Der 21China TV-Tipp: Chinas neue Bürger

Der 21China-TV-Tipp. Heute: Chinas neue Bürger (Sonntag, 27. September, 22.30 Uhr, phoenix Uhr)

002Das Ehepaar Cheng zeigt der Aktivistin Su (r.) ein selbstgedrucktes Plakat mit Fotos ihrer vermissten Tochter / Foto: PHOENIX/NDR/ARD Studio Peking

Fünf Menschen kämpfen für ein besseres China. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Ihnen gemeinsam ist der Wunsch, ihr Land gegen alle Widerstände und Hindernisse etwas gerechter und lebenswerter zu machen. Der Film unternimmt eine dokumentarische Momentaufnahme des heutigen China. Er begleitet Chinesen, die gegen den Strom schwimmen. Sie verschließen ihre Augen nicht vor den Problemen, sondern versuchen auf eigene Faust etwas zu ändern. Sie tragen dazu bei, dass in China ganz allmählich eine Zivilgesellschaft entsteht – im Reich der Mitte, das im Zuge der rasanten Entwicklung der letzten Jahre seine Mitte verloren hat.

Arbeiterrechtler Wei Wei kam einst als Gelegenheitsarbeiter vom Land in die Großstadt Peking. Heute kämpft er mit seiner eigenen NGO gegen die Ausbeutung der Millionen Arbeiter auf den Baustellen und an den Fließbändern im ganzen Land. Aktivistin Su Changlan hilft den unzähligen Familien, die der Kinderhandel auseinandergerissen hat, der seit der strikten Ein-Kind-Politik immer mehr um sich greift. Der 60jährige Zhang Shihe war einst erfolgreicher Medienunternehmer. Heute durchquert er das Land auf dem Fahrrad. Als kritischer Blogger berichtet er über Menschen, die durch Bauprojekte ihre Heimat verloren haben. In der gelenkten staatlichen Presse tauchen diese Geschichten nicht auf.

Self-Made-Man Jin Feibao schwimmt auf der Erfolgswelle des Booms. Als Berater für Immobilienprojekte und lokale Regierungen verdient er gut und genießt sein Leben im Luxus. Doch auch er sieht die Probleme. Als Wohltäter eines kleinen Bergdorfes will er der Gesellschaft etwas zurückgeben. Der bekannte Hongkonger Intellektuelle und Romancier Chen Guanzhong zog vor zehn Jahren nach Peking, um Öffnung und Aufschwung des Landes hautnah mitzuerleben. Seine düsteren Romane kritisieren die Kontroll- und Propaganda-Maschinerie der Partei und dürfen in China nicht erscheinen. Doch wenn er sieht, wie immer mehr Menschen sich für andere engagieren, schöpft er neue Hoffnung.

“Chinas neue Bürger? nimmt den Zuschauer mit zu den Menschen. Der Film ist eine Nahaufnahme des Lebens im heutigen China wie man sie selten hat. Wenn China nicht erstarren soll, dann muss von Menschen wie diesen Protagonisten der Impuls zur Veränderung ausgehen. Die Dokumentation erlaubt einen unverstellten Blick auf eine Gesellschaft zwischen Traumata und wachsendem Selbstbewusstsein, zwischen neuer Freiheit und andauernder Repression.