Diese 5 ethnischen Minderheiten Chinas solltest du kennen

Die ethnische Vielfalt Chinas hat weit mehr zu bieten als nur Tibeter und Uiguren. Wir zeigen euch deshalb fünf ethnische Minderheiten, die ihr unbedingt kennen solltet.

Ethnische-Minderheiten-China

Ethnische Minderheiten als Souvenir-Figuren / Foto: KittyKaht (Flickr)

Rund 55 ethnische Minderheiten sind in der Volksrepublik neben den Han-Chinesen als Nationalitäten anerkannt. Laut Zensus 2010 bilden diese nationalen Minderheiten einen Anteil von 8,49 % an der Gesamtbevölkerung. Im Westen kennen wir durch die Medienberichterstattung über die andauernden drastischen Konflikte vor allem Tibeter und Uiguren. Doch welche weiteren ethnischen Gruppen leben in China?

Unser westliches China-Bild vermittelt oft den Eindruck einer relativ homogenen Gesellschaft, dabei ist eher das Gegenteil der Fall. Innerhalb der chinesischen Bevölkerung finden sich vielfältige ethnische Gruppen mit kulturellen Unterschieden, Traditionen, Sprachen und regionalen Besonderheiten.

Trotz Assimilations-Versuchen während der Mao-Zeit haben viele der nationalen Minderheiten ihre kulturelle Substanz erhalten können. Die traditionellen Siedlungsgebiete der ethnischen Minderheiten Chinas (anerkannte Nationalitäten, sowie nicht anerkannte ethnische Gruppen) erstrecken sich über fast zwei Drittel der Fläche Chinas. Doch nur bei 18 der Minderheiten übersteigt die Bevölkerungszahl die Millionengrenze. Wie vielseitig die ethnischen Gruppen sind, zeigen euch unsere Beispiele.

Größte nationale Minderheit in China: Die Zhuang

Zhuang

Zhuang-Tänzer beim traditionellen Bambus-Tanz / Foto: goldendragon613 (Flickr)

Mit rund 17 Millionen Menschen sind die Zhuang nach den Han-Chinesen die zweitgrößte Nationalität der Volksrepublik. Die Mehrzahl lebt heute auf dem Autonomen Gebiet der Zhuang Guangxi im Südosten Chinas. Erste Siedlungen der Zhuang gab es bereits in der Altsteinzeit in den Provinzen Guangxi  und Guangdong, sowie in Teilen der Provinzen Jiangxi und Hunan.

Bekannt ist diese ethnische Gruppe unter anderem für ihre Gesänge. Zu Feiertagen, Hochzeiten oder Begräbnissen finden sogenannte Gexu, Gesangsmessen, statt. Die monogam lebenden Zhuang haben eine für unsere Begriffe kuriose Ehe-Tradition: Nach der Hochzeit betritt die Braut das Haus ihres Ehegatten nicht, sondern lebt weiter in ihrem Elternhaus. Erst wenn sie ein Kind erwartet, zieht sie dauerhaft zu ihrem Mann. Ein Brauch, der inzwischen jedoch kaum noch ausgeübt wird.

Die Miao: Haare der Ahnen als Kopfschmuck

Miao

Miao-Frauen mit Haartracht in Guizhou / Foto: okbyeblog.com

Die knapp 9,5 Millionen Angehörigen der Miao-Minderheit sind größtenteils in den bewaldeten Berggebieten Südchinas ansässig. Sie können wiederum in knapp 100 verschiedene ethnische Gruppen untergliedert werden, die sich hauptsächlich durch ihre Kleidung voneinander abgrenzen.

Besonders auffällig sind etwa die Haartrachten der Miao-Frauen in Guizhou. Über Jahrhunderte sammeln sie die Haare ihrer weiblichen Ahnen, die als voluminöser Kopfputz getragen werden.

Die Tujia: Nachfahren der weißen Tiger?

Tujia

Tujia beim Baishou-Handtanz / Foto: Regierung von Hubei

Die Tujia sind hauptsächlich in den Provinzen Hunan, Hubei und Guizhou sowie in der Megacity Chongqing beheimatet. Ihre Bevölkerungsanzahl liegt bei fast 8,5 Millionen Menschen.

Die Tujia sind überzeugt, Nachfahren der weißen Tiger zu sein. Daher verehren sie diese Tiere ungemein. Seit etwa 500 Jahren praktizieren sie den sogenannten Baishou-Handtanz, der mit Hilfe von 70 symbolischen Gesten eine Fülle von Themen des traditionellen Lebens illustriert. Mitglieder der Tujia-Minderheit bestreiten ihren Lebensunterhalt heute häufig durch Einnahmen aus dem Tourismus.

Opiumanbau in der Nähe des „Goldenen Dreiecks“: Die Lahu

Lahu

Eine traditionelle Lahu-Familie / Foto: China Today

Zur nationalen Minderheit der Lahu zählen etwa 500.000 Menschen. Die in der Volksrepublik lebenden Lahu haben sich hauptsächlich in Yunnan angesiedelt. Allerdings sind auch viele Angehörige dieses Volks in Laos, Thailand, Myanmar und Vietnam beheimatet.

Die Ernährungsgrundlage der meisten Lahu bildet selbst angebauter Bergreis. Aber auch andere Pflanzen spielen in der Landwirtschaft eine große Rolle: So wird beispielsweise Opium für den Weiterverkauf gezüchtet.

Leben im Matriarchat: Die Mosuo

Mosuo

Zwei Mosuo-Frauen / Foto: Sherry Zhang (Flickr)

Das Volk der Mosuo ist offiziell ein Teil der etwa 320.000 Menschen umfassenden Naxi-Minderheit. Ein Großteil der Mosuo lebt am Ufer des Lugu-Sees zwischen den Provinzen Yunnan und Sichuan.

Die Lebensweise dieser Minderheit zeichnet sich durch ihre matrilineare Gesellschaftsstruktur aus. Hier sind die Frauen die Familienoberhäupter, ihren Namen und Besitz vererben sie nur an weibliche Nachkommen wie Töchter oder Nichten. Das Zusammenleben als Ehepaar, so wie wir es kennen, ist bei den Mosuo nicht geläufig. Männer kommen die Frauen lediglich als Liebhaber über Nacht besuchen. Auch wenn es auf uns ungewöhnlich wirkt, scheint dieses System durchaus zu funktionieren.

Eine sehenswerte Bilderstrecke mit exemplarischen Familienportraits von allen 56 nationalen Minderheiten Chinas findet ihr bei den Kollegen von China Today.

 

Text: Rosi Bach