Hot on Weibo #21: Skandal um falsche Lammfleischspieße

Ob Gammelfleisch bei McDonalds, Antibiotika in Futtermitteln oder verseuchtes Schweinefleisch: Fast wöchentlich berichten Chinas Medien über Fleischskandale. Diesmal geraten die beliebten Lammfleischspieße ins Visier der Mikroblogger.

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Gegrillte Lammfleischspieße: Alles nur Fake? / Foto: SoHome (Wikimedia Commons)

Jeder, der schonmal auf den Straßen Pekings unterwegs war, kennt sie: Lammfleischspieße oder yang rou chuanr (羊肉串) gehören zu den beliebtesten Street Food Snacks Chinas.

Jetzt haben chinesische Journalisten aufgedeckt, dass viele Betreiber der Barbecue-Stände gar kein echtes Lammfleisch verwenden. Stattdessen setzen sie auf billigeres Rind- oder Hühnerfleisch, das mit Lammfleischaroma „verfeinert wird“. Auch abgelaufenes Gammelfleisch soll für die Spieße verwendet worden sein.

Chinesen glauben nicht an Lebensmittelsicherheit

Solche Fleischskandale sind keineswegs neu. Schon im letzten Jahr sorgte der Verkauf von Rattenfleisch, das als Lammfleisch deklariert worden war,  für Aufregung unter Chinas Netizens.

Chinas Weibo-Gemeinde scheint sich an immer wiederkehrende Lebensmittelskandale bereits gewöhnt zu haben, wie die vielen sarkastischen Kommentare zeigen. @ Never compromise versucht es mit einem Witz:

„Neben einem Barbecue-Stand kniete ein kleines, heulendes Lamm: ‚Mama, Mama, sie haben dich gegrillt!’ Da kam eine kleine Ratte an und sagte: Hör auf zu weinen, das ist meine Mutter, die da gegrillt wird…“

@ Doo Yu kann die Aufregung nicht verstehen und weist mit einem Zwinkern darauf hin, dass es schließlich der  chinesischen Tradition entspricht, Gerichten einen irreführenden Namen zu geben:

„Im in Sojasauce geschmorten Löwenkopf (hong shao shizi tou*) ist ja auch kein Löwe drin, in den in Fischsauce gebratenen Fleischstreifen (yuxiang rou si*) ist kein Fisch drin und in der Tigerhautpeperoni (hupi lajiao*) ist kein Tiger. Warum also sollte man in Lammspießen Lammfleisch erwarten?“

Andere sind hingegen empört. @ Taizhou wang qi feng fragt sich zum Beispiel, warum es immer Journalisten sind, die solche Skandale aufdecken, aber niemals die eigentlich zuständigen Behörden:

„Jedes Mal sind es entweder verdeckte Reporter oder Branchen-Insider (Anm. d. Red.: die Skandale aufdecken). Was machen eigentlich die Aufsichtsbehörden? Seid ihr wirklich so korrupt, dass ihr das einfache Volk einfach Gammelfleisch essen lasst?“

In Xinjiang wäre das nie passiert (?)

Die berühmten Lammfleischspieße kommen ursprünglich aus Xinjiang und verbreiteten sich von dort aus im ganzen Land. Viele glauben, dass es gar kein Problem gäbe, wenn das Lammfleisch überall eine so gute Qualität wie in Xinjiang hätte. Dort muss das Fleisch allein aus religiösen Gründen hohen Qualitätsstandards gerecht werden, denn  viele der Bewohner Xinjiangs stammen aus religiösen Minderheiten.

@ ling xiao bing aus Xijiang kommentiert:

 „Wir würden nie anderes Fleisch als Ersatz verwenden.“

@ Kaadai vertritt eine ähnliche Meinung:

„Viele Menschen verurteilen die Leute aus Xinjiang… aber so etwas habe ich in Xinjiang nie erlebt. Hier wird weder vergiftetes Milchpulver noch falsches Lammfleisch verwendet.“

*Bei hongshao shizi tou handelt es sich um Schweinefleischbällchen, yuxiang rousi sind Schweinefleischstreifen nach Sichuan Art und hupi lajiao sind gebratene Peperoni.

 

Text: Lisa Niklas