Eurovision Song Contest: So stimmten die Chinesen

Die China-Anspielungen beim ESC dürften die meisten Chinesen nicht mitbekommen haben – denn der Wettbewerb wurde in ihrer Heimat nicht im TV übertragen. Das hielt einige chinesische ESC-Fans trotzdem nicht davon ab, im Internet ihre Punkte zu verteilen.

ESC-China

ESC-Gewinnerin Conchita Wurst / Foto: Albin Olsson

Der Eurovision Song Contest hat auch in China seine Fans. Ein Blog rief alle chinesischen ESC-Liebhaber dazu auf, ihre Stimmen nach der Show abzugeben. Dabei landete nicht Österreichs Chonchita Wurst auf dem ersten Rang, sondern der eigentlich drittplatzierte Beitrag aus Schweden.

Während Deutschland in der Gunst der Chinesen einen enttäuschenden 25. Platz belegte, machten die Iren den größten Sprung nach vorne. Im echten Wettbewerb kam Irland nicht einmal über das Halbfinale hinaus, die Chinesen wählten sie jedoch auf den zweiten Rang. Insgesamt befinden sich fünf Länder aus der chinesischen Top 10 auch unter den zehn besten der Original-Abstimmung.

Insgesamt vergaben 60 Chinesen aus der Volksrepublik, Hong Kong und Taiwan je 1 bis 12 Punkte. Am Ende wurden die Punkte addiert.

PLATZ CHINA ESC
1 Schweden Österreich
2 Irland Niederlande
3 Montenegro Schweden
4 Spanien Armenien
5 Norwegen Ungarn
6 Schweiz Ukraine
7 Aserbaidschan Russland
8 Vereinigtes Königreich Norwegen
9 Armenien Dänemark
10 Dänemark Spanien
11 Rumänien Finnland
12 Mazedonien Rumänien
13 Russland Schweiz
14 Niederlande Polen
15 Ukraine Island
16 Österreich Weißrussland
17 Slowenien Vereinigtes Königreich
18 Belgien Montenegro
19 Israel Griechenland
20 Griechenland Italien

Ein bisschen (zu viel) Wahnsinn

Dennoch glaubt Clemens Dreyer, Autor des Buches Ein bisschen Wahnsinn: Wirklich alles zum Eurovision Song Contest, dass sich die Beliebtheit des ESC in China in Grenzen hält: „Außerhalb von Europa wird der ESC nur teilweise wahrgenommen – in Australien und Asien ein wenig, in den USA und Afrika aber gar nicht.“

Dass die Chinesen den österreichischen Travestiekünstler Conchita Wurst nur auf Platz 16 gewählt haben, hält Dreyer für wenig überraschend. „Unter Homosexuellen ist der ESC vor allem in Ländern beliebt, in denen gleichgeschlechtliche Liebe auch offen ausgelebt werden darf. Und das ist halt eher in West- und Mitteleuropa der Fall.“

Nicht nur den chinesischen Fans, auch Chinas Zensurbehörden dürfte Conchita Wurst too much gewesen sein. Anders als 2013 gibt es für den diesjährigen Wettbewerb darum nur wenig Hoffnung auf eine Ausstrahlung als Wiederholung im chinesischen Staatsfernsehen.

Rätselhafte China-Anspielungen

Doch auch ohne chinesische Beteiligung spielte China am Samstag eine Hauptrolle. Die dänischen Moderatoren stifteten Verwirrung unter den Zuschauern, weil sie immer wieder Chinesisch sprachen und auf China anspielten.

Ein Musikvideo, das das Rätsel im Laufe der Sendung auflösen sollte, verwirrte die Zuschauer jedoch noch mehr. Was das Ganze sollte, weiß auch heute noch niemand so genau.