Klub-WM: Bayern München gegen Guangzhou Evergrande

Heute spielt der FC Bayern München bei der Klub-WM in Marokko gegen den asiatischen Champions League Sieger Guangzhou Evergrande. In China werden viele Fans trotzdem den Bayern die Daumen drücken.

Gong Lei vom China-Fanclub des FC Bayern

Samstag, 22:30. Für Millionen Bayern-Fans in China heißt es jetzt: Einschalten. Das Staatsfernsehen CCTV überträgt auf seinem Sportsender nahezu alle Bundesliga-Spiele des deutschen Rekordmeisters live. Kein Wunder also, dass Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller und Philipp Lahm mittlerweile zu den bekanntesten Deutschen in der Volksrepublik zählen.

Nicht nur die Bundesliga erfreut sich großer Beliebtheit im Reich der Mitte. Auch andere europäische Top-Ligen wie die englische Premier League, die spanische La Liga oder die italienische Serie A buhlen um die Gunst der chinesischen Fans. Die Europäer erhoffen sich von den chinesischen Anhängern zusätzliche Einnahmen, wenn es um den Verkauf von Fanartikeln und Sponsorenverträge geht. Zum Teil spricht man schon vom „chinesischen Spielplan“, wenn die Spiele in Europa bereits mittags beginnen, um durch die Zeitverschiebung keine chinesischen Zuschauer zu verlieren. Auf diese Weise konnten Bundesligavereine schon chinesische Sponsoren wie Huawei, Haier oder Yingli Solar für sich gewinnen.

 

Spielen die Bayern bald in China?

Immer mehr Chinesen wollen ihre Helden aber auch live im Stadion sehen. Bislang kamen die großen Teams aus Europa zwar zu Freundschaftsspielen, um neue Fans zu werben. Doch künftig planen die europäischen Verbände, auch Pflichtspiele in der Volksrepublik auszutragen. Sowohl der spanische Verband RFEF als auch die deutsche DFL denken derzeit über eine Austragung der nationalen Supercup-Wettbewerbe in China nach. Gong Lei vom China-Fanclub des FC Bayern München hält diesen Schritt für sinnvoll. „Hier in China gibt es viele fanatische Bayern-Anhänger“, sagt er. „Auch aus strategischer Sicht wäre das gut für alle Bundesliga-Vereine. Die Italiener sind den Deutschen beispielsweise noch voraus, weil sie Pioniere am Markt waren. Bereits in den 90er Jahren kamen Spiele der Serie A hier live im Fernsehen.“

Gong Lei betreibt mit seinem Fanclub die größte Bayern-München-Website Chinas. 50.000 registrierte und Millionen weitere Nutzer informieren sich auf dem Portal über den deutschen Rekordmeister. Die Unterstützung aus München ist ihm dabei sicher. „Die Marketing-Abteilung des FC Bayern versorgt uns mit allen relevanten Bildern und Videos“, erzählt er stolz. „Zudem erhalten wir von ihnen ständig Nachrichten über Mannschaft und Verein.“ Die Münchner meinen es ernst mit der Erschließung des chinesischen Marktes. Sponsoren wie Adidas, Allianz oder Lufthansa stehen ihnen dabei helfend zur Seite. So bekommt jeder Käufer eines Audi-Wagens ein Bayern Trikot gratis dazu.

 

Nationaler Fußball kommt nicht in die Gänge

Die Chinesen wissen mittlerweile selbst um das Potenzial ihres Fußballmarktes. Heimische Investoren versuchen, die chinesische Super League mit Finanzspritzen auf Biegen und Brechen international konkurrenzfähig zu machen. Sie verpflichten abgehalfterte Stars aus Europa und Trainerlegenden alter Tage, um sich die fußballerische Vorherrschaft im asiatischen Raum zu sichern. Guangzhou Evergrande, der heutige Gegner der Bayern, konnte mit der Verpflichtung Italiens Weltmeister-Trainers Marcello Lippi sogar die asiatische Champions League gewinnen.

Dennoch findet die chinesische Super League in China nur wenig Beachtung. Das hängt zum einen mit der mittelmäßigen Qualität der Spiele zusammen. Zum anderen kommt es immer wieder zu Querelen. Die westlichen Stars fühlen sich oft unwohl trotz fürstlicher Bezahlung. Und es bleiben auch schon mal Gehaltszahlungen aus. Viele Spieler wie Ex-Bundesliga-Profi Lucas Barrios kehren China deshalb bereits vor Vertragsende den Rücken. Hinzu kommen Wettskandale, welche Spielverläufe teilweise ad absurdum führen. Jörg Albertz, der selbst zwei Jahre in China spielte, äußerte sich gegenüber 11Freunde dazu: „Es gab Spiele, in denen der Torwart daneben gegriffen hat bei Bällen, die ein E-Jugendlicher halten würde. Bei einigen Schiedsrichterentscheidungen konnte man sich nur an den Kopf fassen.“ Die chinesischen Mitspieler hätten schon längst resigniert. „Aus den eigenen Reihen hieß es nur, dass das eben so sei in China.“

 

Bayern haushoher Favorit

Auf die Schiedsrichter wird sich die Mannschaft aus Guangzhou heute nicht verlassen können. Und auch ein Wettskandal zugunsten der Bayern scheint unwahrscheinlich, zu sehr steht das Spiel im Fokus der Öffentlichkeit. Das Halbfinale (heute um 20:30 Uhr live im Ersten) gegen die „Super-Bayern“ wird also eine schwierige Aufgabe für Guangzhou – wenn auch keine unmögliche, wie Trainer Marcello Lippi meint: „Wir wissen, dass Bayern eine der besten Mannschaften der Welt ist. Wenn wir 100 Mal gegen sie spielen, werden wir 99 Mal verlieren. Aber der eine Sieg kommt vielleicht im nächsten Spiel.“

 

Text: Adrian Kummer / Foto: Wang Bo