Hot on Weibo #5: Kampf gegen Pornografie

Obwohl Pornografie in China verboten ist, ist sie im Internet leicht abrufbar. Die staatlichen Zensurbehörden sind überfordert. Das soll sich nun mit einer auf Weibo heiß diskutierten Anti-Porno-Kampagne ändern.

Zensiert: Pornografie in China

Zensiert: Sex im Computer / Foto: je@n (Flickr)

Der Kampf gegen Pornos im Internet ist für die chinesische Regierung wie eine unendliche Geschichte: Pornos lassen sich einfach nicht wegzensieren. Jetzt soll eine neue Kampagne für ein sauberes Internet 2014 für mehr Sittlichkeit auf Chinas Webseiten sorgen. Chinas Netizens sind darüber eher geteilter Meinung.

Die Kampagne wurde am Sonntag vom staatlichen Amt gegen pornographische und illegale Veröffentlichungen vorgestellt. Sie richtet sich vorwiegend gegen Websites, Suchportale und App Stores, die Zugang zu pornographischem Inhalt verschaffen. Alle Betreiber wurden dazu aufgefordert, alle Verbindungen zu pornographischen Inhalten zu entfernen, um einer Schließung zu entgehen.

 

Reaktionen der Mikroblogger

Pornografie Weibo

Die Administratoren von Weibo melden sich zu Wort/ Foto: Weibo

Die Administratoren von Sina Weibo, Chinas wichtigster Mikroblogging-Plattform, reagierten prompt und veröffentlichten ein Bild ihres Maskottchens mit Polizeimütze und dazu passendem Text:

Ein kultiviertes Internet schaffen, die Pornographie ablehnen ist immer schon ein wichtiges Konzept für Weibo gewesen. Weibo wird, wie in der Vergangenheit auch, die entsprechenden Gesetze befolgen und die Pflicht erfüllen, das Netzwerk sauber zu halten. Weibo wird die Anstrengungen verstärken, obszöne pornographische Informationen und Nachrichten zu entsorgen. Alle Internetnutzer werden ebenfalls dazu aufgefordert, Kontrollen und Denunziationen durchzuführen.“

Die Mikroblogger selbst sind eher geteilter Meinung. Während einige die Kampagne unterstützen, sind andere eher unentschlossen. Netizen @So ai G che beispielsweise unterstützt die Kampagne, sieht das wirkliche Problem aber in einer mangelnden sexuellen Bildung der jungen Chinesen:

„(…) Man muss die Wurzel (des Problems) finden. Die Schüler heutzutage haben doch gar keine Ahnung in Sachen Sex. Dieser Aspekt wird einfach übergangen (…)“.

Manche vermuten politische Motive und befürchten, dass die neue Anti-Porno-Kampagne sich eher gegen sexuelle Minderheiten als gegen Mainstream-Pornographie richtet. So wurden laut Berichten von Human Rights Watch in der Vergangenheit auch schon Webseiten gelöscht, die Informationen und Ratschläge für Homo-, Bi- und Transsexuelle anboten. Netizen @Wo yuan zai er ci yuan shouhu ni kommentiert dies:

„Pornographie zu entfernen ist in Ordnung, aber die Kampagne)sollte sich nicht gegen Homosexuelle richten. (…) Die Liebe sollte von niemandem aufgehalten werden. (…)“

@fayi qinmin wiederum reagiert sarkastisch auf die Kampagne. Er postet ein rein gelbes Bild (die Farbe gelb steht in China für Pornographie) und schreibt dazu:

„Ich habe gehört, dass der Weibo-Account gelöscht wird, wenn man ein gelbes Bild veröffentlicht. Das probiere ich gleich mal aus.“

Pornografie Diskussion auf Weibo

 

Der Kampf gegen Pornographie in China: eine unendliche Geschichte?

Die neueste Anti-Porno-Kampagne ist nicht die erste Aktion dieser Art. Pornographie ist offiziell bereits seit der Gründung der Volksrepublik 1949 verboten. Seit den späten 1990er Jahren bemüht sich die Regierung verstärkt darum, die Verbreitung von pornographischem Material zu verhindern – vor allem auch im Internet. In der Vergangenheit wurden bereits zehntausende Webseiten entfernt und tausende Menschen verhaftet.

Trotzdem wird die Produktion und der Konsum von Pornographie wohl auch in Zukunft nicht vollkommen zu vermeiden zu sein. Laut Schätzungen werden fast ein Drittel der weltweiten Ausgaben für Pornos in China getätigt. Egal, wie sehr sich die Regierung also für die Anti-Porno-Propaganda einsetzt. So lange es eine Nachfrage gibt, gibt es auch ein Angebot. Das ist wohl überall auf der Welt so.

 

Text: Lisa Niklas