habe.“

Es gibt jedoch auch einige hoffnungsfrohe Stimmen. @ sxqo_O zum Beispiel blickt mit einem weinenden und einem lachenden Auge auf die schwierige Zeit der Abschlussprüfungen zurück:

„Vor zwei Jahren habe ich mich selbst auf den Gaokao vorbereitet. Auf meinem Schreibtisch lagen so viele Lernpapiere, die ich niemals alle hätte durcharbeiten können. Heute denke ich, dass es eine glückliche Erfahrung war, jeden Tag unter diesem Lernleid begraben gewesen zu sein. Das hat mich persönlich sehr bereichert.“

 

Text: Lisa Niklas